Montag, 21. Juni 2021
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Formel 1
07.05.2021

Zahlen & Fakten zum Großen Preis von Spanien

Der vierte Saisonlauf 2021 führt die Formel 1 beim Großen Preis von Spanien an den Circuit de Barcelona-Catalunya. Mercedes hat in diesem Zuge ein paar wichtige Zahlen & Fakten zusammengetragen ...
  • Der Circuit de Barcelona-Catalunya bietet eine Vielzahl an Kurventypen und Geschwindigkeiten. Dazu gehören langsame Kurven wie in T14 und T15, bei denen es auf den mechanischen Grip ankommt, sowie schnelle Passagen wie T3 und T9, in denen guter aerodynamischer Grip gefragt ist. Dadurch ist die Strecke ideal, um ein F1-Auto zu testen.
  • Die meisten langsamen Kurven sind Linkskurven, während alle schnellen Kurven rechts herum durchfahren werden. Das führt dazu, dass auf der linken und rechten Seite des Fahrzeugs leicht unterschiedliche Setups Verwendung finden, um sich an diesen Umstand anzupassen. Unterdessen nutzen sich die linken Reifen schneller ab, die Reifen auf der rechten Seite sind derweil höheren Temperaturen ausgesetzt.
  • Das Überholen ist in Spanien besonders schwierig. Beim Großen Preis von Spanien 2020 gab es sechs normale Manöver sowie 25 Positionswechsel mit Hilfe von DRS. Vor der langen Geraden liegt eine schnelle Kurve, in der es schwer ist, einem anderen Auto zu folgen, da dieses „Dirty Air“ produziert. Auch das Ende der Geraden ist nicht ideal für Überholmanöver, da die erste Kurve stark angebremst werden muss.
  • Für den diesjährigen Spanien Grand Prix wurden Änderungen an Kurve 10 vorgenommen, die Überholmanöver zusätzlich erschweren dürften, da die geänderte Kurve eine kürzere Bremszone aufweist.
  • Durch die Änderungen besitzt Kurve 10 nun einen weiteren Scheitelpunkt und Kurvenausgang. Dadurch wird sie 2021 mit einer höheren Geschwindigkeit durchfahren. Wir gehen davon aus, dass die Kurve immer noch im dritten Gang gefahren wird, aber der Speed wird mit dem neuen Layout von 85 km/h auf rund 110 km/h ansteigen.
  • Zudem ist der Asphalt in Kurve 10 neu und viel dunkler als der Rest der Strecke. Somit wird der Grip an dieser Stelle anders sein, was die Balance beeinflusst. Sollte es regnen, wird das Wasser hier im Vergleich zum Rest der Strecke länger stehen bleiben.
  • Mit Blick auf die Balance müssen die Teams einen Kompromiss finden, der neben dem neuen Asphalt auch zum Rest der Strecke passt. Um diese Kurve richtig hinzubekommen und die Balance anzupassen, werden die Fahrer wohl ihre Herangehensweise verändern und am Setup feilen müssen, etwa durch das Verstellen der Bremsbalance und der DIF-Einstellungen.
  • Kurve 5 gehört zu den unverwechselbaren Kurven der Strecke, da die Fahrer sie im Qualifying anders angehen als im Rennen. Die Wölbung der Strecke fällt am Scheitelpunkt ab, sodass das linke Vorderrad weniger belastet wird und sich das Risiko eines Verbremsers erhöht. Diese riskantere, engere Linie wird im Qualifying zum Einsatz kommen, dadurch verkürzen die Fahrer die Distanz. Auf einem Rennstint kann ein stehendes Rad jedoch zu Vibrationen führen und das Risiko eines zusätzlichen Boxenstopps bedeuten. Deshalb wählen die Fahrer hier oftmals die weitere Linie, um das kurveninnere Vorderrad zu entlasten und das Risiko eines Verbremsers zu minimieren.
  • Die Fahrzeugbalance kann in Spanien oftmals vom Wind beeinflusst werden, der seine Richtung im Laufe eines Tages ändern kann. Am Vormittag herrscht auf der Zielgeraden normalerweise Rückenwind, was Gegenwind in den schnellen Kurven bedeutet. Das führt zu einer guten Fahrzeugstabilität. Im weiteren Tagesverlauf tendiert der Wind jedoch dazu, sich in die Gegenrichtung zu drehen, wodurch die Fahrer in den schnellen Kurven Rückenwind haben, was die Balance kniffliger macht.
  • Mit Blick auf die Rundenzeit ist Sektor drei am wichtigsten, da die Fahrer in den langsamen Kurven am meisten Zeit gutmachen können. Aus diesem Grund ist es selten, dass ein Fahrer in Barcelona drei Sektorenbestzeiten fährt. Denn wenn der Fahrer im ersten Sektor schnell ist und dort optimalen Grip aufbaut, überhitzen die Reifen bis er in den entscheidenden dritten Sektor kommt.
  • 22 der 30 Rennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya wurden von der Pole Position gewonnen. Das zeigt, wie wichtig das Qualifying beim Spanien GP ist.
  • Barcelona weist eine der niedrigsten Höchstgeschwindigkeiten im diesjährigen Rennkalender auf. Aufgrund der High-Downforce-Natur der Strecke erreichen die Autos auf der Zielgeraden nur 322 km/h. Zum Vergleich: In Mexiko liegt der Topspeed bei 350 km/h.
  • Die Distanz von der Pole Position bis zur ersten Bremszone ist in Barcelona der viertlängste der Saison. Die Fahrer bremsen die erste Kurvenfolge erst nach 579 Metern an.
  • Mit 40°C erreicht der Circuit de Barcelona-Catalunya die sechsthöchste durchschnittliche Streckentemperatur in der Formel 1 (Mittelwert der letzten fünf Jahre). Das ist auf zwei Hauptfaktoren zurückzuführen: Die Streckenoberfläche in Barcelona absorbiert viel Hitze, gleichzeitig ist die Sonneneinstrahlung (elektromagnetische Strahlung der Sonne) in Barcelona besonders hoch. Dadurch steigt die Streckentemperatur rasch an, wenn der Himmel nicht bewölkt ist.
  • Im Jahr 2021 fand zum ersten Mal seit vielen Jahren kein Wintertest in Barcelona statt. Trotzdem verstehen die Fahrer und Ingenieure die Strecke sehr gut, entsprechend erwarten wir keine zusätzlichen Unbekannten für das Rennen. Die Wintertestfahrten finden normalerweise ohnehin bei ganz anderen Streckenverhältnissen als das Rennen statt.