Dienstag, 5. Juli 2022
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KTM X-BOW Battle
20.04.2015

Alguersuari und Leutwiler siegen in Barcelona

Vom 17. bis 19. April 2015 stand die erste Saisonveranstaltung des X-BOW BATTLE an. Was beim freien Fahren am Donnerstag mit wolkenbruchartigen Regengüssen begann, endete am Sonntagmorgen bei strahlendem Sonnenschein: Der Auftakt zur X-BOW BATTLE Saison 2015 in Barcelona brachte dazwischen wechselnde Bedingungen, einen Hundertstelkrimi im Qualifying und zwei spannende Rennen.
 
Im Qualifying für den ersten Rennlauf am Samstagmittag hatte sich ein Neueinsteiger durchgesetzt. Der Schweizer Niki Leutwiler ist zwar motorsportlich äußerst erfahren (unter anderem bestritt er jüngst das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans in der LMP2 Kategorie), dass er sich allerdings so schnell auf den KTM X-BOW einschießen konnte, überraschte dann doch den einen oder anderen. Vorjahres-Champion Klaus Angerhofer war der erste Verfolger und der Gast-Starter bzw. -Star, der Ex-F1-Pilot Jaime Alguersuari im MOTOREX gebrandeten VIP-Fahrzeug, folgte auf dem dritten Startplatz.
 
Bei besten äußeren Bedingungen – 25 Grad Celsius und strahlender Sonnenschein – wurde das 28 Fahrzeuge starke Feld um die Mittagszeit losgelassen. Die rennentscheidende Szene zeigte sich dann schon in der ersten Kurve: Leutwiler wurde von Angerhofer bedrängt, kam etwas von der Ideallinie ab und konnte auf kalten Michelin-Slicks nur mit Mühe einen Dreher verhindern. Diese Situation nutzte der Vollprofi Alguersuari eiskalt aus und legte sofort zwei Sekunden Abstand zwischen sich und seine Verfolger, den diese bis zum Ende des Rennens nicht mehr aufholen konnten.
 
Hinter dem klaren Sieger Jaime Alguersuari (der für die Gesamtwertung allerdings keine Punkte bekam) tobte längere Zeit ein Kampf um den zweiten Rang, in dem Leutwiler am Ende die Nase vorne hatte, während sich der von Startplatz vier kommende, prächtig aufgelegte Steirer Holger Baumgartner, den dritten Platz sichern konnte. Titelverteidiger Klaus Angerhofer wurde Vierter, der Pole Artur Chwist Fünfter, „BATTLE“-Organisator Georg Silbermayr überraschte mit einem guten sechsten Platz. Rang sieben ging an Ernst Kirchmayr, vor dem Deutschen Uwe Schmidt und dem Polen Adam Galas, während der Holländer Jack Rotteveel die Top-Ten beschließen konnte.
 
Ein Rennen zum Vergessen musste Laura Kraihamer erleben: Die schnelle Dame, CCS-Racing Teamkollegin von Leutwiler, wurde bereits in der ersten Runde von einem Mitbewerber „auf die Hörner“ genommen. Ihr X-BOW überstand diese Tortur leider nicht unbeschadet, woraufhin sie es noch vor Rennende abstellen musste.
 
Das Ergebnis des ersten Rennens war zugleich die Startaufstellung für Lauf zwei, der am Sonntagmorgen über die Bühne ging. Über Nacht hatte es geregnet und die Reifenwahl geriet zur alles entscheidenden Frage. Während sich beinahe die Hälfte des Feldes für die „Sicherheitsvariante“ – also Regenreifen – entschied, riskierte der Rest den Griff zum profillosen Slick. Eine riskante Wahl – und die falsche noch dazu, wie sich spätestens zur Hälfte des Rennens herausstellen sollte.
 
Doch der Reihe nach: Pole-Sitter Jaime Alguersuari war einer jener Piloten, die dem Slick den Vorzug gegeben hatten. Es war klar, dass er zumindest in den ersten Runden nicht mit seinen ersten Verfolgern mithalten können würde. Schon unmittelbar nach dem Start schoben sich Leutwiler, Baumgartner und Chwist am Spanier vorbei, sie alle hatten auf die weichen Michelin-Regenreifen gesetzt. Noch während die erste Runde lief, kam das Safety-Car auf die Strecke, schon auf der Start- und Zielgeraden hatte es einen (glimpflichen) Abflug gegeben.
 
Nach der erneuten Freigabe des Rennens gab es Dreher und Abflüge quer durch das Feld, prominentestes Opfer war Vorjahres-Champ Klaus Angerhofer, der seinen X-BOW im Kiesbett vergrub und vorzeitig aufgeben musste. An der Spitze tobte die Wiederauflage des Duells vom Vortag, mit umgekehrten Vorzeichen: Holger Baumgartner hatte Niki Leutwiler überholt und konnte die Pace machen, Arthur Chwist folgte mit Respektabstand. Dahinter begeisterte Laura Kraihamer: Sie kam – ebenfalls mit Regenreifen ausgerüstet – vom Ende des Feldes nach vorne gestürmt und machte Position um Position gut. Sogar ein Podestplatz schien schon im Bereich des Möglichen zu sein, doch dann wurde sie erneut „abgeschossen“, was für die Salzburgerin eine bittere Nullnummer zur Folge hatte.
 
Unmittelbar danach die nächste Aufregung. Just als die Strecke begann abzutrocknen, rollte Jaime Alguersuari an die Box: Fallender Öldruck verhinderte eine mögliche Aufholjagd, aus Rücksicht auf den Motor stellte der spanische Lokalmatador vorzeitig ab. Gleichzeitig kam es an der Spitze zum rennentscheidenden Moment: Beim Überrunden von mehreren Nachzüglern fand Niki Leutwiler die bessere (trockenere) Linie und zog an Holger Baumgartner vorbei, womit der Schweizer an seinem Premieren-Wochenende zwei Mal die volle Punktezahl für die Gesamtwertung mitnehmen konnte. Holger Baumgartner und Artur Chwist komplettierten das Podium, Uwe Schmidt gelang nach einigen Problemen zu Beginn des Barcelona-Wochenendes mit Platz vier ein versöhnlicher Ausklang. „BOB BAU“ wurde Fünfter, Eyke Angermayr toller Sechster, der Tscheche Karel Bednar Siebenter. Platz acht ging an Oliver Hörschläger, Jack Rotteveel holte Rang neun und Ernst Kirchmayr komplettierte die Top-Ten.
 
Die vier Saison-Starter der X-BOW „ROOKIES CHALLENGE“ – der Schweizer Cédric Freiburghaus, der Slowene Sebastian Jakl sowie die beiden Österreicher Jörg Haghofer und Wolfgang Schiessendoppler fügten sich perfekt in das Feld der X-BOW BATTLE ein und konnten sogar den einen oder anderen regulären Starter (mit stärkerem Fahrzeug) hinter sich lassen. Große Gewinner des Premieren-Wochenendes der kostengünstigen Einsteiger-Serie war der junge Schweizer Freiburghaus, der sowohl den ersten, als auch den zweiten Lauf überlegen gewann.
 
Schon im Samstagsrennen holte Jörg Haghofer nach hartem Kampf Platz zwei vor Sebastian Jakl, auch im zweiten Lauf am Sonntag sah das Ergebnis so aus. Wolfgang Schiessendoppler folgte mit etwas Respektabstand, rang aber in beiden Rennen den einen oder anderen regulären Starter nieder und durfte somit nach dem ersten Rennwochenende seines Lebens ebenfalls extrem zufrieden sein.
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