Dienstag, 18. Juni 2024
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24h Nürburgring
02.06.2024

P4 für Mercedes beim kürzesten 24h Nürburgring der Geschichte

Mercedes-AMG Customer Racing hat das kürzeste ADAC RAVENOL 24h-Rennen am Nürburgring aller Zeiten mit einer Top-5-Platzierung abgeschlossen. Die #4 des Mercedes-AMG Team BILSTEIN belegte nach einer Renndauer von acht Stunden und 57 Minuten die vierte Gesamtposition, das Schwesterauto #3 überquerte die Ziellinie als Elfter. 240.000 Fans rund um die Nürburgring-Nordschleife sahen eine von unbeständigen Wetterverhältnissen geprägte 52. Ausgabe des Langstreckenklassikers, die wegen dichten Nebels für insgesamt 15 Stunden unterbrochen werden musste.

Gewertet wurde der Stand nach lediglich 50 gefahrenen Runden. Um 23:22 Uhr am Samstagabend rief die Rennleitung aus Sicherheitsgründen zunächst eine rote Flagge aus, weil die Sicherheit auf der Strecke nicht mehr gegeben war. Nachdem der Restart zunächst auf unbestimmte Zeit in die Morgenstunden verschoben wurde, blieb die erhoffte Verbesserung der Sichtverhältnisse im Verlauf des Sonntags vorerst aus. Um 13:30 Uhr absolvierten die verbliebenden Fahrzeuge zunächst fünf angesetzte Einführungsrunden hinter dem Safety Car. Da sich die Bedingungen nicht maßgeblich verbesserten, wurde das Rennen um 15:05 Uhr abgewunken.


Vorzeitiges Rennende verhindert bessere Platzierungen für Mercedes-AMG Team BILSTEIN

Zu diesem Zeitpunkt befand sich vor allem die #4 des Mercedes-AMG Team BILSTEIN in aussichtsreicher Position für den Kampf um die Spitze. Bereits in der ersten Rennhälfte konnte das Fahrerquartett um Maximilian Götz (GER), Daniel Juncadella (ESP), Arjun Maini (IND) und Luca Stolz (GER) durch gute Rundenzeiten Plätze gutmachen. Zudem verhalfen kluge Strategieentscheidungen im diesjährigen Reifenpoker für eine Top-Platzierung. Letztlich verhinderte die starke Nebelentwicklung den möglichen Sprung ganz nach oben. Mit Platz vier erreichte die Startnummer 4 die beste Platzierung für Mercedes-AMG.

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Auch das Schwesterfahrzeug mit der #3 hatte sich bis zum Rennabbruch Samstagnacht in eine vielversprechende Position vorgearbeitet. Bei einsetzendem Regen nach etwas mehr als vier Stunden wechselte das Team auch bei der Startnummer 4 frühzeitig auf Regenreifen und etablierte sich fortan in der Spitzengruppe. Mercedes-AMG Performance-Fahrer und Doppelstarter Arjun Maini (IND) konnte mit der #3 sogar kurzzeitig die Führung übernehmen. Den Restart absolvierten Maini, Michele Beretta (ITA), Frank Bird (GBR) und Jusuf Owega (GER) auf Rang sieben. Durch den Zieleinlauf hinter dem Safety Car konnten sie sich für ihre eindrucksvolle Vorstellung nicht mit einem Podiumsplatz belohnen und landeten auf dem elften Rang.

Der Mercedes-AMG GT3 des Teams ADVAN x HRT hielt sich nach dem Start einige Stunden in den Top 10 und auf dem ersten Platz der SP9 PRO-AM-Klasse. Wegen eines Reifenschadens nach rund sechs Stunden verlor das Fahrzeug den Anschluss an die Spitze und beendete das Rennen auf Platz 18, gleichbedeutend mit Rang fünf in der Klasse.


Schnitzelalm Racing feiert Klassenerfolge in der SP9 PRO-AM und der SP10

Schnitzelalm Racing gelang in gleich zwei Einzelwertungen der Sprung auf das Podest. Der von Position 22 ins Rennen gegangene Mercedes-AMG GT3 #11 mit Jay Mo Härtling, Kenneth Heyer und Marcel Marchewicz (alle GER) erreichte die 14. Gesamtposition und sicherte sich damit den zweiten Platz in der SP9-PRO-AM-Kategorie. Auch der einzige Mercedes-AMG GT4 im Feld konnte sich sportlich eindrucksvoll in Szene setzen. Startfahrer David Schumacher (GER) nahm bei seinem 24h Nürburgring-Debüt in der #111 von Platz zwölf im SP10-Grid früh Kurs auf die Spitzenpositionen und lag bereits nach kurzer Zeit auf einem Podestplatz. Moritz Wiskirchen (GER) steuerte das Fahrzeug am Sonntag ins Ziel, was den dritten Klassenplatz bedeutete. Mit diesen Erfolgen steht Schnitzelalm Racing nun bei insgesamt sechs Klassenpodien beim Langstreckenklassiker in der Eifel.


Mercedes-AMG Team GetSpeed wird für starke Leistung nicht belohnt

Die beiden Mercedes-AMG GT3 des Mercedes-AMG Team GetSpeed konnten nach unglücklichen Rennzwischenfällen in den Abendstunden nicht mehr um die Rennentscheidung eingreifen. Von Position acht startend hatte Maro Engel mit geschnittenen Slicks zunächst den vermeintlich richtigen Reifen auf seinem Mercedes-AMG GT3. Noch auf dem GP-Kurs übernahm die #130 die Führung im Gesamtklassement. Im Verlauf der ersten Runden erwies sich der Trockenreifen mit geschnittenem Profil als falsche Wahl für die zunehmende Nässe, was einen Boxenstopp für den Wechsel auf Regenreifen unabdingbar machte. In Folge legte Engel eine bemerkenswerte Aufholjagd hin, um wieder den Anschluss an die Top 10 herzustellen. In der dritten Stunde des Rennens war Fabian Schiller (GER) in einen Rennzwischenfall verwickelt. Dieser zog einen einstündigen Boxenstopp nach sich. Die Reparatur und weitere Sicherheitschecks warfen das Fahrzeug sieben Runden zurück.

Die #8 vom Mercedes-AMG Team GetSpeed wurden in der Dunkelheit kurz vor 23:00 Uhr die Witterungsbedingungen zum Verhängnis. Adam Christodoulou (GBR) kam im Bereich Metzgesfeld an neunter Position liegend von der Strecke ab. Er brachte das beschädigte Fahrzeug aus eigener Kraft zurück an die Box. Das Team entschied sich dazu, die bis dato mit schnellen Rundenzeiten überzeugende Startnummer 8 aufgrund der nötigen Reparaturen aus dem Rennen zu nehmen. Zuvor war die Mannschaft auf einer antizyklischen Strategie unterwegs, durch die der Mercedes-AMG GT3 sogar zeitweise in Führung lag.


Intercontinental GT Challenge: Zweiter Platz für Luca Stolz im Gesamtklassement

2024 wurde das ADAC RAVENOL 24h Nürburgring erstmals als Teil der Intercontinental GT Challenge (IGTC) ausgetragen. Von allen für die IGTC nominierten Fahrzeuge erreichte das Mercedes-AMG Team BILSTEIN #4 den dritten Platz. Luca Stolz hatte bereits beim Saisonauftakt auf dem Mount Panorama Circuit in Bathurst als Zweiter ein Podium eingefahren. Damit liegt der Mercedes-AMG Performance-Fahrer nach zwei von vier Saisonläufen mit 33 Meisterschaftspunkten auf dem zweiten Platz der Fahrerwertung.

Christoph Sagemüller, Leiter Mercedes-AMG Motorsport: „Natürlich bin ich etwas enttäuscht, wie sicherlich alle. So viel Energie und Vorbereitung wurde in dieses Wochenende gesteckt und gerne wären wir ein spannendes und vor allem komplettes 24-Stunden-Rennen gefahren. Die Chancen für Podiumsplatzierungen oder sogar den Sieg in unserem Jubiläumsjahr hatten wir definitiv – trotz oder gerade wegen den Wetterkapriolen. Um nochmal im Rennen um die Spitzenplätze einzugreifen, hätten wir natürlich noch etwas mehr Rennrunden benötigt. Aber die Entscheidung der Rennleitung war im Sinne der Sicherheit zweifellos richtig. Glückwunsch an das Team Scherer Sport PHX zum Sieg dieses denkwürdigen Rennens und ein großes Dankeschön an unsere Teams, Fahrer und all' unsere Fans.“

Stefan Wendl, Leiter Mercedes-AMG Customer Racing: „Wir haben zum Restart des Rennens nochmal alle Variablen durchgespielt, um für einen heißen Endspurt die strategisch richtigen Entscheidungen zu treffen. Leider kam es nicht mehr dazu, was man angesichts der nebligen Verhältnisse absolut nachvollziehen kann. Zwar hatten wir den im Qualifying am besten platzierten Mercedes-AMG GT3 bereits vor Rennhalbzeit nicht mehr in Schlagdistanz zur Spitze, aber auch unsere anderen Fahrzeuge waren voll konkurrenzfähig. Wir hätten noch ein Wörtchen um den Gesamtsieg mitreden können, aber das 24-Stunden-Rennen in der Eifel schreibt eben immer wieder seine eigenen Geschichten. Einen sehr erfolgreichen Teil dazu hat auch das Team Schnitzelalm mit zwei Podiumserfolgen in den Klassen beigetragen.“

Luca Stolz, Mercedes-AMG Team BILSTEIN #4: „Ich fahre eigentlich sehr gerne in der Nacht und es war sehr schade, dass der Nebel kam. Aber die Sicherheit geht immer vor. Für die Fans tut es mir am meisten leid. Sie haben sich hier eine Woche lang eingerichtet und auf ein cooles Rennen gefreut, und das konnten wir ihnen nur in den Anfangsstunden bieten. Für uns ist der vierte Platz enttäuschend. Wenn du hier in die Top 10 kommst, ist das zwar immer ein solides Ergebnis, aber einen Pokal nimmst du dafür nicht mit nach Hause. Wir sind hier, um zu gewinnen und das haben wir nicht erreicht. Trotzdem freue ich mich schon auf nächstes Jahr. Das Rennen ist immer ein absolutes Highlight. Es ist eine riesengroße Herausforderung und der Ansporn ist immer da.“

Kenneth Heyer, Schnitzelalm Racing #11: „Natürlich ist es irgendwo unbefriedigend, dass wir so ein kurzes Rennen hatten und nicht weiter nach vorne fahren konnten. Wir haben ansonsten ein tolles Wochenende gehabt, Qualifying und Rennen waren gut. Bis auf die Wettersituation sind wir also sehr zufrieden. Es steckt von Teamseite so viel Zeit und Geld in einem 24-Stunden-Rennen. Wenn es noch länger gegangen wäre, hätten wir es auch noch weiter nach vorne geschafft. Aber wir sind ohne Kratzer durchgekommen, darauf können wir stolz sein.“

Frank Bird, Mercedes-AMG Team BILSTEIN #3: „Beim Start stand ich unter großem Druck. Deshalb war ich im Vorfeld etwas nervös, denn die Bedingungen waren sehr wechselhaft. Zum Glück haben wir mit den Regenreifen die richtige Wahl getroffen. Danach waren wir die ganze Zeit unter den ersten drei oder vier. Das Auto wurde immer besser, und auch die Streckenbedingungen waren gut für uns. Deshalb war es ein bisschen schade, dass die rote Flagge gezeigt wurde. Ich denke, wir hätten am Ende ganz vorne mit dabei sein können, aber es hat nicht sollen sein. Immerhin haben wir eine tolle Pace gezeigt.“

Hubert Haupt, Team ADVAN x HRT #6: „Ein verrücktes Rennen, aber nicht einmal das verrückteste, das ich bisher hier erlebt habe. Ich hätte es gerne gesehen, dass das Rennen für die letzten drei Stunden noch einmal freigegeben wird. Der Großteil der Strecke war gut zu befahren, und die schlechteren Passagen hätte man eventuell als Code 120 deklarieren können. Schade ist es vor allem für die Zuschauer. Wir hatten nicht viel zu verlieren, deshalb sind wir hinter dem Safety Car noch einmal reingekommen, um bei einem möglichen Restart nicht mehr stoppen zu müssen. Es wäre eine gute Show geworden, aber am Ende haben wir keinen Einfluss auf die Bedingungen.“

Fabian Schiller, Mercedes-AMG Team GetSpeed #130: „Das Rennen ist für uns sehr unglücklich verlaufen. Ich glaube, als Team, als Hersteller und als Fahrer waren wir besser vorbereitet als je zuvor. Wir haben sehr viel Energie in dieses Wochenende gesteckt und es war sehr schade, dass wir schon nach zweieinhalb Stunden keine Chance mehr auf den Sieg hatten. Ich sehe nicht, dass ich mich bei der Szene auf der Döttinger Höhe verschätzt habe. Was ich mir hingegen ankreide, ist, dass ich so früh kein so hohes Risiko hätte eingehen sollen. Es war für das Team sehr schade, weil alle so hart gearbeitet haben und ein Doppelausfall natürlich das Letzte war, was wir hier sehen wollten. Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand und werden nächstes Jahr zurückkommen, um den heißersehnten Sieg zu holen.“

Adam Christodoulou, Mercedes-AMG Team GetSpeed #8: „Zu Beginn sah es so vielversprechend aus, und wir befanden uns in einer guten Position. Das Auto schien ziemlich stark zu sein, wir hatten wirklich starke Fahrer, aber aus unterschiedlichen Gründen war es nicht unser Jahr. Die #130 wurde bei der Kollision eingeklemmt, was einfach unglücklich war. Und dann fühlte ich mich natürlich ziemlich schrecklich, denn ich saß im Auto mit der #8, als ich auf Slicks die nasse Stelle erwischte. Leider war ich in diesem Moment nur noch Passagier und der Schaden war zu groß, um weiterzufahren. Das sind hier die Regeln des Spiels. Du musst bei diesem Rennen Risiko gehen, wenn du ein Wörtchen um den Sieg mitreden willst. In der Vergangenheit hat sich das für uns ausgezahlt, aber dieses Mal nicht.“

David Schumacher, Schnitzelalm Racing #111: „Wir hatten ein sehr gutes, aber auch kompliziertes Wochenende. Nach dem Schaden im Qualifying hat das Team einen super Job gemacht und das Auto in Niederzissen repariert. Da wurde in kurzer Zeit fast alles ausgetauscht. Das war eigentlich eine Arbeit für zwei Wochen. Ich hatte einen super Startstint, in dem ich von P12 in der Klasse bis auf P1 nach vorne gekommen bin. Über die Nacht bis zur roten Flagge sind wir auf Platz drei zurückgefallen, was aber immer noch ein sehr gutes Ergebnis ist. Wir sind zufrieden, auch wenn wir natürlich gerne wieder ganz nach vorne gekommen wären. Ich hatte großen Spaß bei meinem Debüt hier und freue mich schon auf das nächste Jahr.“
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