Donnerstag, 23. September 2021
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Kartsport Allgemein
24.08.2021

Schweizer Kart-Meisterschaft: Ein Champion steht schon fest

An Abwechslung fehlte es beim vierten Lauf zur autobau Schweizer Kart-Meisterschaft am vergangenen Wochenende im französischen Levier wahrlich nicht – sowohl bezogen auf das Wetter als auch bezogen auf die Sieger. Eine Entscheidung ist gefallen. Der neue und alte Meister der KZ2-Klasse heisst Nico Rohrbasser.

Das launische Wetter hatte am vergangenen Wochenende, beim vorletzten Lauf der autobau Schweizer Kart-Meisterschaft im französischen Levier, für viel Abwechslung gesorgt. Der eine oder andere Regenschauer sorgte am Sonntagnachmittag für spannende Rennen.

Eines der Highlights war in dieser Hinsicht das Finale der OK Junioren. Alle zwölf Fahrer nahmen das Rennen über 20 Runden auf Regenreifen in Angriff. Nur fünf kamen ins Ziel. Herausragend war dabei die Leistung von Jérôme Huber. Der 14-Jährige aus Hütten im Kanton Zürich liess sich von den prekären Bedingungen nicht irritieren und feierte nach zwei zweiten Plätzen in den Vorläufen seinen zweiten Finalsieg in dieser Saison – mit einem unglaublichen Vorsprung von mehr als 22 Sekunden auf den Zweitplatzierten Hector Gerling und 24 Sekunden auf den Drittplatzierten Colin Würthenberger. Im Ziel meinte der Sieger aus dem Team Kartbox.ch nur: „Eigentlich fahre ich gar nicht gerne im Regen. Aber mit Blick auf die Meisterschaft war dieser Sieg natürlich sehr wichtig.“ Dort hat Huber zum bisher führenden Elia Pappacena aufgeschlossen. Der zeigte nach einem Abstecher ins Kiesbett in der ersten Kurve eine bemerkenswerte Aufholjagd. Doch diese endete sechs Runden vor Schluss auf Platz zwei liegend – im selben Kiesbett. „Ich hatte den Speed und ich war zuversichtlich“, sagt Pappacena, Sieger des zweiten Vorlaufs. „Aber ich hatte den Kopf nicht hundert Prozent bei der Sache. Diese Fehler könnten mich die Meisterschaft kosten.“ Huber und Pappacena liegen vor dem Finale in Wohlen nun punktgleich an der Spitze. Dritter ist Ethan Ischer mit 39 Punkten Rückstand auf das Führungsduo.

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Apropos Wohlen und Entscheidungen: Bei den Jüngsten (Super Mini) und den Schnellsten (KZ2) ist die Entscheidung gefallen oder fast gefallen. Bei den Schaltkarts hat Nico Rohrbasser mit drei Siegen die Kuh vom Eis geholt. Der Routinier aus Genf spielte bei den feuchten Bedingungen seine ganze Erfahrung aus und sicherte sich die Siege 7, 8 und 9 in der laufenden KZ2-Saison. Mit 85 Punkten Vorsprung ist er beim Finale in Wohlen nicht mehr einholbar. Doch Rohrbasser freute sich nicht nur über den vorzeitigen gewinn der Meisterschaft. Besonders stolz war er auf die Leistung seines Schützlings und Spirit-Teamkollegen Nathan Neuhaus, der im Finale Platz 3 belegte. „Zu sehen, dass der Nachwuchs solche Fortschritte macht, freut mich natürlich ganz besonders“, so Rohrbasser. Zweiter hinter dem neuen und alten Meister, der nach 2020 und 2017 den Titel bei den Schaltkarts zum dritten Mal holte, wurde (wie schon in beiden Vorläufen) Norick Lehner, der erstmals in dieser Saison in der Schweizer Meisterschaft antrat und mit seinem neuen Birel-Chassis sehr gut zurechtkam.

Fast entschieden ist auch die Meisterschaft bei den 8-12-Jährigen. Die Super Minis trugen ihre Rennen mehrheitlich im Trockenen aus. Doch auch hier fehlte es nicht an Spannung. Dank Elia Epifanio ist das Rennen um die Schweizer Meisterschaft bei den Jüngsten noch offen. Drei Punkte haben Leader Tiziano Kuzhnini gefehlt, um den Sack schon in Levier zuzumachen. Oder anders ausgedrückt: 47 Tausendstel. So viel betrug nämlich sein Rückstand im Finale auf Sieger Epifanio, der schon im ersten Vorlauf erfolgreich war. „Dieses Wochenende ist super gelaufen“, sagt Exprit-Pilot Epifanio. „Jetzt hoffe ich, dass es auch in Wohlen so gut läuft.“ Für den knapp geschlagenen Kuzhnini lockerte sich nach kurzem Ärger über das verlorene Finale die Stimmung schnell auf. Die drei noch fehlenden Punkte sollte der Spirit-Fahrer, der diesem Jahr neun von zwölf Läufen gewonnen hat, beim Heimspiel in Wohlen locker nach Hause fahren.

Einen harten Fight trugen auch Savio Moccia und Kilian Streit in Levier aus. Die beiden Berner haben beim vorletzten Rennen in Frankreich ihre Vormachtstellung in der X30 Challenge Switzerland unter Beweis gestellt, wobei Streit den ersten Vorlauf gewann, während Moccia im zweiten Durchgang und im Finale die Nase vorne hatte. In beiden Fällen war Streit aber stets in Schlagdistanz. Im zweiten Vorlauf fehlten dem schnellen Redspeed-Piloten von Spirit Racing nur 53 Tausendstel zum Sieg. In der Meisterschaft führt Moccia vor dem Finale in Wohlen mit 268 Punkten gegenüber den 214 Zählern von Streit. „Der Plan, mehr Punkte als Kilian zu holen, ist aufgegangen“, sagt Moccia. „Aber ich musste mich strecken. Im Trockenen war Kilian schneller.“ Die weiteren Podestplätze in der X30 gingen an Nicolaj Sabo (1. Vorlauf) sowie Valentin Senes (2. Vorlauf und Finale).

Auch in der Kategorie OK Senior ist noch keine Entscheidung gefallen. Die Vorzeichen sprechen aber dafür, dass Patrick Näscher nach 2018 den Titel auch 2021 nach Liechtenstein holt. Der Fahrer aus dem Kart-Team Meier gewann den ersten Vorlauf, musste sich da aber schon richtig anstrengen. „Cesaretti und Mathur waren mir dicht auf den Fersen“, sagt Näscher. „Ich konnte nicht schneller fahren, aber es hat gereicht, sie in Schach zu halten.“ Im zweiten Vorlauf musste sich Näscher mit Platz 2 begnügen – hinter Lyon Mathur. Auch im Finale war der Sarmenstorfer nicht zu bezwingen. Mathur gewann vor Antonio Lagrotteria und Samuel Sätteli. Damit stand ein Trio auf dem Podium, das es in dieser Saison noch nie zusammen auf ein Siegerbild geschafft hat. Näscher wurde im Finale „nur“ Fünfter. „Wir haben das Set-Up und die Übersetzung auf Regen gestellt, als es auftrocknete hatten wir leider keine Zeit mehr das zu ändern.“ Erster Verfolger von Näscher ist neu Lyon Mathur (47 Punkte zurück). Franciacorta-Sieger Lukas Muth ist nur noch Dritter. Seine Hypothek beträgt vor Wohlen 67 Punkte. «Es lief nicht mehr so gut wie zuletzt in Franciacorta, meinte Muth. „Aber ich habe es ja vor dem Rennen angedeutet: Levier ist nicht meine Lieblingsstrecke.“

Mit Ausnahme der KZ2 bleibt es also spannend. Auto Sport Schweiz und die Kart Event Promotion als Ausrichterin der autobau Schweizer Kart-Meisterschaft freut sich schon jetzt auf das Finale in Wohlen am 25. September.