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26.05.2024

AvD-Histo-Tour: Es muss kein Sportwagen sein

Mit ihrem ganz speziellen Charakter lockt die AvD-Histo-Tour auch 2024 wieder ganz unterschiedliche Freunde des klassischen Automobils vom 7. bis zum 9. August in den äußersten Westen der Republik. Bereits jetzt zeichnet sich ein illustres Fahrzeugfeld ab, das ausgehend vom Nürburgring, wo es unmittelbar nach dem Start die erste Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) auf der Grand-Prix-Strecke zu absolvieren gilt, zu einer Fahrt durch die malerischen Landschaften der Eifel und Ardennen aufbrechen wird.

Gespickt mit verschiedenen Zeitprüfungen führen die touristischen Fahrabschnitte das Feld der Rallye-Teilnehmer am ersten Tag bis zur legendären „Ardennenachterbahn“, dem Circuit de Spa-Francorchamps. Der Folgetag hält kurz nach dem Frühstück mit der Traditionsrennstrecke Circuit Zolder bereit, bevor die Route auf Straßen, die vielfach das Etikett „Fahrerischer Geheimtipp“ tragen, zurück zum Nürburgring verläuft. Dort erwartet die Teams mit der Grünen Hölle der abschließende Höhepunkt: Die weltberühmte Nordschleife steht den Teilnehmern der AvD-Histo-Tour exklusiv für die finale GLP zur Verfügung.

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Doch wie bereits bei den vorhergehenden Gleichmäßigkeitsprüfungen steht auch hier nicht Top-Speed im Fokus, sondern die Präzision. Denn es gilt die erste Runde auf der jeweiligen Rennstrecke in den Folgerunden so exakt wie möglich zu reproduzieren. Je größer die Abweichung von der selbstgesetzten Soll-Zeit, desto üppiger die Strafpunkte, die sich in der Rallye-Wertung niederschlagen. Dementsprechend muss es zur Teilnahme an der AvD-Histo-Tour also nicht unbedingt ein Sportwagen sein. Und so finden sich in der vorläufigen Nennliste die unterschiedlichsten Fahrzeuge mit Baujahren von 1961 bis 2000. So zum Beispiel ein Fiat 128 Speciale von 1975, dessen 1,3 Liter großer Vierzylinder gute 67 PS leistet. Oder auch aus dem gleichen Baujahr ein Lancia Fulvia Coupé eines Teilnehmers aus Ungarn, dessen ebenfalls 1,3 Liter Hubraum messender Motor 90 seine vier Zylinder aber in kompakter V-Form trägt und 90 PS leistet. Mehr „Qualm an der Kette“ hat da der 1966er Ford Mustang zu bieten. Sein V8 gilt mit 4,7 Liter Hubraum zwar als Small-Block, ist aber dennoch für 200 PS und vor allem sattes Drehmoment gut. Nicht mit V8-Bollern, sondern mit typischen Röhren wird die Alfa Giulia 1300 Ti von 1962 den Zuschauern am Wegesrand ihr Kommen ankündigen. Und dank des geringen Gewichts werden die zur Verfügung stehenden 130 PS für ein vergnügliches Fortkommen durchaus genügen. Eine nahezu gleiche Motorleistung bietet auch der VW Golf GTI 16V von 1987. Im Rahmen der AvD-Histo-Tour in der Katalysator-Version mit 129 PS hatte die Wolfsburger Marke den 16-Ventiler zum Marktstart 1986 zunächst in einer Kat-losen Version angeboten, mit 139 PS lanciert. Die Katalysator-Version war dann im Februar 1987 nachgeschoben worden und beweist bis heute, dass Fahrspaß auch mit Abgasreinigung darstellbar ist. Eine ähnliche Freude am Fahren werden sicherlich ebenso die Besatzungen der beiden genannten BMW 320 is aus dem Jahr 1988 empfinden. Diese Version der BMW 3er-Reihe war exklusiv für den italienischen und portugiesischen Markt bestimmt und wird in der Szene daher als Italo-M3 bezeichnet. Sein Zweiliter-Vierzylinder bietet nahezu die gleiche Leistung wie der eigentliche M3 mit 2,3-Liter-Motor, es fehlen aber der M3-typische Heckflügel sowie die ausgestellten Radhäuser.


Auf ein Tête-à-Tête mit Deutschlands bekanntestem Motorsport-Experten

Die breiten Backen finden sich indes am Auto eines prominenten Teilnehmers der diesjährigen AvD-Histo-Tour. Mit einem originalen BMW M3 aus dem Jahr 1987, aus dem Bestand von BMW Classic, wird Motorsport-Experte Christian Danner dabei sein. Der aus verschiedenen TV-Formaten als kenntnisreicher Kommentator bekannte Danner, unternimmt mit dem M3 eine kleine Reise in seine eigene mit Erfolgen gespickte Rennsport-Historie: Noch während seiner Zeit als aktiver Formel-1-Pilot wurde der BMW M3 zum festen Bestandteil seines motorsportlichen Lebenslaufs: Von 1988 bis 1992 startet Danner parallel zu seinem Formel-1-Engagement in einem BMW M3 in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) und fuhr zunächst für das private Team BMW Alpina von Burkhard Bovensiepen, später für die M-Teams Schnitzer, Linder und das MM-Diebels-Team von Günther Murmann. Gleich zu Beginn seiner DTM-Zeit stellte der Münchner sein herausragendes fahrerisches Können unter Beweis und gewann 1988 beide Rennen des Auftakt-Wochenendes in Hockenheim. Auch in den folgenden Jahren zählte Danner stets zu den ganz schnellen Leuten im DTM-Feld und erzielte insgesamt fünf Rennsiege sowie 14 Podestplätze.


Die Strecke: Von der Nürburg durch die Eifel nach Spa und Zolder und retour

Mit der Dokumentenprüfung zum Check-in und der technischen Abnahme der Fahrzeuge startet die Rallye für die Teilnehmer bereits am Mittwochvormittag (7. August) im Eifeldorf Grüne Hölle, unmittelbar gegenüber der Zufahrt zum neuen Fahrerlager des Nürburgrings. Der Rallye-Start ist für den späten Mittwochnachmittag angesetzt. Dann gilt es auf dem Grand-Prix-Kurs die erste Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) zu absolvieren. Nachdem die Teilnehmer im Dorint Hotel Nürburgring übernachtet haben, brechen die Rallye-Teams am frühen Donnerstagmorgen zur Fahrt durch die Eifel auf. Auf dem Weg zur Mittagsrast warten dabei weitere Zeitprüfungen, bei denen festgelegte Streckenabschnitte mit einer vorgegebenen Durchschnittsgeschwindigkeit zu durchfahren sind. Für Über- oder Unterschreitungen werden auch hierbei Strafpunkte notiert. Mit einem Schlenker durch das Großherzogtum Luxemburg erreicht der Rallye Tross am späten Nachmittag den Circuit de Spa-Francorchamps. Nach dem Regrouping absolvieren die Teams auf der legendären Ardennen-Achterbahn ihre nächste GLP. Mit einem „A bientot!“ an Eau Rouge die wohl berühmteste Kurvenpassage im internationalen Rennzirkus, wendet sich das Rallye-Feld nordwärts, um Maastricht anzufahren, wo im Hotel Van der Valk der zweite Rallyetag endet.


Von „Eau Rouge“ in Spa zur „Sterrenwachtbocht“ in Zolder

Gleich am Freitagmorgen erwartet die Teilnehmer der AvD-Histo-Tour mit dem Circuit Zolder die nächste namhafte Rennstrecke, auf der in der Vergangenheit die Formel 1, aber auch die DTM gastierte und auf der heutzutage unter anderem ein vielbeachtetes 24-Stunden-Rennen ausgetragen wird. Auf dem Rückweg an den Nürburgring passiert die Rallye dann den Nationalpark Hohes Venn und den Naturpark Eifel. Bevor die Teilnehmer allerdings am Freitagnachmittag das Zieltor vor dem Bonner Maritim Hotel erreichen, erwartet sie mit der Nordschleife noch ein abschließender Höhepunkt. Auch die einst von Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart als „green hell“ titulierte Strecke steht den Startern der AvD-Histo-Tour 2023 exklusiv eine volle Stunde lang für die letzte Gleichmäßigkeitswertung zur Verfügung.

Nach insgesamt rund 1.000 Rallye-Kilometern durch wunderbare Landschaften und vier legendären Rennstrecken endet die 2024er Ausgabe der AvD-Histo-Tour also in Bonn. Dann werden die Teams rund 300 Kilometer im Rahmen von 25 Wertungsprüfungen – teils als geheime Sollzeitprüfungen – bewältigt haben. Die Sieger werden am Abend in festlich-fröhlicher Runde geehrt und es heißt Abschied nehmen bis zum nächsten Jahr. Abschied? Nicht unbedingt. Alle Teilnehmer-Teams erhalten zwei Wochenendtickets für den 51. Oldtimer-Grand-Prix (9. bis 11. August 2024) sowie einen Wochenend-Parkschein für das Parkhaus „Ring Boulevard“.

Die Nennung für die Histo-Tour 2024 (Nenngeld ab 3.250 Euro) enthält, wie in den Vorjahren, nicht nur die Übernachtungen für Fahrer und Beifahrer in den angefahrenen 4-Sterne-Hotels, sondern an den Rallye-Tagen auch jeweils das Mittag- und Abendessen einschließlich einer Getränkeauswahl. Die Nennfrist für die AvD-Histo-Tour 2024 läuft noch bis zum 16. Juni 2024. Nennungen können auf der Seite der AvD-Histo-Tour abgegeben werden. Analog zu den Vorjahren wird auch die AvD-Histo-Tour 2024 als offizieller Wertungslauf der Deutschen Classic Serie gewertet und das Rallye-Ergebnis wird zudem in die Gesamtwertung zum Deutschen Classic Pokal einfließen.
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