Mittwoch, 25. Mai 2022
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FIA Formel E
28.01.2022

Fünf Fragen an Ian James

Während sich die Formel 1 auf die Fahrzeugpräsentationen und die ersten Testfahrten der neuen Ära vorbereitet, startet die Formel E an diesem Wochenende bereits in ihre achte Saison. Ian James dazu im Interview: „Es wird erneut ein harter Kampf bis zum Schluss.“

Ian, wie fühlt es sich für die Mannschaft an, zum ersten Mal als Gejagte anstatt als Jäger in die Meisterschaft zu gehen? 
Ian James: „Wir blicken der Saison 8 voller Spannung und Vorfreude entgegen. Jeder ist schon ganz heiß darauf, dass es wieder losgeht. Aber ich glaube nicht, dass sich unsere Herangehensweise dadurch erheblich verändern wird, dass wir nun vom Jäger zum Gejagten geworden sind. Uns erwarten immer noch die gleichen Herausforderungen wie in den Vorjahren und die Tatsache, dass wir die Weltmeisterschaft in der vergangenen Saison gewonnen haben, bedeutet für die kommende Saison nicht wirklich etwas. Wir wissen, wie eng es in dieser Meisterschaft zugeht und wie stark unsere Konkurrenten sind. Es wird erneut ein harter Kampf bis zum Schluss.“

Steigt dadurch der Druck auf das Team und wie geht ihr damit um? 
Ian James: „Druck ist immer da. Aber wenn ich mir vor Augen halte, wie viele Stunden derzeit alle im Team arbeiten, ist es fantastisch zu sehen, dass der Hunger, um unser Potenzial auszuschöpfen, innerhalb des Teams noch immer vorhanden ist. Wir gehen die Saison mit der nötigen Bescheidenheit an, denn wir wissen, wie stark unsere Gegner sind und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Entscheidung wieder erst ganz am Ende fallen wird. Aber der Druck ist immer vorhanden und das ist auch gut so. Wir wachsen mit dem Druck und begrüßen ihn. Wir freuen uns sehr darauf, dass die Saison bald wieder losgeht.“

Legen wir das WM-Double beiseite, was waren die wichtigsten Lehren aus der vergangenen Saison, die das Team in Saison 8 noch stärker machen werden? 
Ian James: „Wir haben während der Saison 7 viel gelernt, besonders durch die Herausforderungen, die wir meistern mussten. Wir hatten einen guten Saisonstart, aber zur Saisonmitte hatten wir zu kämpfen. Dadurch haben wir gelernt, dass wir vielleicht in ein paar Bereichen zu hart gepusht haben, die uns nicht nach vorne gebracht haben. Stattdessen befanden wir uns dadurch leicht in der Defensive. Daraus haben wir gelernt: Wenn wir aus den Analysen die richtigen Schlüsse ziehen und mutig genug sind, unsere Arbeit in Frage zu stellen und einen Schritt zurück zu machen, um die Richtung zu ändern, dann können wir wieder zurück in die Spur finden. Es wäre sehr schön, wenn dies auch am Ende von Saison 8 so aufgehen würde. Das ist das Wichtigste. Wenn wir einen Weg eingeschlagen haben, von dem wir glauben, dass er nicht funktioniert, müssen wir den Reset-Button drücken und sicherstellen, dass wir die notwendigen Korrekturen vornehmen.“

Also spielt die Anpassungsfähigkeit eine sehr wichtige Rolle dabei... 
Ian James: „Ja, die Anpassungsfähigkeit und der Mut, Dinge in Frage zu stellen und sich dort anzupassen, wo es notwendig ist. Die Kombination aus HPP in Brixworth sowie den Formel 1 und Formel E Rennteams in Brackley bildet ein starkes Dreigestirn.“

Wie profitiert das Team von diesen Synergien? 
Ian James: „Uns war schon immer bewusst, dass unsere Leistung an die Mercedes-Benz Motorsportfamilie weitergegeben wird und das sehen wir auch in unserer Zusammenarbeit mit Mercedes AMG High Performance Powertrains in Brixworth. Die ganzen Erkenntnisse, die wir aus der Arbeit und Entwicklung ziehen konnten, die im Rahmen des Formel 1-Engagements stattgefunden hat, und die Tatsache, dass wir unseren eigenen Lernprozess in der Formel E damit vorantreiben können, sind echte Bereicherungen für uns. Hoffentlich können wir einiges davon durch unsere Entwicklung in der Formel E zurückgeben, damit die Formel 1 Power Unit auch in der Zukunft so leistungsstark wie möglich ist. Ich habe schon oft darüber gesprochen, was wir von den kulturellen Aspekten und dem Erfolg des gesamten Teams hier in Brackley lernen können. Die viel zitierte „No-Blame“-Kultur, die wir hier haben, ist ebenfalls ein entscheidendes Element für unseren Erfolg. Wir sind sehr stolz darauf, Teil dieser Familie zu sein und das hat uns zweifelsohne die Gelegenheit gegeben, unsere Entwicklung zu beschleunigen. Damit hat es auch einen Teil zu unserem Titelgewinn beigetragen. Die Synergien, die es in der Motorsport-Familie gibt, sind nicht nur in der kommenden Saison relevant, sondern auch für die Zukunft. Diese Kultur und dieses Know-how, das wir hier aufgebaut haben, werden uns auch weiterhin zugutekommen und langfristig einen zentralen Bestandteil unseres Unternehmens bilden.“
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