Donnerstag, 24. Oktober 2019
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Rallye WM
07.10.2019

Neuville Zweiter – Hyundai auch bei Rallye Wales auf dem Podium

Platz zwei beim britischen Lauf zur Rallye-WM in Wales: Nach drei spannungsgeladenen Tagen auf matschigen Schotterpisten fehlten Thierry Neuville und Beifahrer Nicolas Gilsoul im Cockpit des Hyundai i20 Coupe WRC nur 10,9 Sekunden zum Sieg. Auch die beiden anderen Crews von Hyundai Motorsport punkteten in den Top 10: Andreas Mikkelsen und Anders Jæger-Amland belegten Platz sechs, Craig Breen und Paul Nagle wurden Achte.

Trotz der nach tagelangen Regenfällen extrem rutschigen Bedingungen schenkte sich die Rallye-Elite von der ersten Etappe an nichts und begeisterte die vielen Fans mit einem spannenden Kampf um die Spitze. Als die Piloten bei Nebel und einsetzender Dunkelheit das Tagesziel erreichten, lagen Neuville/Gilsoul als Vierte lediglich 8,4 Sekunden hinter dem Spitzenreiter. Eine Bestzeit hatten die Belgier auf den ersten zehn Prüfungen erkämpft. Die Teamkollegen Mikkelsen/Jæger-Amland, die den Vormittag brauchten, um sich auf die schwierigen Bedingungen einzuschießen, folgten auf Rang fünf (+25,7 Sek.). Breen/Nagle belegten Platz sechs (+33,5 Sek.). Die Iren hatten zweimal Pech, weil sie nach Prüfungsabbrüchen mit Nominalzeiten gewertet wurden und so einen Platz in der Gesamtwertung einbüßten.

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Auch die insgesamt 151,24 Wertungskilometer lange zweite Etappe wurde durch Nässe und matschige Strecken geprägt. Außerdem mussten die Teilnehmer auf den Luxus des gewohnten Rundum-Service zur Mittagszeit verzichten. Davon unbeeindruckt schob sich Neuville auf den zweiten Platz der Gesamtwertung nach vorn – unter anderem dank Bestzeiten auf den Prüfungen 14 und 16. Mikkelsen war mit seinem Hyundai i20 Coupe WRC auf WP 15 der Schnellste und behauptete seinen fünften Gesamtplatz bis ins Etappenziel. Breen rutschte hingegen auf den neunten Platz ab. Nach einem Überschlag auf WP 12 musste der Ire wegen des fehlenden Mittagsservice auch die weiteren fünf Prüfungen mit einer gesplitterten Windschutzscheibe und weiteren Beschädigungen absolvieren.

Die Abschlussetappe am Sonntag wurde aus Sicherheitsgründen von fünf auf vier Prüfungen gekürzt. Neuville griff noch einmal an, konnte sich aber letztlich nicht mehr an dem späteren Sieger Ott Tänak (Toyota) vorbeikämpfen. Neuvilles zweiter Platz war das insgesamt elfte Podiumsergebnis eines Hyundai i20 Coupe WRC in den bislang zwölf Saisonläufen. Mit Platz fünf auf der abschließenden Power Stage nahm der Belgier außerdem einen zusätzlichen Bonuspunkt mit.

Wie schon am Tag zuvor versuchte Andreas Mikkelsen die Attacken des Lokalmatadors Elfyn Evans (Ford) zu kontern, doch nach einer falschen Reifenwahl – und um die wichtigen Punkte für die Herstellerwertung nicht zu gefährden – gab er sich schließlich mit Platz sechs zufrieden. Wie spannend die Rallye bis zum Schluss war, zeigt ein Blick auf die Zeitabstände: Insgesamt trennte die besten sechs Fahrer weniger als eine Minute. Mit seinen beiden Top-Fahrern Neuville und Mikkelsen in dieser Spitzengruppe verteidigte Hyundai Motorsport seine Führung in der Herstellerwertung. In der Fahrerwertung behauptete Thierry Neuville seinen dritten Rang, Andreas Mikkelsen bleibt Vierter.

Breen machte als dritter Pilot des Hyundai i20 Coupe WRC gleich zu Beginn der Abschlussetappe einen Platz gut und belegte bei seinem zweiten WM-Einsatz für Hyundai Motorsport Platz acht im Endklassement der Rallye Wales.

Thierry Neuville: „Mehr konnten wir an diesem Wochenende einfach nicht herausholen. Von der ersten Prüfung an war das ein unglaublich enger Kampf an der Spitze – und das bei diesen wirklich schwierigen Bedingungen. Auch wenn wir mit unserer eigenen Leistung zufrieden sein können, sind wir es mit dem Ergebnis nicht. Wir hätten unbedingt vor Tänak ins Ziel kommen müssen, leider ist uns dies nicht gelungen, obwohl wir alles dafür gegeben haben. Bei der anstehenden Rallye in Spanien muss es uns unbedingt gelingen, ihn hinter uns zu lassen, um unsere Titelhoffnungen am Leben zu halten. Wir werden auf jeden Fall bis zum letzten Meter kämpfen, denn wir wissen alle, dass im Rallyesport alles möglich ist.“

Andreas Mikkelsen: „Das Allerwichtigste ist, dass wir sehr wertvolle Punkte für die Herstellerwertung eingefahren haben. Rückblickend muss man sagen, dass wir am Freitag zu viel Zeit liegen gelassen haben. Der Samstag lief deutlich besser, insbesondere der Nachmittag mit unserem Prüfungssieg. Auf der Abschlussetappe wollten wir Platz fünf gegen Elfyn (Evans) verteidigen, aber wir haben die falsche Reifenwahl getroffen. Daher ist mir auch auf WP 21 bei einem Abzweig ein Fehler unterlaufen. Diesen Zeitverlust wieder aufzuholen war einfach zu riskant. Mit dem sechsten Platz haben wir nicht so viele Punkte gesammelt, wie wir uns vorgenommen haben. Auf der anderen Seite ist gerade jetzt im Saisonendspurt jeder einzelne besonders wertvoll.“

Craig Breen: „Danke an das Team, das unser Auto nach dem Überschlag für den Abschlusstag repariert hat. Für mich ist jeder Kilometer im noch ungewohnten Hyundai i20 Coupe WRC extrem wichtig, daher freut es mich, dass wir die letzten Prüfungen problemlos absolvieren konnten. Ich bin sicher, dass wir ohne unseren Überschlag in der Spitzengruppe hätten mitkämpfen können. Hyundai Motorsport hat fantastisch gearbeitet und das Auto die zahlreichen Herausforderungen in Wales super gemeistert. Daher ziehe ich trotz des letztlich etwas enttäuschenden Ergebnisses viel Motivation aus dem Einsatz.“

Teamdirektor Andrea Adamo: „Wir haben in Wales den nächsten Podiumsplatz erkämpft und die Führung in der Herstellerwertung verteidigt – das ist durchaus positiv. Unser besonderer Dank gilt Thierry und Nicolas, die vom Start bis ins Ziel eine großartige Rallye gefahren sind. Andreas und Anders haben mit ihren Punkten geholfen, dass wir in der Herstellerwertung weiterhin führen, wenngleich unser Vorsprung geschrumpft ist. Schade, dass der Unfall Craig und Paul die Rallye vermiest hat. Unterm Strich sind wir mit unserem Abschneiden nicht vollkommen zufrieden, aber dass wir nach wie vor an der Spitze der Herstellerwertung stehen, ist ein zusätzlicher Motivationsschub für die beiden letzten Rallyes der Saison.“