Dienstag, 20. Oktober 2020
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DTM
12.10.2020

Erst Feuer, dann Feuerwerk: DTM-Titelkampf nach 4. Rast-Sieg wieder offen

Brennendes Auto vorm Start, Feuerwerk im Rennen – René Rast macht die DTM spannend. Nach seinem zweiten Sieg in Zolder ist der Audi-Pilot neuer Tabellenzweiter. Nur noch zehn Punkte trennen den zweimaligen DTM-Champion bei noch zwei ausstehenden Rennwochenenden vom Schweizer Markenkollegen Nico Müller, der seit seinem Auftakttriumph in Spa-Francorchamps Anfang August die Punktetabelle anführt. Müller musste sich am Sonntag mit spärlichen zwei Punkten begnügen. Noch schlimmer traf es Robin Frijns: Bei der Ausfahrt aus der Boxengasse rutschte der Niederländer mit kalten Reifen in die Leitplanken und musste seinen Audi wenige Meter später abstellen. Die Nulllnummer warf Frijns auf den dritten Tabellenrang zurück. Hinter Mike Rockenfeller auf Rang zwei komplettierte BMW-Pilot Lucas Auer (AUT) als Dritter das Podium. Im Qualifying hatte Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock die Pole-Position erobert – für BMW die erste der Saison und die 75. seiner DTM-Geschichte.


Paukenschlag beim Start: Pole-Sitter Glock landet in der ersten Kurve im Kiesbett

Schon in der Startaufstellung ging es heiß zu. Am Audi RS 5 DTM von René Rast stieg Rauch auf, im Motorbereich züngelten kleine Flammen. Plötzlich stand der Start des Pole-Sitters in Frage, doch die Mechaniker des Audi Sport Team Rosberg machten den #33 Audi wieder fit fürs Rennen. Dann wurde es noch heißer. Mit einem Katapultstart quetschte sich Rast zwischen die beiden BMW von Glock und Sheldon van der Linde (RSA) und schoss in Führung. Auch Ferdinan von Habsburg (AUT, Audi) überrumpelte beide BMW, wurde jedoch von Glock am Heck erwischt – beide landeten im Kiesbett. Anstatt Spitzenreiter war Glock, hinter Habsburg, nur noch Letzter. Von diesem Kontakt profitierten zunächst Rockenfeller, Frijns und Müller, wobei sich Rast und Rockenfeller leicht absetzen konnten.


Boxenausfahrt wird Robin Frijns zum Verhängnis

Der von Platz acht gestartete Robin Frijns steuerte nach der zehn Runde die Boxengasse an und ließ beim Pflichtstopp neue Reifen aufziehen, die gemäß DTM-Reglement nicht vorgeheizt werden dürfen. Lokalmatador Frijns unterschätzte den Grip der kalten Reifen und rutschte im Linksbogen der langen Boxenausfahrt gegen die Leitschienen. Mit defekter Radaufhängung vorne rechts musste der 29-Jährige den Audi frustriert abstellen, was eine Safety-Car-Phase auslöste. Als die Rennleitung den Restart nach Indianapolis-Art in Zweierreihen freigab, war das Fahrerfeld ziemlich durcheinandergewürfelt, weil etwa die Hälfte der Fahrer bereits ihren Pflichtstopp absolviert hatten, die andere Hälfte jedoch nicht. So führte zunächst Marco Wittmann. Der BMW-Pilot hatte seinen Stopp jedoch während der Safety-Car-Phase erledigt, was nicht als Pflichtstopp gilt, und musste schließlich erneut die Boxen ansteuern. Als alle die erfordelrichen Stopps erledigt hatten, lag Rast erneut vor Rockenfeller in Front, während sich Müller nur an neunter Position wiederfand und trotz energischer Angriffe bis ins Ziel nicht mehr am achtplazierten Wittmann vorbeikam.


Erfolgreiches Wochenende für belgisches WRT Team Audi Sport

Hinter dem BMW-Duo Lucas Auer und Timo Glock auf den Plätzen drei und vier glänzte das belgische Audi-Kundenteam WRT. Fabio Scherer (SUI), Harrison Newey (GBR) und Ferdinand Habsburg (AUT) eroberten mit den drei WRT-Audi die Plätze fünf, schs und sieben. Für Scherer waren es die ersten DTM-Punkte. Newey hatte bereits am Samstag brilliert und Rang fünf erkämpft. Habsburg war am Samstag ebenfalls Siebter geworden. 


Audi Sport Team ABT Sportsline holt Team-Titel 

Trotz des Ausfalls von Frijns und des neunten Platzes von Müller feierte das Audi Sport Team ABT Sportsline vorzeitig den Titelgewinn in der DTM-Team-Wertung. Die Kemptener führen uneinholbar vor dem Audi Team Rosberg. Gleichzeitig ist der Kampf um den Fahrer-Titel spannender denn je: Betrug der Punkteabstand zwischen den „Big Three“ Müller, Frijns und Rast vor diesem Wochenende noch 47 Zähler, kommt Müller nun auf 259, Rast auf 249 und Frijns auf 243 Punkte. Somit trennen nur noch 16 Zähler das Audi-Trio, das den Titel unter sich ausmacht. An der Spitze wird die Luft dünner. 


75. Pole-Position für BMW

BMW erlebte ein Wochenende mit Höhen und Tiefen. Timo Glock setzte sich im Qualifying knapp gegen seinen Markengefährten Sheldon van der Linde durch und erzielte damit die 75. Pole-Position von BMW in der DTM-Geschichte. Zudem war es die erste Pole von BMW in dieser Saison, die sechste für Glock in seiner DTM-Karriere. Damit endete die Audi-Dominanz nach 20 Pole-Positions in Folge. Im Rennen gab es allerdings nicht den erhofften BMW-Sieg, immerhin erzielte Auer seine zwölfte DTM-Podiumsplatzierung und die 306. Pofiumsplatzierung von BMW. 

Die verbleibenden vier Rennen in Zolder (16. bis 18. Oktober) und am Hockenheimring (6. bis 8. November) versprechen einen spannenden Krimi im Kampf um den DTM-Titel 2020.


Stimmen zum zweiten Rennen in Zolder

Gerhard Berger, 1. Vorsitzender ITR e. V.: „Zolder ist eine Strecke, wie man sie sich als Fahrer wünscht: Es gibt spektakuläre Kurven und die Auslaufzonen sind kurz – eine echte Herausforderung. Normalerweise sind hier auch die Fans sehr nah dran, das war dieses Wochenende leider nicht möglich. Überholen ist in Zolder eher schwierig, daher waren die Rennen nicht ganz so spektakulär wie sonst oft in der DTM. Die Situation in der Meisterschaft ist aber hochspannend: René Rast hat gut aufgeholt – eine tolle Ausgangslage für die letzten vier Rennen. Vor allem bei den Starts hat er durch seine guten Reaktionszeiten geglänzt, was der Schlüssel zum Erfolg war. Erfreulich war auch die Performance von BMW: die komplette erste Startreihe heute und der Podiumsplatz im Rennen. Ich freue mich auf die verbleibenden Rennen.“

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René Rast (GER), Audi RS 5 DTM, Sieger: „Ein verrücktes Rennen. Erst kamen Flammen aus dem Motorraum, was unsere Mechaniker schnell unter Kontrolle gebracht haben. Beim Start bin ich vom dritten auf den ersten gefahren, was ausschlaggebend war für mich. Im Spiegel konnte ich sehen, dass ich fast von Timo getroffen wurde als er abflog. Ich hatte später Glück, dass ich während der Safety-Car-Phase in der Box war. Nach dem Restart hatte ich zwar Kontakt mit Marco Wittmann, Lucas Auer und Robert Kubica, aber letztlich war es ein super Tag mit Nebeneffekten und einem perfekten Resultat. Es war so unwahrscheinlich, dass wir fast maximale Punkte kriegen, während die Konkurrenz strauchelt. Wir haben zwei weitere Rennen in Zolder vor uns. Die Strecke scheint meinem Fahrstil und meinem Auto ziemlich zu liegen. Aber wir haben an diesem Wochenende auch gesehen, dass hier in Zolder ganz schnell alles anders sein kann. Wir müssen also fokussiert und konzentriert sein und versuchen unser Potenzial maximal zu nutzen.“

Mike Rockenfeller (GER), Audi RS 5 DTM, 2. Platz: „Letztlich war der Start entscheidend als ich nach dem Zwischenfall in Kurve eins auf dem zweiten Platz fuhr. Ich wusste, dass wir ein paar Positionen gewinnen können und müssen an diesem Wochenende. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so schnell hinter René fahren würde. Das war der Schlüssel. Ab dann habe ich gehofft, dass ich ihm etwas entgegensetzen kann, aber das konnte ich nicht. Er ist einfach zu schnell für mich. Ich konnte vor Robin ein wenig herfahren und dann war es eigentlich langweilig. Ich musste nur auf die Reifen schauen. In der Boxengasse lief es dann auch gut. Wir haben hier nichts gewonnen, aber auch nichts verloren. Der Restart war spannend, wir waren mitten im Feld, hatten neue Reifen und es war ein bisschen chaotisch. Wir haben nur versucht ohne Ärger durchzukommen und es hat geklappt. Ich freue mich heute, aber mit meiner Saison bin ich aber alles in allem nicht zufrieden.“

Lucas Auer (AUT), BMW M4 DTM, 3. Platz: „Ich hatte einen guten Start und war, glaube ich, nach Kurve eins schon von dem zwölften Platz drei Plätze nach vorn gerückt. Das war wichtig. Danach hat sich schnell alles eingespielt. Robin und ich waren gleichzeitig beim entscheidenden Boxenstopp. Das war perfekt. Wir sind cool geblieben und haben das Ding nach Hause gebracht, obwohl die Reifen komplett am Ende waren. Ich bin happy mit meinem Team, wir pushen alle 24/7. Wir hatten ein paar coole und schwierige Rennen. Unterm Strich habe ich viel gelernt in Zolder. Ich war das erste Mal hier. Es gibt einige Kurven, wo ich noch ein bisschen Zeit gewinnen kann, aber auch beim Set-up können wir noch was rausholen. Wir analysieren das im Detail und kommen dann noch stärker zurück. Die Konkurrenz schläft nicht, aber wir auch nicht.“