Samstag, 3. Dezember 2022
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FIA ETCC
22.09.2015

Turbulentes ETCC-Rennwochenende für Andreas Pfister

Bereits 14 Tage nach den Läufen neun und zehn im tschechischen Brno startete die Tourenwagen-Europameisterschaft (FIA ETCC) mit zwei weiteren Rennen vom 18. bis 20. September 2015 am legendären Circuit Zolder in Belgien. Für die Fans wurde mit der FIA ETCC, dem FIA Truck Grand Prix, dem Lotus Cup und weiteren Rennserien ein tolles Rahmenprogramm geboten, was für volle Zuschauertribünen entlang der Rennstrecke sorgte.
 
Der Circuit Zolder ist eine ehemalige Formel 1-Rennstrecke und auf seinen vier Kilometern durch seinen engen Streckenverlauf mit aufeinanderfolgenden Schikanen bekannt. Besonders die „Gilles Villeneuve Schikane“ stellt Teams und Fahrer vor eine große Herausforderung. An diesem Rennwochenende sollte aber nicht nur die Rennstrecke, sondern auch das Wetter eine große Rolle spielen. Bereits die ersten Testfahrten wurden durch einen Mix von Trocken und Nass bestimmt und so sollte auch das Zeittraining zur Ermittlung der Startaufstellung zu einem „Wetter-Roulette“ werden.
 
Pfister-Racing verpokert sich beim belgischen Wetter-Roulette im Zeittraining
 
„Nach den ersten Testfahrten war es für uns schwierig, eine Standortbestimmung zu erkennen, da die Rennstrecke stets nass war, dann wieder abtrocknete und es erneut regnete. Für Regenreifen zu trocken, für Slicks zu nass – deshalb sparten wir unser Material und drehten nur wenige Trainingsrunden. Dennoch fand ich mich auf der Rennstrecke gut zurecht und hatte ein gutes Gefühl beim Zeittraining um die Pole-Position zu fahren. Die Wettervorhersage deutete auf trockene Bedingungen hin, deshalb bereiteten wir den Rennwagen mit dem Fahrwerkssetup und den Reifen dementsprechend vor. Kurz nach Beginn des Zeittrainings lief noch alles nach Plan, und ich kam nach einer Aufwärmrunde in die Box um neue Reifen auf der Vorderachse montieren zu lassen. Dann begann es urplötzlich zu Regnen und eine Weiterfahrt auf profillosen Reifen (Slicks) war unmöglich. Zu unserem Leidwesen hatten die meisten unserer Konkurrenten noch eine Runde unter trockenen Bedingungen drehen können, was für uns einen enttäuschenden 17. Startplatz bedeutete“, so ein zerknirschter Andreas Pfister.
 
Sensationelle Teamleistung nach frühem Aus im ersten Rennen
 
Doch nach dem Pech im Zeittraining sollte dieses auch im ersten Rennen an den Fersen der Rennfahrerschuhe von Andreas Pfister kleben bleiben. Nach einem sehr guten Start schaffte es der 27-Jährige bereits in den ersten Kurven bis in die Top-Ten nach Vorne zu fahren, wurde dann aber von einem Konkurrenten abrupt aus dem Rennen gerissen: Daniel Conrad (CH, Honda Civic) verpasste Brems- und Einlenkpunkt gleichermaßen und fuhr in der schnellen „Kanaalkurve“ heftig auf das linke Hinterrad des SEAT Leon Rennwagens von Andreas Pfister. „Ich hatte einen sehr guten Start und konnte mich großartig nach vorne schieben, bis ich von einem harten Schlag auf das linke Hinterrad überrascht wurde. Das hatte einen Dreher zur Folge, und ich hatte Glück nicht von weiteren Rennwagen getroffen zu werden. Mit einem defekten Rennauto schaffte ich es zurück in die Box zu kommen und mein Team begann sofort mit der Behebung des Schadens“, so Pfister.
 
Nun zählte für das Pfister-Racing-Team jede Sekunde, um in der begrenzten Zeit den Rennboliden wieder in Stand zu setzen. Der doch recht heftige Schaden an der hinteren linken Aufhängung verlangte den Mechanikern alles ab – doch mit einer tollen gemeinsamen Leistung gelang es dem Team Andreas Pfister, für das zweite Rennen wieder einen voll funktionsfähigen Rennwagen zur Verfügung zu stellen.
 
Pfister: Das war kein „normaler“ Rennunfall
 
Dementsprechend frustriert, so früh aus dem Rennen gerissen zu werden, stieg Andreas Pfister aus dem Rennwagen und ging schnurstarks zum Rennleiter. „Das war kein normaler Rennunfall, sondern ein absolut unüberlegtes Manöver meines Konkurrenten, das sowohl für mich als auch für die anderen Rennfahrer gefährlich ist. Diese Aktion hat mit fairem Sport nichts zu tun, und muss einfach geahndet werden.“ Diese Ansicht teilten nach Prüfung des Videomaterials auch die Rennkommissare und belegten den übermotivierten Konkurrenten mit einer Rückversetzung von zehn Startplätzen für das nächste Rennen.
 
Der volle Einsatz wird mit Platz fünf im zweiten Rennen belohnt
 
Nun galt es für Andreas Pfister, abermals von ganz Hinten aufzuholen und in nur 13 Rennrunden noch ein gutes Ergebnis zu holen. „Startplatz 19 ist natürlich die schlechteste Ausgangsposition, die man sich denken kann. Aber ich ging voll motiviert ins Rennen, um an diesem Wochenende endlich unser Potential zeigen zu können“, so Pfister.
 
Dies stellte er auch eindrucksvoll unter Beweis und konnte sich Runde um Runde mit sehenswerten Überholmanövern nach vorne schieben. Besonders gegen Ende des Rennens war Andreas Pfister der schnellste im Fahrerfeld und brachte einen unter diesen Umständen guten fünften Platz über die Ziellinie – nur knapp hinter den Führenden.
 
„Aufgeben nicht unser Ding – neues Rennen neues Glück!“
 
„Dieser fünfte Rang ist unter diesen Umständen das Maximum und ich bin mit der Performance unseres Rennwagens sehr zufrieden, vor allem gegen Ende des Rennens konnte ich schneller als das Spitzenfeld fahren. Mit einem normalen Verlauf des Rennwochenendes wären wir auch hier um den Sieg mitgefahren. Aber Aufgeben ist nicht unser Ding, abhaken und mit vollem Angriff nach vorne schauen lautet die Parole!
 
Ein besonderes Kompliment möchte ich meinem Team (Alois Pfister, Kai Denner, Matthias Hutzel, Albert Hamper, Alfred Hutzel, Sigrid Pfister) aussprechen, das trotz dem turbulenten Verlauf des Wochenendes nie aufgegeben hat und zielgerichtet zusammenarbeitete. We will be back at Sicily – mit doppelter Punktevergabe beim Finale ist alles möglich. Ebenso ein großes Dankeschön geht an unsere Fans und Besucher an der Rennstrecke für die tolle Unterstützung.“
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