Donnerstag, 3. Dezember 2020
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Rallye Allgemein
09.11.2020

Überzeugender Rallye-Einsatz der Steer-by-Wire Technologie

Die 23. Int. ADMV-Lausitz-Rallye, vom 05. bis 07. November 2020 in Boxberg/ Oberlausitz, bot die Gelegenheit, die innovative Steer-by-Wire Technologie von Schaeffler Paravan einem weiteren Belastungstest zu unterziehen. Rallyelegende Armin Schwarz und sein Copilot Dennis Zenz waren mit dem Ford Fiesta 5R mit dem Space-Drive-System von Schaeffler Paravan bei der Schotter-Asphalt-Rallye am Start und sie ließen den Ford perfekt über spektakuläre Pisten fliegen. Außerhalb des Rankings, aber mit einer Top-Performance bei den Wertungsprüfungen lieferte der Testträger Ford Fiesta 5R, der ganz ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkeinheit und Lenksäule auskommt, wichtige Daten und überzeugte auch Armin Schwarz auf ganzer Linie.

„Die Lausitzrallye ist für uns ein hervorragender Abschluss der Testsaison 2020 und für Space Drive sicher die anspruchsvollste Herausforderung“, sagt Roland Arnold CEO der Schaeffler Paravan GmbH und Co KG, die das System aus der Behindertenmobilität jetzt weiterentwickelt. „Die Beanspruchung an die Steuerung sowie der Mechanik ist ungleich höher als auf der Rundenstrecke, auch die äußeren Bedingungen sind ganz andere. Beim Rallyeeinsatz können wir noch einmal deutlich besser die Grenzen austesten und diese Herausforderung haben wir und Armin Schwarz mit seinem Team mit Bravour gemeistert. Die Rallye bringt uns noch mal gutes Stück weiter, mit Blick auf die Serienentwicklung.“

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Bereits nach dem Shakedown, dem Abfahren der Wertungsprüfungen für die Fahrzeugeinstellungen am Donnerstag, stellte Schwarz fest: „Die Lenkung hat von Beginn an sehr gut funktioniert. Wir haben nur wenig nachjustiert und der Vorteil, dass das Auto schneller und präziser reagiert als eine konventionelle Lenkung mit mechanischer Verbindung, war deutlich zu spüren. Ich musste weniger einlenken und auch das Gegensteuern war sehr präzise dosierbar.“
Der Ford Fiesta 5R #03 durfte mit einer Ausnahmegenehmigung des DMSB vor dem Teilnehmerfeld auf die Wertungsprüfungen gehen, da das Steer-by-Wire System noch keine FIA Homologation hat. Das Duo im Cockpit hielt am Freitag auf vier Wertungsprüfungen bei den Zeiten der drei Bestplatzierten auf Anhieb mit. Am Samstag folgten dann acht weitere Prüfungen, die ebenfalls auf dem Niveau der Spitze lagen.

Armin Schwarz war besonders beindruckt von den Möglichkeiten der Einstellungen des Lenksystems, um es auf die einzelnen Streckengegebenheiten anzupassen und sich das Auto damit viel präziser und somit schneller kontrollieren lässt, auch im Top-Speed Bereich. Das Space-Drive-System ist bei einer Rallye nochmals höheren mechanischen Belastungen ausgesetzt als im sonst schon fordernden Rennsport. Auf den Geländestrecken kommen zu den Geschwindigkeiten noch dreidimensionale Bewegungsreize, harte Schläge und Belastungen sowie extreme Nässe und Schmutz hinzu.

„Das Auto ist über alle drei Tage hervorragend gelaufen. Wir konnten viele verschiedene Einstellungen testen und dadurch wertvolle Daten sammeln, die es nun auszuwerten gilt“, berichtet Schwarz „Wir sind auf dem höchsten Niveau mitgefahren und hatten keinerlei Probleme. Das ist schon hervorragend für den ersten Einsatz bei einer Rallye. Besonders stark ist mir der Unterschied bei den Wiederholungsprüfungen aufgefallen, bei denen wir nochmals dieselbe Strecke fuhren. Hier gab es viele Furchen doch das Lenksystem filterte besonders diese Einflüsse unglaublich gut heraus und ermöglichte ein deutlich einfacheres Steuern.“

Sein Copilot Dennis Zenz fügt hinzu: „Ich wurde bei der Lausitzrallye positiv überrascht, vor allem da ich keinen Vortest mit Steer-by-Wire hatte. Auf dem Beifahrerplatz hast du eigentlich nichts direkt mit dem Lenksystem zu tun. Ich konnte Armin und der Technik voll vertrauen und fühlte mich sicher. Die Technik hat ihn sehr entlastet, das spürst du als Copilot sofort und er konnte volles Tempo gehen.“

„Die viel größeren dreidimensionalen Beanspruchungen sind durch die Streckenbeschaffenheit der Rallyestrecke ungleich stärker als auf einem klassischen Grand-Prix-Kurs. Auch die zurückzulegenden Distanzen sind ganz andere“, sagt Axel Randolph, Leiter Rennsport der Schaeffler Paravan. „Durch die deutlich unruhigeren und abrupteren Fahrbewegungen erhalten wir vor allem weitere Erkenntnisse mit Blick auf die Weiterentwicklung der Lenkeinheit. Ebenfalls in den Fokus rückt das mechanische Thema und die Optimierung bei dieser Extrembelastung. Die Materialauswahl spielt hier eine sehr große Rolle. Durch das schnelle Überfahren von Bodenwellen und den charakteristischen Schotterpisten auf dieser Strecke erhalten wir wichtiges Datenmaterial für die weitere Entwicklung.“