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24h Spa
26.06.2024

Zwölf Porsche beim 100. Geburtstag der 24 Stunden von Spa-Francorchamps

Zehn Porsche-Kundenteams mit zwölf 911 GT3 R und 42 Fahrern nehmen am kommenden Wochenende den Langstrecken-Klassiker in Belgien in Angriff. Das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps in der Ardennen-Region feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Sechs der bis zu 416 kW (565 PS) starken Rennwagen aus Weissach treten mit reinen Profi-Besetzungen in der Pro-Klasse an. Dazu gehören auch zahlreiche Werksrennfahrer von Porsche. Seit 2011 stammt der Gesamtsieger stets aus dieser Top-Kategorie. Hier stehen diesmal insgesamt 24 Fahrzeuge in der Starterliste.

Porsche blickt auf eine erfolgreiche Historie bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps zurück. Acht der bislang 75 Ausgaben des Langstrecken-Klassikers konnte ein Rennwagen aus Weissach gewinnen. „Wir reisen auch in diesem Jahr mit berechtigten Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis und realistischen Chancen auf den neunten Gesamtsieg für Porsche an“, blickt Sebastian Golz, Projektleiter Porsche 911 GT3 R, voraus. „Zehn Kundenteams mit insgesamt zwölf Porsche unterstreichen das Vertrauen, das unser GT3-Rennwagen genießt. Vor allem in der Pro-Kategorie gehen wir mit hochkarätigen Fahrzeugbesatzungen ins Rennen. Somit verfügen wir über beste Voraussetzungen für maximalen Erfolg. Zum 100. Geburtstag dieses Klassikers werden wir alles geben, um diesen real werden zu lassen.“

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Nach den für Porsche erfolgreichen Testsessions im Rahmen des zweitägigen Prologs vor rund einem Monat wurden weite Teile des belgischen Grand-Prix-Kurses neu asphaltiert. „Das schafft für alle Beteiligten völlig neue Voraussetzungen – der neue Asphalt wird vieles auf den Kopf stellen“, ist Golz sicher. „Die Oberfläche ist nicht mehr so rau und auch die Bodenwellen sind anders. Damit fangen beim Fahrzeug-Setup alle noch mal mit einem weißen Blatt Papier an.“ Um Parameter wie die optimale Feder-Dämpfer-Abstimmung und das Verschleißverhalten der Reifen bestmöglich zu erfahren, konnten die Teilnehmer am gestrigen Dienstag im Rahmen einer zusätzlichen Trainingssitzung wertvolle Streckenzeit nutzen.

Seit 1921 zählt der Circuit de Spa-Francorchamps im äußersten Osten Belgiens zu den größten Herausforderungen für Rennfahrer aus der ganzen Welt – und für viele auch zu ihren Lieblingskursen. Mit 7,004 Kilometern und 21 Kurven ist der traditionsreiche Grand-Prix-Kurs noch immer die längste Strecke im Formel-1-Kalender. Für den Beinamen „Ardennen-Achterbahn“ zeichnen insbesondere das spektakuläre Steilstück „Raidillon/Eau Rouge“ und die Bergab-Passage mit der berüchtigten „Blanchimont“-Kurve verantwortlich. Dem steht am Ende der Start-Zielgeraden die Spitzkehre „La Source“ entgegen, eine der langsamsten Kurven der gesamten GT3-Saison. Für zusätzliche Würze des Renngeschehens in den Ardennen sorgt die oftmals wechselhafte Witterung, mit der die Teams und Fahrer jederzeit rechnen müssen.

1924 fand in Spa-Francorchamps zum ersten Mal ein 24-Stunden-Rennen statt. Die Veranstaltung feiert somit in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Achtmal konnte ein Porsche das geschichtsträchtige Langstreckenrennen bis heute gewinnen. Die letzten beiden Siege gelangen in Folge: 2019 sicherten sich Kévin Estre (Frankreich), Michael Christensen (Dänemark) und Richard Lietz (Österreich) mit dem 911 GT3 R der Generation 991.2 den Gesamtsieg. Ein Jahr später fuhr mit Nick Tandy (Großbritannien), Earl Bamber (Neuseeland) und Laurens Vanthoor (Belgien) erneut ein Werksfahrer-Trio auf Platz eins.

24 Stunden von Spa sind Höhepunkt der GT Word Challenge Europe

Die 76. Auflage des Langstreckenklassikers weist ein Starterfeld von 67 GT3-Fahrzeugen auf. Bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps können die Teams auch wieder Punkte für die Intercontinental GT Challenge (IGTC) sammeln. Sie umfasste 2024 erstmals auch die 24 Stunden Nürburgring. 

In erster Linie zählt das längste Ardennen-Rennen des Jahres aber zur GT World Challenge Europe, eine der weltweit wichtigsten GT3-Rennserien. In der Saison 2024 umfasst die Meisterschaft insgesamt zehn Läufe und teilt sich dabei zu gleichen Teilen in einen Sprint Cup und einen Endurance Cup auf. Nach dem Saisonauftakt Anfang April in Le Castellet markieren die 24 Stunden von Spa-Francorchamps die zweite Station der Langstreckenwertung. Für den Klassiker haben neben den 55 fest in den Endurance Cup eingeschriebenen GT3-Teams auch zwölf Gaststarter genannt. 

Die Kundenteams und Fahrer in der Pro-Kategorie

Zwölf Porsche 911 GT3 R von zehn Kundenteams stellen sich der Herausforderung der diesjährigen 24 Stunden von Spa-Francorchamps. Sechs davon zählen mit jeweils drei Fahrern zur 24 Rennwagen umfassenden Pro-Division. In ihr versammeln sich die Hauptfavoriten auf den Gesamtsieg, da in dieser Klasse reine Profi-Crews an den Start gehen dürfen. Schumacher CLRT vertritt mit dem Franzosen Dorian Boccolacci sowie den beiden ehemaligen Porsche-Junioren Ayhancan Güven aus der Türkei und dem Deutschen Laurin Heinrich dabei die Riege der fest in die GT World Challenge Europe eingeschriebenen Teams. Das Gleiche gilt für Rutronik Racing mit dem Schweizer Patric Niederhauser sowie Sven Müller aus Deutschland und dem Franzosen Julien Andlauer. Beide haben ebenfalls die Porsche-Junior-Ausbildung genossen. Das Trio an fest eingeschriebenen Porsche-Kundenteams in der Pro-Wertung komplettiert Pure Rxcing mit dem Briten Alex Malykhin, dem ehemaligen Porsche-Junior Klaus Bachler aus Österreich und dem Deutschen Joel Sturm.

Als Gaststarter kommen in der Pro-Kategorie drei weitere 911 GT3 R mit starker Besetzung hinzu. Für das chinesische Team Phantom Global Racing greifen Joel Eriksson aus Schweden, der ehemalige Porsche-Junior Jaxon Evans aus Neuseeland und der österreichische Porsche-Werksfahrer Thomas Preining ins Lenkrad. In den Einsatz ist auch Porsche-Markenbotschafter Timo Bernhard stark involviert. SSR Herberth vertraut mit den beiden Franzosen Mathieu Jaminet und Frédéric Makowiecki sowie dem Australier Matt Campbell einem reinen Werksfahrer-Trio. Auch Jaminet und Campbell stammen aus dem Junior-Programm des Sportwagenherstellers. Bei HubAuto Racing teilen sich mit Lokalmatador Laurens Vanthoor aus Belgien, Kévin Estre und dem ebenfalls in Frankreich geborenen Patrick Pilet zwei aktuelle und ein ehemaliger Porsche-Werksfahrer das Cockpit. 

Laurens Vanthoor (Porsche 911 GT3 R #992): „In Spa-Francorchamps fahre ich mein drittes 24-Stunden-Rennen innerhalb von nur vier Wochen. Ich wohne rund eine Stunde von der Strecke entfernt und konnte mein Heimspiel bereits zweimal gewinnen. Ich glaube, dass Kévin Estre, Patrick Pilet und ich eine sehr gute Fahrerpaarung bilden – auch wenn es vor allem gegen die fest in die Serie eingeschriebenen Teams sicher schwierig wird. Ich bin gespannt, wie sich die in weiten Teilen neu asphaltierte Strecke präsentiert. Wir peilen auf jeden Fall eine Podestplatzierung an. Sollte sich die Chance auf den Sieg ergeben, wollen wir in einer Position sein, diese nutzen zu können.“ 

Mathieu Jaminet (Porsche 911 GT3 R #92): „2023 musste ich zum ersten Mal nach vielen Jahren die 24 Stunden von Spa auslassen. Ich bin daher sehr froh, wieder zurückzukehren. Mit SSR Performance und Herberth Motorsport haben sich für dieses Rennen zwei Teams zusammengeschlossen, mit denen ich in der Vergangenheit bereits einige Erfolge feiern konnte. Die Zusammenarbeit mit Matt Campbell und Frédéric Makowiecki funktioniert auch immer sehr gut. Wir haben alle Bausteine zusammen, um uns gegen die starke Konkurrenz zu behaupten.“

Thomas Preining (Porsche 911 GT3 R #23): „Als weltweit größtes und härtestes GT3-Rennen versprechen die 24 Stunden von Spa immer sehr unterhaltsamen Motorsport. Für uns Fahrer besteht eine besondere Schwierigkeit darin, den Verkehr in diesem großen Feld aus leistungsmäßig sehr eng beieinander liegenden Rennwagen richtig zu managen. Mit Joel Eriksson und Jaxon Evans fahre ich in einem starken Lineup und in einem guten Team. Ich freu mich drauf.“

Laurin Heinrich (Porsche 911 GT3 R #22): „Auf die 24 Stunden von Spa freue ich mich immer besonders. Bei meiner Premiere im vergangenen Jahr haben wir den fünften Platz eingefahren. Durch den neuen Asphalt fangen vor diesem Wochenende alle bei null an, das macht es besonders interessant. Dorian Boccolacci, Ayhancan Güven und ich bilden ein junges und dynamisches Fahrerteam. Beim Saisonauftakt in Le Castellet haben wir mit Startplatz zwei und einer starken Anfangsphase bewiesen, dass mit uns zu rechnen ist.“
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