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GTC
12.09.2013

Die 24h Wackersdorf – Ein voller Erfolg

Die 16. Auflage des Bavarian 24h in Wackersdorf hielt alles, was sich Teams und Veranstalter vom GTC-Highlight erhofft hatten. Rekord Starterfeld mit 42 Mannschaften, eine starke Leistungsdichte mit über 30 Teams in einer Sekunde, die üblichen Dramen und Freuden die einen Langstrecken-Klassiker ausmachen und alles bei besten Witterungsbedingungen.

Lediglich die ersten drei Rennstunden sorgten für einigen Unmut bei Fahrern und Teamchefs. Einige gaben Gas, als ob das Rennen nur 24 Minuten dauern sollte, quetschten sich in Lücken, die eigentlich keine waren, knallten über die Randsteine, dass es einem vom Zuschauen schon weh tat und sorgten damit für etliche Rempler, Schubser und Schäden.

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Eine wahre Pace-Car- und Strafzeit-Orgie war die Folge. Glücklicherweise bemerkten dann auch die Letzten, dass es sich um ein Langstreckenrennen handelt und die Gangart beruhigte sich. Für manche kam die Einsicht allerdings zu spät: Verbogene Achsen und krumme Spurtstangen sorgten für nicht geplante Boxenstopps, womit man schon früh ins Hintertreffen geraten war. Die enge und dichte Spitze der Langstrecken-Spezialisten hielt sich vornehm zurück, machte nun Druck, um sich von den lästigen Verfolgern abzusetzen. Nach 6 Stunden sah man das Messebau Racing Team mit beiden Karts ganz vorn. Dazwischen der Titelverteidiger von Shark Endurance und der Meisterschaftsführende, die „Zehn Gebote“ aus Hagen. Mit dem Live-Strip Team auf Platz fünf, Wlen by BPR, ATW-Racing, Honda Spirit und den Hausexperten II vier Mannschaften rundengleich dahinter. Auch die nächsten sechs Teams bis zum Platz 15 lagen nur eine Runde zurück – es war richtig eng. 

Wie üblich beim Bavarian 24h konnte sich keine Mannschaft aus eigener Kraft absetzen. Man wählte die Zermürbungstaktik. Speed hoch halten, keine Fehler machen. Alle die den Speed mitgehen wollten, mussten volles Risiko gehen. Ölstand kontrollieren? „Kann man auch verschieben“. Kette schmieren? „Kostet zu viel Zeit“. Die sonst üblichen Sicherheitsstopps, mit kleinem Service, wollte und durfte sich niemand leisten, um sich nicht gleich aus den Top-20 zu verabschieden. Und so verabschiedete sich, langsam aber sicher, ein Team nach dem anderen aus dem Favoritenkreis.

Beim MCS Stuttgart musste eine Sitzstrebe neu eigeschweißt werden. Bei den „Zehn Geboten“ und Cool Runnings verabschiedet sich ein Triebwerk. Die Bremsanlage des Live-Strip.com Racing MS-Karts benötigte eine Generalüberholung. ATW schlug sich mit einer krummen Hinterachse herum. H&R HBDL by ATB wechselte erst den versagenden Vergaser, um dann doch den Motor zu wechseln und das MSC O Junior Team suchte den Speed, der erst plötzlich in der Nacht zurück kam. Zur Halbzeit führte die Startnummer 65 der Messebauer vor Shark Endurance und dem nächsten Messebau Kart. Honda Spirit, ATW Racing und Live-Strip knapp dahinter. Auf Platz sieben die unglaublich starken Wlen by BPR noch vor dem MSC Oberflockenbach – alles noch dicht beieinander.

Selbst nach 18 Stunden, nun beide Messebau Karts vorn, war alles noch offen. Hartnäckigster Verfolger war Shark Endurance, die sich nicht abschütteln ließen. Erst danach kam ein kleines Loch zu Honda Spirit und den beiden Teams vom MSC Oberflockenbach. Sollte den Messebauern wirklich das Glanzstück gelingen? Bärenstark ihre Vorstellung bis zu diesem Zeitpunkt. Gleich zwei Teams, ohne taktische Fehler, durch die Nacht zu bringen, schafft selten jemand, dabei hatten die Sinsheimer auch keinerlei technischen Probleme zu beklagen. Ab Platz sieben waren die Rückstände nun größer. Hier musste man auf Gebrechen der Anderen hoffen, um noch das Podium zu erreichen.

Als nur noch 3,5 Stunden zu fahren waren, knallt es dann auf der Geraden! Beim führenden Team zerriß es das Honda-Triebwerk. Die Startnummer 65 stand. Kurze Schockstarre beim Messebau Team, dann wurde der Motor gewechselt und alle Konzentration galt nun dem zweiten Kart. Diese lag im Clinch mit Shark Endurance, nur durch Sekunden voneinander getrennt. Honda Spirit rückte auf den dritten Rang vor. Zeitgleich brach beim MSC Oberflockenbach der Gewichtskasten. Eine aufwendige Reparatur und eine Zeitstrafe wegen Untergewicht warf die Flookies zurück. ATW Racing musste nun die Segel streichen. Die leicht krumme Hinterachse hatte seit der Anfangsphase so ziemlich alles abgeschüttelt, was man am Kart braucht. Neben JBR-Motorsport, H&R HBDL, Curto Racing und dem MSC Osnabrück war es bereits das fünfte Team, das einpacken musste – auch ein Rekord beim Bavarian 24h.

Die Schlussphase geriet zum großen Zweikampf zwischen Shark Endurance und den Messebauern. Praktisch drei Stunden lang fighteten die Beiden, setzten immer wieder neue Bestzeiten und hatten identische Tank- und Boxenstoppzeiten. Der geringe Rückstand änderte sich aber nur marginal. Das Messebau Team zitterte sich mit 20 Sekunden Vorsprung zu ihrem ersten Bavarian 24h-Sieg vor dem Vorjahressieger von Shark Endurance – ein Kart verloren und trotzdem alles gewonnen. Platz drei ging an Honda Spirit, die im Qualifying noch so viele Setup Probleme hatten, dass sie von der 40. Position aus das Rennen aufnehmen mussten. Wie einen Sieg feierte der Sieger der ADAC-Trophy-Wertung den fünften Gesamtrang. Wlen by BPR überraschte alle mit dieser Leistung. Die „Zehn Gebote“ konnten trotz Motorschaden den sechsten Rang erreichen und trösteten sich mit einem weiterhin großen Punktevorsprung in der Meisterschaft. Dieser wäre erheblich geschrumpft, wenn das andere Messebau Team gewonnen hätte. So kam die Startnummer 63 nur hinter dem MSC Oberflockenbach auf den achten Rang. Wlen by Autoglas Heilbronn auf Rang neun und die Hausexperten.de II beschließen  die Top-Ten, welche noch nie so schwer zu erreichen war, wie in diesem Jahr.

Fazit: Auch das 16. Jahr des Klassikers wird dafür sorgen, dass die Begeisterung für das Bavarian 24h weiter steigt. Ein Sieg bei diesem Rennen ist fast schwerer zu erreichen, als die Meisterschaft. Auf jeden Fall wird er genauso gefeiert.