Donnerstag, 21. Juni 2018
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DTM
30.05.2018

DTM am Hungaroring: Audi will die Kurve kriegen

Drei Hersteller, ein Zweikampf. In der DTM hat es vor dem dritten Rennwochenende der Saison eine klare Hackordnung gebildet. Während Mercedes-AMG drei der vier Rennen für sich entscheiden konnte und BMW mit Timo Glock den Ersten der Fahrerwertung stellt, hat Audi gehörigen Nachholbedarf. Die Ingolstädter wollen am Hungaroring zurück in die Spur. Zum ersten Mal in dieser Saison betritt die DTM am kommenden Wochenende in Mittelosteuropa internationalen Asphalt. Nach 1988, 2014, 2016 und 2017 ist die Tourenwagenserie zum fünften Mal auf dem inzwischen 4,381 Kilometer langen Kurs in Budapest zu Gast.

Nach zwei Rennwochenenden führt BMW-Pilot Glock die Fahrerwertung der DTM mit nur einem Punkt Vorsprung auf Gary Paffett an. Letzterer möchte im Land der Magyaren eine Premiere feiern. „Unser Start in das Jahr verlief exzellent. Zwei Siege aus vier Rennen und ein weiterer Podestplatz bedeuteten einen beinahe perfekten Saisonstart für mich. Das Auto und das Team waren bislang fantastisch. Jetzt müssen wir versuchen, diese Form nach Budapest mitzunehmen. Ich habe dort noch nie auf dem Podium gestanden. Das würde ich gerne korrigieren“, sagt der 37-Jährige. Glock will den Platz an der Sonne nicht kampflos abgeben: „Audi war in Budapest im vergangenen Jahr sehr gut unterwegs. Unser Auto ist aber im Augenblick sehr stark und funktioniert auf unterschiedlichen Streckentypen. Budapest ist immer ein Highlight. Die Strecke hat mir in der Vergangenheit sehr gut gelegen.“

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Der Dritte im Bunde der Saisonsieger ist Paffetts Markenkollege Edoardo Mortara. „Wir haben mein erstes, schwieriges Jahr bei Mercedes-AMG im Winter analysiert – und verstanden, was wir falsch gemacht haben. Dieses Jahr läuft es besser für mich, aber die Saison ist noch lang“, so der Italiener, der mit 27 Punkten Gesamtvierter ist. „In Budapest gibt es viele Kurven. Die Reifen bauen aufgrund der Regeländerungen in diesem Jahr noch mehr ab. Da wird es besonders auf dieser Strecke auf den richtigen und behutsamen Umgang mit den Pneus ankommen.“


Schlechter Saisonstart, aber Maßstab in Ungarn

Magere 13 Punkte sammelten die sechs Audi-Piloten am Lausitzring ein. Schlechter war die Bilanz der „Herren der Ringe“ zuletzt im September 2015 in Oschersleben mit nur sechs Punkten für die Markenwertung. Derzeit hat Mercedes-AMG 212 Punkte, BMW kommt auf 164. Die Titelverteidiger rangieren hingegen abgeschlagen mit 52 Punkten auf Platz drei. In den vergangenen beiden Jahren war der Audi RS 5 auf dem kurvenreichen Hungaroring allerdings der Maßstab. 2017 waren im Qualifying am Samstag sechs Audi-Fahrer unter den ersten Sieben, am Sonntag fünf unter den ersten Sechs. Im Rennen am Sonntag, das René Rast gewann, lagen vier Audis unter den ersten Fünf. Nur zwei Wochen nach seinem schweren Rennunfall geht der Champion wieder an den Start. Das Monocoque des Audis RS 5, mit dem er beim DTM-Lauf auf dem Lausitzring verunglückte, ist dasselbe. Es blieb beim Überschlag unbeschädigt. „Alles andere wurde komplett neu an das Auto dran geschraubt. Kein Kabelbinder ist mehr drin geblieben. Selbst das Lenkrad, die Pedale, die Gurte, alles wurde getauscht. Auch der Motor“, erklärt Rast.


Rookie Eriksson lernt in den Rennen

An den Auftritt der DTM auf dem Hungaroring vor knapp einem Jahr hat der Titelverteidiger beste Erinnerungen: Am Samstag holte er seine erste Pole-Position in der DTM, am Sonntag seinen ersten Sieg und erstmals die Tabellenführung. Es war der Grundstein zum Titelgewinn in seiner Rookie-Saison. Für Audi ist das Rennen fast ein Heimspiel, denn das Werk in Győr ist nur eineinhalb Autostunden von der Rennstrecke entfernt. Viele der rund 11.000 Mitarbeiter kommen zum Hungaroring und drücken den Piloten vor Ort die Daumen. „Der Unfall hat mir nicht geholfen bei der Titelverteidigung. Dass es für uns dieses Jahr extrem schwierig wird, hat man schon beim Auftakt in Hockenheim gesehen. Wir fischen im Moment etwas im Dunkeln. Ich hoffe, dass wir bald konkurrenzfähig sind und dann aus eigener Kraft aufs Podium fahren können“, so Rast, der im Gesamtklassement momentan mit zehn Punkten 13. ist.

Reichlich Erfahrung hat Joel Eriksson an den ersten beiden Rennwochenenden gesammelt. Der Rookie überzeugte in Hockenheim im BMW im Sonntagsrennen als Vierter und ist mit 15 Punkten Gesamtelfter. „In den Rennen lerne ich enorm dazu. Ich bin es aus den Formel-Rennen nicht gewohnt, dass die Autos sich berühren können. In der Formel 3 war dann direkt der Frontflügel oder ähnliches kaputt. In der DTM geht das ohne Probleme. Der Kampf zwischen Gary und Timo in Hockenheim war fair und unterhaltsam“, so der Schwede, der sich auf Budapest freut: „An den Hungaroring habe ich nur gute Erinnerungen. Er gehört zu meinen absoluten Lieblingsstrecken. Die Stadt liebe ich auch. In der Formel 3 habe ich dort im vergangenen Jahr gewonnen und stand auf der Pole-Position.“


Langsame Kurven, anspruchsvolle Strecke

Der Hungaroring gilt als anspruchsvolle Strecke. Zahlreiche langsame Kurven machen das Überholen knifflig. Kurve eins und zwei werden im zweiten Gang genommen, gleiches gilt für die Schikane. Spannend wird es in den Kurven vier und elf, jeweils im vierten Gang bei rund 160 km/h, einmal nach links, einmal nach rechts. In diesen Passagen wirkt die höchste Querbeschleunigung. Ein Fehler im Geschlängel des „flachen Tellers“ rächt sich. Diesen Beinamen erhielt der Hungaroring aufgrund seiner Topografie. Während der Kurs in einem Tal liegt, können die Zuschauer von den höher gelegenen Tribünen rund 80 Prozent der Strecke einsehen. Die beste Gelegenheit zum Überholen bietet sich am Ende der langen Start-Ziel-Geraden, beim Anbremsen aus ca. 250 km/h, bevor die Strecke scharf nach rechts abknickt.


Spannendes Rahmenprogramm und Live-Übertragungen

Auf der Strecke bieten neben den DTM-Boliden auch die FIA Formel 3 Europameisterschaft und der Audi Sport R8 Seyffarth LMS Cup packenden Motorsport. Für Akrobatik der besonderen Art sorgen die Red-Bull-Air-Race-Piloten Martin Sonka und Péter Besenyei. Am Samstag und Sonntag zeigt jeweils einer der beiden ab 14:55 Uhr, unmittelbar nach der Siegerehrung, eine zehnminütige spektakuläre Flugshow.

Die beiden Saisonrennen aus Budapest zeigt SAT.1 in der Sendung „ran racing“ am Samstag (2.6.) und am Sonntag (3.6.) jeweils ab 13:00 Uhr. In Österreich ist der ORF an beiden Tagen ab 13:15 Uhr auf Sendung. Rennstart ist jeweils um 13:30 Uhr. Auf DTM.com und in der offiziellen DTM-App werden alle Freien Trainings, Qualifyings und Rennen im Livestream gezeigt.