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FIA ETCC
02.10.2014

Vize-Titel für Andreas Pfister nach ETCC-Finale

Die Würfel sind gefallen: Nach einem mehr als mitreißenden und turbulenten ETCC-Finale auf Sizilien geht Andreas Pfister als Vize-Europameister (Klasse SMT) vom Platz. Vom 27. bis 28. September 2014 waren mehr als 24 Renntourenwagen am Start, um im „Grande Finale“ die besten Tourenwagen-Rennfahrer Europas unter sich auszumachen.

Dabei stellt die italienische Rennstrecke, das „Autodromo di Pergusa“, mit ihrem besonderen Layout eine absolute Herausforderung für alle Fahrer dar. Die Highspeed-Strecke umkreist den größten natürlichen See Siziliens und ist gespickt mit einigen mitunter gefährlichen Schikanen, begleitet von hohen Randsteinen (Curbs).

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Auch das Material ist hier am Limit, um eine schnelle Rundenzeit erreichen zu können, werden das Fahrwerk und die Bremsen auf eine harte Probe gestellt, die es von den Teams, Mechanikern und Ingenieuren zu meistern gilt. Mit den Plätzen zwei und drei in den ersten Trainingssitzungen begann das Rennwochenende für das Pfister-Racing-Team gut. Andreas Pfister dazu: „Wir konnten uns bereits zu Beginn schnell an die Rennstrecke anpassen und meinem Team gelang es gut, auch das richtige Setup des Fahrwerks für den Seat Leon Copá Rennwagen zu finden. Wir gingen mit einem sehr guten Gefühl in die entscheidenden Trainingssitzungen, mussten aber schon im freien Training feststellen, dass wohl einige unserer Konkurrenten durch die doppelte Punktevergabe beim Finale ziemlich über motiviert zu Werke gingen. Alleine im 30-minütigen freien Training gab es drei Mal einen Abbruch durch die rote Flagge, da ist es fast unmöglich ein normales Testprogramm abzuspulen!“

Und so geriet auch das Zeittraining zu einer Lotterie, in der Pfister eine frustrierende Niete zog: „Bereits in der ersten Runde kam es direkt vor mir zu einem Crash zweier Chevrolet-Teamkollegen, die sich selbst und den Reifenstapel in der Schikane trafen. Ich musste ausweichen und konnte einen Einschlag in die Reifenstapel nicht verhindern“, so der 26-jährige Rennfahrer.

Das Pfister-Racing-Team macht die Nacht zum Tag

Nach diesem recht heftigen Crash war das Zeittraining zur Ermittlung der Startaufstellung für das Pfister-Racing-Team beendet, bevor es richtig begonnen hatte. Die Titelkonkurrenten Bragin und Ryabov konnten erste Wertungspunkte holen und zogen am Samstag in der Punktetabelle mit Pfister gleich. Nun galt es alle Kräfte zusammenzunehmen, um mit professionellem Teamwork das Rennfahrzeug wieder einsatzbereit zu machen. Trotz des hohen Drucks unter dem das Team stand, arbeiteten alle gezielt und der Titeltraum machte zusätzliche Reserven mobil. Auch wenn so manche Wette im Fahrerlager gegen die Franken lief, schaffte es das Team dennoch im Morgengrauen um ca. 5 Uhr das Rennfahrzeug von Andreas Pfister wieder technisch voll einsatzbereit in der Box stehen zu haben!

Sichtlich emotional ist Pfister dann kurz vor dem Start der beiden Rennläufe: „Ich bin einfach sprachlos – meine Jungs sind der absolute Hammer! Wir haben zwar noch einige optische Blessuren, aber mein Rennauto läuft wieder gut und wir haben nach wie vor alle Chancen, den Titel zu holen. Vielen Dank an mein ganzes Team das unermüdlich gearbeitet hat: Alois Pfister, Kai Denner, Hannes Kerst, Matthias Hutzel, Markus Kohl, Martin Weiglein und Doreen Siegmund.“

Von ganz hinten noch auf Platz drei

Dass es der Motivation des Rennfahrers aus Franken keinen Abbruch getan hatte, zeigte dann eine grandiose Aufholjagd im ersten Rennen, in welchem Andreas Pfister vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen musste. Nach nur elf Rennrunden schaffte er es sich auf Platz drei in seiner Klasse nach vorne zu schieben: „Das Rennen war nicht einfach und ich musste alles geben, um nach vorne aufholen zu können. Ich konnte meine Aufholjagd aber gut umsetzen und Plätze gutmachen. Kurz vor Rennende war ich sogar im Windschatten meines Titelkonkurrenten Dmitry Bragin, der von Platz sechs aus gestartet war. Unter diesen Umständen ein absolut super Ergebnis, dass ich einzig und allein meinem Team zu verdanken habe, das die ganze Nacht geschuftet hat, um das Rennauto einsatzbereit zu bekommen!“

Am Ende reichte es nicht ganz

Im zweiten Rennlauf gab Andreas Pfister noch einmal alles, um Bragin den Titel streitig zu machen. Nach rundenlangen harten Zweikämpfen zu Rennbeginn, musste der Franke dann allerdings etwas abreißen lassen: „Bereits nach dem ersten Rennen bemerkten wir Getriebeölverlust an unserem Rennwagen und ich hatte nach einigen Runden mit einem langsamer schaltenden Getriebe zu kämpfen. Die Rennstrecke in Pergusa ist einfach materialmordend und ich musste meine Pace etwas drosseln.“ Doch zwei Runden vor Rennende wurde es trotzdem nochmal spannend: Bragin rutschte nach einem Fehler weit von der Ideallinie und Pfister konnte direkt auf ihn aufschließen, gestoppt wurde er allerdings von einem aggressiv fahrenden Christian Fischer, der Andreas Pfister am Vorderrad traf und die Überholchance zu Nichte machte.

„Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei allen bedanken, die diese erfolgreiche Rennsaison mit ermöglicht haben. Angefangen von meinem Klasse Team, meiner Familie, über unsere Partner und Sponsoren, bis hin zu den Medien und allen Freunden, Bekannten und Fans. Auch wenn es am Ende nicht ganz gereicht hat, ist der Vize-Titel ein toller Erfolg und ich hatte viel Spaß an dieser Saison, in der wir uns gut in Szene setzen konnten. Das finale Rennwochenende war sehr emotional und ich danke allen vielmals“, so Andreas Pfister.