Montag, 11. Dezember 2017
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Formel 1
06.12.2017

Lance Stroll – jung, talentiert und reich

Als der erst 18-jährige Lance Stroll vergangene Saison als einziger neuer Fahrer in der Formel 1 eins vorgestellt wurde, schlug ihm eine enorme Skepsis entgegen. Denn sein Vater hatte den Weg seines Sprösslings in die Formel 1 mit kolportierten 80 Millionen Euro geebnet. Doch zumindest die Skepsis gegenüber den fahrerischen Qualitäten des jungen Kanadiers hat sich als unbegründet erwiesen: Der Kanadier fuhr in seiner Premierensaison für Williams sogar eine Podestplatzierung ein und landete wiederholt in den Punkterängen. Für die kommende Saison hat sich der ehrgeizige Stroll vorgenommen, noch erfolgreicher zu werden.

Von Häme bis zu offener Aggression musste sich Lance Stroll im vergangen Jahr die gesamte Klaviatur des Nicht-Willkommensein anhören, als der damals 18-Jährige sein Debüt in der Königsklasse des Rennsports gab. Das 80-Millionen-Paket von Milliardär Lawrence Stroll, das seinen Sohn in die Formel 1 hieven sollte, umfasste unter anderem Tests unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem zwei Jahre alten Formel-1-Boliden, die Entwicklung eines leistungsstarken Simulators und die Übernahme des Prema-Powerteams. Als Stroll bei seinem ersten Rennen überhaupt in Australien das Ziel nicht erreichte, fühlten sich die Kritiker bestätigt. Sein Rennstall sah sich genötigt, den Rookie in Schutz zu nehmen. Schon im freien Training hatte Stroll seinen Boliden durch einen Fehler komplett zerstört.

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Nach dieser Enttäuschung, arbeitete Stroll an seiner Fahrweise. Die Umstellung von der Formel 3 auf die Formel 1 sei ihm zu Beginn sehr schwer gefallen, gab Stroll unumwunden zu. Er habe zu spät und zu hart gebremst. Die Reifen und die größere Leistung der Formel-1-Rennwagen seien ein gewaltiger Unterschied zur Formel 3. Strolls Anstrengungen zeigten Wirkung. Schon bald fuhr er die ersten WM-Punkte ein. Doch der größte Triumph des 18-Jährigen sollte noch kommen: Beim Großen Preis von Aserbaidschan. Während Sebastian Vettel seinem Rivalen Lewis Hamilton absichtlich ins Heck fuhr, gewann Daniel Ricciardo vor Valtteri Bottas. Doch den dritten Platz holte sich völlig überraschend Lance Stroll. Der Kandier meisterte den extrem anspruchsvollen Stadtkurs durch Baku fehlerlos und holte sich verdient die erste Podiumsplatzierung seiner Karriere. Spätestens seit diesem Zeitpunkt sind zumindest all jene Kritiker verstummt, die Lance Strolls fahrerische Qualitäten in Zweifel zogen.

Für die kommende Saison hat sich der Kanadier neue Ziele gesetzt. Ein Weltmeistertitel ist zwar aller Voraussicht nach noch nicht zu erwarten, wie auch die niedrigen Wettquoten von 501,00 darauf verraten. Doch dass der Kanadier auch in der kommenden Saison regelmäßig in die Punkte fahren wird, bezweifelt niemand. Stroll selbst geht von einer Leistungssteigerung aus, da er die Strecken nun schon kenne. Anfängerfehler wie seinerzeit bei seinem ersten Rennen in Australien sollen der Vergangenheit angehören. Offen ist noch, wer kommende Saison das zweite Cockpit bei Williams besetzt. Denn Felipe Massas Karriere ist mit dem Ablaufend er Saison definitiv vorbei. 

Ex-Fahrer Jacques Villeneuve empfahl zuletzt, dass man einen möglichst langsamen Fahrer auswählen sollte. Dies war zwischen den Zeilen eine beißende Kritik an seinem Landsmann. Denn während Stroll im Laufe der Saison durch seine Leistungen die meisten Kritiker verstummen ließ, ist Villeneuve immer noch davon überzeugt, dass sein Landsmann nicht gut genug für die Formel 1 sei.