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Automobilsport
08.01.2026

„Gazoo Racing“: Fokus auf Entwicklung und Talentförderung

Neuer „alter“ Name: Die Motorsportmarke Toyota Gazoo Racing kehrt zu ihrem ursprünglichen Namen „Gazoo Racing“ zurück. Damit macht das Unternehmen die Rückkehr zu seinen Gründungsprinzipien deutlich und fokussiert sich künftig auf die aus dem Motorsport resultierende Entwicklung immer besserer Autos sowie die Förderung junger Talente.

Die Ursprünge der Marke Gazoo Racing reichen zurück bis ins Jahr 2007, als der damalige Executive Vice President der Toyota Motor Corporation Akio Toyoda zusammen mit seinem Mentor und Meisterfahrer Hiromu Naruse sowie weiteren Kollegen am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teilnahm. Da dies nicht als offizielle Aktivität des Unternehmens anerkannt war, durfte das Team nicht den Namen „Toyota“ verwenden und trat stattdessen als „Team Gazoo“ an. Da zudem Toyodas aktive Teilnahme am Rennen auf wenig Verständnis stieß, trat er unter dem Fahrernamen „Morizo“ an.

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Das Team schaffte es zwar, das Rennen zu beenden, doch dieser Erfolg wurde von einem Gefühl der Demütigung getrübt. Denn während viele andere, vor allem europäische Konkurrenten ihre Autos auf Herz und Nieren testeten, verfügte Toyota über kein Fahrzeug für solch herausfordernde Belastungen. Zudem gab es seinerzeit keine Sportwagen in der Produktpalette von Toyota. Es war, als hörte Toyoda die Konkurrenz rufen, dass Toyota nicht in der Lage sei, solche Fahrzeuge zu bauen – ein Gefühl der Demütigung, an das er sich bis heute erinnert.

Überzeugung als Grundlage für den Shikinen Sengu im Automobilbau

Die Entwicklung von Sportwagen erfordert einen Fertigungsansatz, der nicht nur die Eigenschaften und die grundlegende Leistung eines Autos optimiert, sondern auch darauf abzielt, ein Auto selbst unter rauen Bedingungen absolut zuverlässig zu machen. All diese Maßnahmen tragen auch zur Entwicklung von Serienfahrzeugen bei. Gleichzeitig bietet der Motorsport zahlreiche Möglichkeiten, die Fähigkeiten im Automobilbau zu verfeinern und junge Talente zu fördern.

Der Ise-Schrein in der japanischen Präfektur Mie hat eine lange Tradition: Hier werden Traditionen und Fertigkeiten durch ein Ritual namens „Shikinen Sengu“ weitergegeben, bei dem sämtliche Strukturen des Schreins alle 20 Jahre vollständig erneuert werden. Ähnlich verhält es sich mit der Entwicklung von Sportwagen, wo Traditionen und Fertigkeiten verlorengehen, wenn sie nicht weitergegeben werden. Aus der Erkenntnis heraus, dass Toyota einmal ein Hersteller ohne Sportwagen-Know-how sein könnte, initiierte Akio Toyoda die Entwicklung des Lexus LFA und bestimmte den Nürburgring als Hauptentwicklungsort für das Fahrzeug.

Der LFA wurde im Jahr 2010 auf den Markt gebracht und war der erste echte Sportwagen der Toyota Motor Corporation aus eigenem Haus seit etwa 20 Jahren. Das Modell war das Ergebnis eines Projektes, das mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, darunter die mangelnde Unterstützung innerhalb des eigenen Unternehmens, da der Bau dieser Fahrzeuge mitunter als unrentabel angesehen wurde. So wurde auch die Fertigung auf lediglich 500 Einheiten limitiert.

Kurz vor der Markteinführung des LFA verunglückte Hiromu Naruse in der Nähe des Nürburgrings mit einem Vorserienmodell des Sportwagens tödlich bei einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug. Doch auch nach diesem für Akio Toyoda persönlich sehr tragischen Verlust hielt dieser an der Entwicklung von Sportwagen fest. Es folgte die Einführung des 86 im Jahr 2012 und die Wiederbelebung des GR Supra im Jahr 2019. Beide Modelle wurden jedoch in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern, Subaru und BMW, entwickelt – Toyota war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, einen Sportwagen vollständig aus eigener Kraft zu entwickeln.

Die Gründung von Toyota Gazoo Racing

Im April 2015 beschloss die Toyota Motor Corporation, ihre Motorsportaktivitäten, darunter „Toyota Racing“, „Lexus Racing“ und „Gazoo Racing“ unter einem Namen zusammenzufassen – die Geburtsstunde von „Toyota Gazoo Racing“. Doch obwohl nun alle Aktivitäten unter einem großen Dach vereint waren, verlor sich allmählich der Grundgedanke von Toyoda und Naruse.

Das unermüdliche Streben nach immer besseren Autos

Ein paar Jahre später gab Akio Toyoda, zum damaligen Zeitpunkt Präsident der Toyota Motor Corporation, den Wiedereinstieg in die FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) bekannt, um die Entwicklung immer besserer Autos voranzutreiben. Die Rückkehr in die WRC, in der die Rennwagen auf Serienfahrzeugen basieren, markierte einen entscheidenden Wendepunkt für die Motorsportaktivitäten von Toyota.

Bis dahin hatte die Toyota Motor Corporation ihre Motorsportfahrzeuge auf Basis bereits fertiger Serienfahrzeuge entwickelt. Mit dem Wiedereinstieg in die WRC setzte das Unternehmen jedoch auf einen neuen Ansatz, der diese Reihenfolge umkehrte: Im ersten Schritt wurde ein Fahrzeug entwickelt, das in der WRC gewinnen konnte, anschließend wurde dieses Modell zu einem Serienfahrzeug umgewandelt. Dies führte 2020 zur Markteinführung des GR Yaris, einem komplett von Toyota selbst entwickelten Sportwagen.

Noch im selben Jahr feierte der GR Yaris seinen ersten Sieg in einem 24-Stunden-Rennen der Super Taikyu Series und war fortan bei Motorsportveranstaltungen rund um den Globus zu sehen. Es folgte die Markteinführung des GR Corolla, was die hauseigene Sportwagenproduktion zusätzlich wiederbelebte.

2025 kehrte Toyota nach sechs Jahren zum 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zurück und trat mit einem GR Yaris an. Mit an Bord auch Akio „Morizo“ Toyoda, der sich nach eigenen Angaben an Bord mit seinem alten Mentor Naruse unterhalten hat. Worüber, das wissen nur die beiden Meisterfahrer.

Für Toyoda bestand die nächste Herausforderung darin, ein echtes Shikinen Sengu durch die Entwicklung eines ultimativen Sportwagens durchzuführen. Ende 2025 folgte die Vorstellung des GR GT und des GR GT3 sowie des vollelektrischen Lexus LFA Concept.

Die Gefühle der Demütigung beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring vor fast 20 Jahren waren der Ursprung für die Gründung von Gazoo Racing – eine Reise, die noch lange nicht zu Ende ist.

Voller Dankbarkeit gegenüber den Partnern und Fans wird die Toyota Motorsportmarke unter dem Namen „Gazoo Racing“ auch künftig immer bessere Autos bauen, die aus den im Rennsport gewonnenen Erkenntnissen resultieren, sowie Talente von Fahrern, Ingenieuren und Mechanikern fördern.

Toyota Racing: Technologische Weiterentwicklung für Rennstrecke und Straße

Das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum von Toyota und die in Köln ansässige Tochtergesellschaft „Toyota Gazoo Racing Europe“ firmieren ab sofort unter der Bezeichnung „Toyota Racing“. Toyota Racing wird durch modernste Motorsporttechnologie das Fundament für die weitere technologische Entwicklung von Toyota stärken. Diese Technologien werden weiterhin in verschiedenen Motorsportbereichen, darunter Rundstreckenrennen und Rallyes, eingesetzt, um kontinuierliche Verbesserungen zu erzielen.

TGRR: Die Brücke zwischen Toyota und Gazoo

Toyota Gazoo Rookie Racing (TGRR) wird seinen aktuellen Namen beibehalten. Die Organisation behält das „T“ von Toyota Racing und das „G“ von Gazoo Racing und bildet eine Brücke zwischen den beiden Unternehmen. Das Rennteam unterstützt die Motorsportmarken bei der Entwicklung von Produkten und Technologien und dient gleichzeitig als Trainingsplatz für junge Talente.
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