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Formel 1
14.12.2012

F1-Saisonrückblick: Scuderia Ferrari

Nach einer enttäuschenden Saison 2011 gab es bei Ferrari vor Beginn der neuen Saison hohe Zielsetzungen: WM-Titel mussten her. Und für einen Großteil des Jahres sah es nach einer Erfüllung dieser Forderung aus. Vor Beginn der Saison war der neue Ferrari der Bolide, der am häufigsten kritisiert wurde: Aufgrund der neuen, schnabeltierähnlichen Nasenkonstruktion wurde der Ferrari gern als „hässliche lahme Ente“ bezeichnet, da Ferrari auch bei den Test vor Beginn der neuen Saison nicht überzeugen konnte.

Mit dem Ziel endlich einen WM-Titel mit Ferrari zu gewinnen, startete Fernando Alonso hochmotiviert in seine dritte Saison bei den Italienern. Nach den Testfahrten schien klar zu sein, dass Ferrari in 2012 kein Kandidat für Siege ist. Umso überraschender war es, als Fernando Alonso mit einer fehlerlosen Glanzleistung den chaotischen Grand Prix in Malaysia gewann. Zwar wurde Alonso von allen Seiten für seine beeindruckende Fahrt in Malaysia gelobt, allerdings wurde der Sieg eher als „glückliche Fügung des Schicksals“ gesehen und nicht als eine Leistung, zu der Ferrari noch einmal fähig wäre.

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Die nächsten beiden Rennen in China und Bahrain schienen die Annahme zu beweisen: Er beendete die Rennen auf Platz neun und Platz sieben. Die Wendung kam beim Großen Preis von Spanien: Alonso sicherte sich einen zweiten Platz hinter dem Überraschungssieger Pastor Maldonado (Williams) und vor Lotus-Piloten Kimi Räikkönen. Diese starken Leistungen konnte der Spanier in Ferrari-Diensten bei den nächsten Läufen fortsetzen: Bis zum Ende der ersten Saisonhälfte in Ungarn gelangen Fernando Alonso vier weitere Podiumsplatzierungen. Darunter befanden sich auch sein emotionaler Sieg in Valencia, den er von Startplatz elf aus gewann und sein Start-Ziel-Sieg beim Großen Preis von Deutschland.

Die Leistungen von Alonso waren insbesondere deshalb so eindrucksvoll, da seine Performance im Qualifying eher schwach war: Häufig startete der Spanier von einem der hinteren Plätze in der Top-10, konnte allerdings in den Rennen eine Menge Positionen gut machen und sicherte sich respektable Rennergebnisse. Als der Formel 1-Zirkus nach elf Rennen in die Sommerpause ging, hatte Alonso in der WM bereits 40 Punkte Vorsprung auf Mark Webber (Red Bull) auf Position zwei. Seine Führung im Kampf um den Titel zu behalten, war das Ziel für die zweite Saisonhälfte.

Die zweite Hälfte der Saison begann für Fernando Alonso so schlecht wie nur irgend möglich: Beim Start des GPs in Belgien wurde der Spanier in die durch Romain Grosjean verursachte Start-Kollision verwickelt und schied bereits in der ersten Kurve aus. Noch führte er die WM allerdings komfortabel an und konnte in den folgenden beiden Rennen mit zwei dritten Plätzen wieder viele Punkte gutmachen.

Beim Rennen in Japan fiel der Ferrari-Superstar nach einer kurzen Berührung mit Kimi Räikkönen aus, während sein Hauptkonkurrent im Kampf um den Titel, Red Bull-Pilot Sebastian Vettel, das Rennen gewann. Der Vorsprung des Spaniers nahm sukzessive ab und obwohl Alonso in den Rennen bis zum Saison-Finale in Brasilien konsequent einen zweiten oder dritten Platz erzielte, konnte Vettel durch seine vier Siege in Folge die WM-Führung übernehmen.

Beim Saison-Finale in Brasilien, das chaotischer nicht hätte sein können, gab es nach einem Dreher Vettels in der Startphase immer wieder Hoffnung für Alonso, was den Gewinn seines dritten Titels betraf. Da der Deutsche sich allerdings am Ende des Rennens noch auf Platz sechs vorkämpfen konnte, reichte Alonsos zweiter Platz nicht, um ihn zum Weltmeister zu krönen.

Eine wesentlich kompliziertere Saison erlebte Fernando Alonsos Teamkollege Felipe Massa. Bis zum Ende der ersten Saisonhälfte in Ungarn, nach elf Rennen demnach, hatte Massa lediglich fünf Mal in die Punkte fahren können. Sein bis dahin bestes Ergebnis war ein vierter Platz in Großbritannien. Bei Massa fehlte nicht der grundsätzliche Speed oder das Können – oft genug  machten seine eher mittelmäßigen Startpositionen und missglückte Strategien Punkte-Platzierungen unmöglich. Die enttäuschende erste Saisonhälfte regte auch die Presse an, über Massas Zukunft bei Ferrari zu diskutieren. Kaum ein Pilot wurde in den letzten Jahren häufiger aus seinem Cockpit herausgeschrieben als der Brasilianer.

In der zweiten Saisonhälfte fuhr Massa deshalb im wahrsten Sinne des Wortes um einen neuen Vertrag bei der Scuderia. Sowohl in Belgien, als auch in Monza schaffte er eine Top-5-Platzierung und in allen neun verbliebenden Rennen bis zum Saisonende punktete Massa für die Roten und half Alonso im Titelkampf. Seine größten Erfolge waren zum einen sein zweiter Platz beim Großen Preis von Japan und sein emotionaler dritter Platz bei seinem Heim-GP in Brasilien. Die deutlichen Verbesserungen Massas sahen auch die Verantwortlichen bei Ferrari und so folgte kurze Zeit nach seinem zweiten Platz beim Japan-GP die Bekanntgabe seines Ferrari-Vertrages für 2013.

Ferrari beendete 2012 mit einem zweiten Platz in der Konstrukteurs-Wertung und kann im Vergleich mit der Saison 2011 mit dem sichtbaren Forstschritt durchaus zufrieden sein. Der Verlust von Alonsos Fahrer-Titel schmerzt das Team dennoch sehr, stimmt die Scuderia allerdings auch angriffslustig für das kommende Jahr.

Text: Antonia Grzelak – motorsport-xl.de