Mittwoch, 13. November 2019
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STT
21.10.2019

Kurioses STT-Finale in der Eifel: Victoria Froß fährt last Minute zum Titel

Mit einem turbulenten Finale endete die Saison der Spezial Tourenwagen Trophy. Der Nürburgring sorgte mit typischem Eifelwetter für die nötige Würze bei der Meisterschaftsentscheidung. Den Titel holte mit Victoria Froß erstmals eine Frau in nunmehr 34 Jahren STT.

Was war das für ein Finale in der Eifel. Viel mehr Spannung ging wohl nicht. Am Ende durfte Victoria Froß den Meistertitel in Empfang nehmen. Ein Novum in der 34. Saison. Erstmals holte eine Frau die Meisterschaft. Im Grunde schien für die Opel-Pilotin jedoch schon alles gelaufen. Als Zweitplatzierte in die Eifel gereist, musste sie auf einen Patzer von Torsten Klimmer hoffen. Der hatte mit seinem Porsche 991 GT3 Cup in der Division 2 bisher eine weiße Weste bewahrt. Zwei weitere Siege und der Titel wäre trotz Punktgleichheit perfekt gewesen.

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Gleich zu Beginn des ersten Rennens schien alles für Klimmer zu laufen. In der Startphase bekam Froß einen Treffer ab und fand sich mit Rückstand am Ende des Feldes. Doch kurz darauf wurde das Safety-Car auf die Strecke geschickt. Jürgen Alzen war mit seinem Ford GT vehement in die Leitplanken eingeschlagen. Als Froß wieder aufgeschlossen hatte, gingen die roten Flagge raus. Rennabbruch. Die Schäden an der Leitplanke waren zu groß. Somit kam es auf das Ergebnis des zweiten Rennens am Sonntag an.

Diesmal hatte Klimmer jedoch die etwas schlechteren Karten. Im Quali war der Porsche auf der rutschigen Piste in die Leitplanke geflogen. Als Folge davon musste Klimmer von weit hinten starten. Zwar mühte sich Klimmer an Stefan Schäfer (VW Golf GTi Cup) vorbei, doch Sophie Hofmann im Seat Leon TCR konnte er im Regen nicht mehr einfangen. Dagegen war es für Victoria Froß bis kurz vor Rennende rund gelaufen. Souverän lag die schnelle Rennfahrerin vor Ralf Glatzel (Ford Fiesta ST) auf der ersten Position in der Division 2. Doch auch am Sonntag musste das Safety-Car ausrücken. Nachdem Restart lag plötzlich Glatzel vorne. Rund 500 Meter vor dem Ziel schien der Titel für Klimmer wieder greifbar. Doch Froß konterte und holte sich die erste Position wieder zurück. Das schwarz-weiß karierte Tuch erlöste die Opel-Pilotin.

„Wir hatten beschlossen das entscheidende Wochenende möglichst entspannt anzugehen und so wie jedes andere Rennwochenende zu arbeiten. Dass es jetzt gereicht hat, ist eine tolle Überraschung. Gestern nach dem Rennabbruch hatten wir eigentlich damit gerechnet, dass es nichts werden würde und es müsste schon viel passieren. Heute ist viel passiert und es hat gereicht. Es war von uns eine starke Teamleistung und ich bin megastolz auf meine Jungs“, freute sich Froß über die Meisterschaft in der STT.

Die Geschichte des ersten Rennens ist schnell erzählt. Von der Pole aus gestartet wollte Alzen den ersten Sieg mit dem neu aufgebauten Ford GT. Die Hoffnung endete nach nur wenigen Metern mit einem heftigen Abflug in die Planken. Der Unfall bedeutete nicht nur das Aus für Alzen, sondern auch für das Rennen. Der zweite Durchgang am Sonntag fand im Gegensatz zum Vortag auf nasser Strecke statt. Ulrich Becker (Porsche 997 GT3 R) hatte am Morgen die Polezeit vor Henk Thuis (Pumaxs RT) eingefahren. Als Dritter lauerte Klaus Abbelen im Ligier JS P3. Den Start entschied Becker vor Thuis für sich, während Abbelen mit den schwierigen Bedingungen auf dem noch neuen Auto zu kämpfen hatte. Dadurch übernahm Stefan Wieninger im Audi TT RS2 zeitweise die dritte Gesamtposition. An der Spitze kämpften Becker und Thuis ihren Kampf aus, wobei der Niederländer von hinten mächtig drückte. Eingangs Mercedes-Arena sah der Pumaxs-Pilot eine kleine Lücke und war eine Spur früher auf dem Gas. Becker blieb zwar am breiten Heck dran, kam aber nicht mehr vorbei. Mit 0,574 Sekunden Vorsprung fuhr Henk Thuis seinen ersten Gesamtsieg in der STT ein. „Es ist fantastisch heute. Ich hatte dieses Jahr schon einige Möglichkeiten zu gewinnen. Aber es gab immer wieder eine Kleinigkeit, die das doch noch verhinderte. Mein Problem ist, dass meine Reifen Zeit brauchen richtig warm zu werden. Ich wusste, dass ich so fünf Runden warten muss, um etwas zu probieren. Uli Becker ist mir nach der Safety-Car Phase sehr nahe gekommen. Wenn es noch eine Runde weitergegangen wäre, hätte er mich vielleicht noch erwischt. Aber ich habe den ersten Platz und bin sehr glücklich mit dem fantastischen Abschluss einer wunderbaren Saison“, befand Henk Thuis. Eine Runde mehr wäre ganz sicher nach dem Geschmack von Ulrich Becker gewesen: „Das Rennen war für mich heute gut, denn im Regen fahre ich recht gerne. Schade, dass Henk Thuis dann doch gewonnen hat. Es war eigentlich mein eigener Fehler. Es hätte ruhig noch eine Runde länger gehen können, dann hätte es noch gereicht. Abgesehen vom Titel in der Division 1war dies die erfolgreichste Saison für mich seit langem. Wir hatten fünf Gesamtsiege und waren immer auf dem Treppchen.“

Rang drei sicherte sich zum Schluss noch Jürgen Bender mit seiner Corvette Z06.R GT3. Drei Runden lang hielt sich Wieninger vor Bender auf der dritten Position, ehe die Corvette doch noch vorbeiging. Während so Bender noch auf das Gesamtpodium kraxeln durfte, feierte Wieninger den Sieg in der diesmal stark besetzten Division 2. Umkämpft war vor allem der zweite Platz hinter dem Audi-Piloten. Zunächst recht souverän Edy Kamm an der fünften Stelle, während dahinter Klaus Horn (Porsche 997 GT3 Cup), Thomas König (Porsche 991 GT3 Cup) und Sophie Hofmann (Seat Leon TCR) sowie Eric van den Munckhof (BMW Z4) um den dritten Platz in der Division 2 rangelten. Die Safety-Car Phase egalisierte schließlich alle Abstände. Und als das Feld für eine Runde noch einmal losgelassen wurde, musste sich Edy Kamm den beiden Porsche beugen. Damit machten Horn und König Rang zwei unter sich aus. Doch im Schumacher-S drehte sich Horn und fiel auf Rang 15 zurück. Den zweiten Platz und Gesamtrang fünf holte sich darauf Thomas König, der damit eine richtig starke Comeback-Vorstellung in der STT abgab. Direkt dahinter liefen Edy Kamm, Eric van den Munckhof und Sophie Hofmann ins Ziel ein. „Das Rennen war eine ganze Katastrophe. Bis zur letzten Runde war ich auf Platz zwei in der Division 2. Berghoch beim Schumacher S hat es mich beim Einlenken mit den alten Reifen weggedreht. Da waren die anderen vorbei“, so Horn später.

Starke Gesamtneunte wurde indes die neue Titelträgerin Victoria Froß. Es waren hier auch nur 0,6 Sekunden, die über Sieg und Meistertitel entschieden. Dass der Titel durchaus verdient ist, zeigte Froß auch damit, dass neben Pablo Briones (Porsche 997 GT3 Cup) eben auch Torsten Klimmer auf der Strecke hinter sich ließ. Dritter in der Division 3 wurde Fabian Kohnert (Ford Fiesta ST), der hinter Stefan Schäfer (VW Golf GTI Cup) auf Platz 14 landete.