Dienstag, 20. April 2021
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
FIA Formel E
25.02.2021

FIA WM – die Formel E startet in Diriyya in die neue Rennzeit

Aus Season Seven eine „glorreiche Sieben“ machen: Die Formel E startet am 26. und 27. Februar in ihre erste Rennzeit mit dem Prädikat „FIA-Weltmeisterschaft“. Die rein elektrische Rennserie wird damit als eine von nur fünf Weltmeisterschaften im Automobilrennsport ausgetragen, inklusive des Faktors Konkurrenzkampf. 24 Fahrer, darunter zwölf verschiedene Formel-E-Rennsieger, kämpfen für zwölf Teams um Titel in Fahrer- und Team-WM. Unter den Automobilherstellern sind auch vier deutsche Premiummarken: Audi, BMW, Mercedes-EQ und Porsche.


Technisches

Vor Season Seven hatten die Teams die Wahl. Option eins: mit ihrem 2019/20er-Antriebsstrang – also jenen Komponenten, die die in den Batterien gespeicherte Energie in Vortrieb umwandeln – weiterzumachen. Option zwei: komplett neue Antriebskomponenten zu entwickeln, die in den kommenden zwei Saisons eingesetzt werden müssen. Option drei: die Einführung der neuen Teile auf den weiteren Saisonverlauf zu verschieben und das aktuelle Paket bis dahin weiter einzusetzen.


Wofür sich die Teams entschieden haben

Die Mannschaft Audi Sport ABT Schaeffler ist mit einer neuen, im eigenen Hause entwickelten und gebauten MGU (Motor-Generator-Einheit) aufs Ganze gegangen. Das Ergebnis ist die „Audi MGU05“ – ein einstufiger elektrischer Antriebsstrang mit Innenrotor, Außenmagneten, einem hocheffizienten Kühlsystem und sechs elektrischen Phasen. Der Leiter der e-Drive-Entwicklung bei Audi Sport, Stefan Aicher, ging mit seinem Team „bis an die Grenzen“ und schaffte es, durch den Einsatz von Leichtbaumaterialien Gewicht zu sparen und gleichzeitig das Packaging und die Integration in das Chassis des FE07 zu optimieren. Tristan Summerscale, Projektleiter der Formel E, bezeichnete das Vorhaben als eines der „herausforderndsten und intensivsten Projekte, die Audi Sport je durchgeführt hat.“ Als Kundenteam wird auch Envision Virgin Racing von dem neuen Antrieb profitieren.

Porsche, Jaguar Racing, BMW i Andretti Motorsport, der M7Electro von Mahindra Racing, der durch eine Antriebspartnerschaft mit ZR beflügelt wurde, NIO 333 und Mercedes-EQ sowie der Kunde ROKiT Venturi Racing starten ebenfalls mit neuer Technik. Stoffel Vandoorne bezeichnete den Silberpfeil 02 zuletzt als „definitiven Schritt nach vorn“.

Anzeige
Nissan e.dams, DRAGON/PENSKE AUTOSPORT und DS TECHEETAH haben sich dafür entschieden, die Homologation neuer Antriebe zu verschieben und mit dem Paket der Season Six in die ersten Rennen zu gehen – um so mehr Zeit zu haben, ihre Entwicklungen zu perfektionieren und gleichzeitig bewährte Teile zu verwenden. DS TECHEETAH, Titelverteidiger in Fahrer- und Teamwertung, setzen demnach zunächst einen aktualisierten E-Tense FE20 ein.


Sportliches

Sportlich gehen naturgemäß jene als Favoriten ins Rennen, die in der vergangenen Saison als Champions vom Platz gingen. DS TECHEETAH sicherte sich in Season Six den Titel in der Teamwertung, ihr Fahrer António Félix da Costa in der Fahrerwertung. Wenn es also darum geht, die ersten Weltmeister der Formel E zu küren, wendet sich der Blick automatisch in Richtung dieser Box. Doch beim Fahrerfeld, dem hochkarätigsten im Automobilrennsport, haben 23 weitere Piloten die Trophäe im Blick sowie elf weitere Teams. Aus deutschsprachiger Sicht sind die Werke Audi, BMW, Mercedes-EQ und Porsche zu nennen.

Die ersten Rennen der ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft werden in Diriyya (Saudi-Arabien) bei einem Renndoppelpack ausgetragen. Und das prompt mit einer Premiere: Erstmals werden Rennen der Formel E in der Nacht ausgetragen, innovativer und umweltschonender LED-Flutlicht-Technik sei Dank. Am Freitag und Samstag (26. und 27. Februar) erfolgt der Rennstart um jeweils 18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit. ProSieben MAXX – ausnahmsweise für das Auftaktrennen – und SAT.1 übertragen die Rennen jeweils live im deutschsprachigen Free-TV. Es folgen weitere Rennwochenenden in Rom (Italien, 10. April), Valencia (Spanien, 24. April), Monaco (Monaco, 8. Mai), Marrakesch (Marokko, 22. Mai) und ein weiterer Doppelpack in Santiago (Chile, 5. und 6. Juni). Im Verlaufe des Frühjahrs wird die Formel E weitere Austragungsorte und -daten nennen.


Stimmen vor Saison Nummer sieben


Was die Fahrer der deutschen Werksteams vor der neuen Rennzeit denken.

René Rast (Audi): „Für mich war die Rennpause ja zum Glück nicht so lang: Nach dem Formel-E-Finale im August ging die DTM-Saison mit noch 16 Rennen erst richtig los und hat mit dem Titelgewinn im November ein richtig gutes Ende gefunden. Dennoch: Dieses Kribbeln eine Minute vor dem Start, dass man ab jetzt ganz auf sich allein gestellt ist, dass gleich der Kampf beginnt, dass 45 Minuten wie zehn Sekunden vergehen – dieses Gefühl kriegst du bei keiner Testfahrt und bei keinem Tag im Simulator.“

Maximilian Günther (BMW): „Die Vorfreude zum Saisonauftakt ist natürlich unglaublich groß. Es war eine lange, eine gute Vorbereitung. Wir haben intensiv bei Testfahrten und im Simulator gearbeitet und entwickelt. Ich denke, wir haben ein sehr gutes Paket für die Saison. Wie gut – das werden wir bei den ersten Rennen sehen. Wir fühlen uns gerüstet. Die Nachtrennen in Diriyya werden ein echtes Spektakel.“

Nyck De Vries (Mercedes-Benz EQ): „Auf diesen Moment haben wir lange warten müssen. Seit dem Saisonfinale in Berlin ist einige Zeit vergangen. Wir hatten viel Zeit, um die Daten aus der vergangenen Saison zu analysieren und zu versuchen, uns in jeder Hinsicht und in allen Details zu verbessern. Hoffentlich bringt uns das ein bisschen mehr Performance ein. Wir sind alle heiß darauf, uns in dieser Woche in Diriyya zum ersten Mal in dieser Saison mit der Konkurrenz zu messen.“

Pascal Wehrlein (Porsche): „Ich kann es kaum erwarten. Die Pause war für mich extrem lang, schließlich bin ich mein letztes Rennen fast genau vor einem Jahr in Marrakesch gefahren. Natürlich haben wir zwischendurch getestet und dabei gute Fortschritte gemacht. Doch das ersetzt keine Rennen. Jeder im Team brennt darauf, die bei den Tests gewonnenen Erkenntnisse im Rennen umzusetzen. Ich hoffe auf einen erfolgreichen Saisonstart in Diriyya und darauf, dass der Rest der Saison wie geplant über die Bühne geht.“