Dienstag, 27. Juli 2021
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DTC
05.11.2016

Dirk Lauth – der Triplemeister im Portrait

Für den Berliner, der seit Jahren mit der Startnummer 44 auf die Rennstrecke geht, war es die erfolgreichste Saison seiner Quereinsteiger-Karriere. Neben dem Fahrertitel in der seriennahen Production-Klasse mit 1.6l Turbomotoren, holte er sich zum zweiten Mal den Gentlemen-Meistertitel und sein mini-racing-team fuhr er zur Teammeisterschaft. Grund genug, beim Meister einmal genauer nachzufragen.
 
Meister sein – das kennst du schon aus der Gentleman-Klasse. Dieses Jahr bist du Triplemeister (Fahrerwertung, Teamwertung und Gentlemen-Wertung). Welcher Titel bedeutet dir am meisten? 
 
Dirk Lauth: „Alle drei Titel haben ihren unterschiedlichen Modus, sodass einer nicht automatisch den anderen nach sich zieht. 2016 war damit „more is impossible“ für uns – der totale Erfolg! Mit dem Fahrertitel hat sich ein Traum erfüllt, wie wohl jeder Rennfahrer davon träumt mal einen Titel zu erringen. Das kann einem keiner mehr wegnehmen, das ist für immer. Dass wir auch die Team-Meisterschaft mit nur einem Auto errungen haben – also ohne Streich- oder Ersatzresultate – unterstreicht unsere Arbeit als Team und zeichnet die „Jungs“ noch einmal auf besondere Art aus. Nur durch diesen engagierten Einsatz in allen Bereichen, durch die überragende Zuverlässigkeit, die dadurch gesichert wurde, war überhaupt an den Titel zu denken. Es ist somit ihr Titel! Die Verteidigung des klassenübergreifenden Gentlemen-Titels ist natürlich das Sahnehäubchen und macht die Saison vollkommen!“
 
Du hast gezeigt, dass mit einem kleinen Team maximale Erfolge möglich sind. Was ist eure Erfolgsformel?
 
Dirk Lauth: „Wir sind eine verschworene Gemeinschaft. „Einer für alle, alle für einen.“ Jeder hat seine Aufgabe, jeder wird an seinem Platz gebraucht und ist ein Mosaikstein in unserer Arbeit. Es ist immer UNSER aller Erfolg, wenn ich auf das Podium fahre. Personell und qualitativ sind wir wahrscheinlich „pro Auto“ besser aufgestellt als die größeren Teams und evtl. auch fokussierter.“
 
Du warst damals in der Mini Challenge ein Quereinsteiger. Welche Meilensteine hast du auf dem Weg bis zu diesem Dreifach-Erfolg erreicht, um dies mit eigenem Auto und eigenem Team möglich zu machen?
 
Dirk Lauth: „DER Meilenstein war der „erzwungene“ Aufbau eines eigenen Teams mit dem Einstieg in die DTC/ADAC PROCAR 2014. Plötzlich wirklich fast alles selber organisieren zu müssen, war eine Herausforderung. Alle anderen Teammitglieder waren damals Motorsport-Neulinge. Und es kam wie es kommen musste: Sofort große Probleme mit der Technik inkl. Nachtschichten, sodass ich schon befürchtete, dass sich nach dem ersten Wochenende alles erledigt haben würde. Aber genau das Gegenteil passierte: Die Schwierigkeiten schweißten uns zusammen und das lang ersehnte erste Podium damals war unser persönlicher Meistertitel 2014. Von da an gab es noch einige „Katastrophen“, aber dann kam 2015 mit dem Vize-Meistertitel in der Fahrer- und Teamwertung und dem Gentlemenmeistertitel die erste große Belohnung, die jetzt noch durch den Triplemeistertitel getoppt wurde, quasi ein Dreifach-Meilenstein.“
 
Gibt es denn motorsportlich noch etwas, was du erreichen willst oder was dich reizt?
 
Dirk Lauth: „Motorsportlich waren meine mehrfachen Starts bei den 24h Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife schon etwas sehr besonderes und auch die Erfolge bei unterschiedlichen Langstreckenrennen, so dass hier einige Starts zum Beispiel in Barcelona und Silverstone schon noch auf der To-Do-Liste stehen. Jetzt wird es aber auch auf eine andere Art immer interessanter, da ich mittlerweile auch als Coach tätig bin und interessierten Piloten die Freude vermittle, besser und schneller mit ihrem Sportgerät umzugehen. Möglicherweise führt mich das 2017 zur Teamchef-Position eines anderen Fahrers auf unserem Meister-MINI!?“
 
Du kennst deinen MINI in- und auswendig. Was hat ihn dieses Jahr zu einem der verlässlichsten Fahrzeuge im Feld gemacht?
 
Dirk Lauth: „To finish first you have to finish first“ – sagt alles. Der MINI in der Production-Kategorie ist genau das richtige Auto und mit diesem haben wir auch viel Erfahrung. Hinzu kommt, dass die sportlichen MINI-Gene nicht überpowert sind durch den vorgeschriebenen Airrestrictor. Das ist ein absolut passendes Paket. Die besondere Aufmerksamkeit des Teams galt dieses Jahr der Wartung und Pflege der technischen Komponenten, sodass wir keinerlei technische Ausfälle hatten. Die Grundlage zum Titel war der erfolgreiche Umbau vom Cup-Mini zum DTC-Production-Mini und die Umsetzung unserer Ideen über den Winter. Auch mit der Unterstützung unserer Partner waren wir vom ersten Rennen an 100% konkurrenzfähig. Trotz Mehrleistung hatten wir dieses Jahr weniger Verschleiß und damit weniger Kosten, anscheinend ist mein etwas runderer, weniger aggressive Fahrstil schnell und dennoch materialschonend.“
 
Spa – unverhofft kommt oft. Was war da los im ersten Rennen und warum war an einen Start im zweiten Rennen nicht mehr zu denken?
 
Dirk Lauth: „In Zolder am Samstag den Titel zu sichern, war in mehrerlei Hinsicht perfekt. Wir konnten super feiern und die restlichen drei Rennen entspannt angehen. In Spa waren wir nicht die Schnellsten, aber im ersten Rennen sicher auf Platz 2. Ich habe zwei Runden lang attackiert, um zu sehen, was nach vorne geht, aber habe die Lücke nicht schließen können. In einer unspektakulären Kurve (Les Fanges – Turn 13) verlor ich das Auto auf einer unzureichend entfernten Ölspur eines vorangegangenen Oldtimer-Rennens und schlug heftig ein. Wären wir noch im Meisterschaftskampf gewesen, hätte das Team den MINI über Nacht ganz sicher wieder irgendwie gangbar und kampffähig gemacht, aber diesen Extrem-Einsatz wollte ich meinem Team nach diesem Erfolgsjahr nicht mehr abverlangen. Aber man konnte ganz deutlich sehen, wie Erfolg und Pech miteinander verwandt sind.“
 
Du wärst im zweiten Rennen in Spa gerne einen Scirocco gefahren, doch gaben die Regularien diesen Wechsel nicht her. Was reizt dich an dem Fahrzeug?
 
Dirk Lauth: „Ich war in Spa und bin Rennfahrer, also wollte ich Rennen fahren und irgendwie wollten das auch alle daran Beteiligten! Nachdem ich die Idee hatte, habe ich mit Konrad-Motorsport alles besprochen, nur leider gaben es die Regularien nicht her, dass ich Sonntag mit einem anderen Auto starte. Für mich wäre es sehr interessant gewesen, den Scirocco im direkten Vergleich mit unserem Meister-MINI zu testen, schließlich ist nach der Saison vor der Saison. Wir sind nun in der Planungsphase und wissen noch nicht sicher, wo der Weg in der Saison 2017, sowohl für mich als Fahrer als auch mit unserem MINI hinführt. Vielleicht freue ich mich 2017 als Teamchef über den DTC-Meistertitel unseres Fahrers oder kämpfe selber darum.“