Mittwoch, 21. Oktober 2020
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Sonstiges
10.10.2020

Nico Rosberg mit GTC-Steer-by-Wire-Audi auf Nordschleife

Nach der Bewährungsprobe des Porsche Cayman 718 GT4, der das 24h Rennen auf dem Nürburgring ohne mechanische Verbindung in der Lenkung erfolgreich gefahren ist und den Einsätzen im GTC Race und Goodyear 60, hat sich der Gesellschafter der TRE GmbH und Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg ins Steer-by-Wire-Cockpit des Audi R8 LMS GT3 von Schaeffler Paravan gesetzt und den Space-Drive-Technologie-Träger auf der Nordschleife einem Härtetest unterzogen. Das war die erste High-Speed-Fahrt für einen GT3-Boliden ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkeinheit und Lenkgetriebe auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt. 

„Ich habe keinen einzigen Nachteil gespürt, auch Curbs oder kleinere Vibrationen waren zu spüren. Ich würde sehr gern mehr im Detail herausfinden: wie genau man das schafft, den Input so genau von den Reifen zum Lenkrad abzubilden. Das ist software- und sensortechnisch eine Riesenherausforderung“, sagt Nico Rosberg nach seiner ersten Fahrt im Audi R8 LMS GT3. „Diese Technologie wird für die zukünftige Fahrzeugentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Ohne Lenksäule hat man einen enormen Platzgewinn und kann den Innenraum frei gestalten.“ 

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„Wir freuen uns, dass Nico Rosberg sich selbst ins Auto gesetzt hat, um sich ein eigenes Bild vom Lenkverhalten des Boliden auf der Rennstrecke zu machen. Sein Urteil ist eine weitere wichtige Bestätigung unserer Arbeit und Ansporn zugleich“, erklärt Roland Arnold, CEO der Schaeffler Paravan Technologie GmbH. 

Hintergrund für den Test war die geplante engere Zusammenarbeit zwischen der TRE GmbH und der Schaeffler Paravan Technologie GmbH & Co. KG mit Blick auf die Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte. „Es ist wichtig selbst ein Gefühl für die Technologie zu bekommen, die man gemeinsam weiter entwickeln will“, sagt Eckardt Döhrer, Geschäftsführer der TRE GmbH mit Hauptsitz in Neustadt an der Weinstraße. 

„Mit dem Fahrwerksspezialisten TRE haben wir einen wichtigen Entwicklungspartner, besonders im Bereich Test, Simulation und Entwicklung von Chassis-Konzepten. Hier sehe ich wichtige Anknüpfungspunkte. Space Drive, als aktuell einzige straßenzugelassene digitale Lenktechnologie hat bereits heute einen wichtigen Grundstein für die zukünftige Fahrzeugentwicklung gelegt“, sagt Arnold, der Space Drive aus der Behindertenmobilität heraus entwickelt hat. „Das diese Technologie belastbar ist, haben wir beim 24h Rennen nachhaltig bewiesen. Auch diese Fahrer haben berichtet, dass sie so gut wie keinen Unterschied mehr zur herkömmlichen Lenkung spüren und erste Vorteile erkennen.“ 

„Wir sind der Spezialist für die Fahrwerksentwicklung, Fahrdynamik, Rolling Chassis, bis zur Serienentwicklung. Unsere Schwerpunkte sind die Implementierung solcher Systeme sowie die Simulation auf dem Prüfstand. Bereits beim Thema Schaeffler Mover haben wir zusammengearbeitet. Da wir auch eine Rennsporthistorie haben, macht es durchaus Sinn solche Projekte gemeinsam voran zu treiben, wenn es beispielsweise um Simulationen geht“, erläutert Döhrer. „Beim Feedback zum Beispiel spielt der Reifen als Bindeglied zwischen Fahrbahn und Lenkung eine wichtige Rolle. Mit unterschiedlichen Reifen oder Fahrbahnbelägen können wir beispielsweise ganz spezifisches Fahrverhalten simulieren. Das sind wichtige Themen für die Zusammenarbeit, um das System näher in Richtung Serie zu entwickeln.“ 
„Durch den Entfall der Lenksäule durch Steer-by-Wire ergeben sich vielfältige Facetten für die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeugmodelle“, meint Roland Arnold. „Der Bereich New Mobility ist besonders für Nico Rosberg ein ganz wichtiger Bereich und da ist die Lenktechnologie Space Drive neben alternativen Antriebskonzepten ein ganz wichtiger Baustein, der super zu uns passt“, unterstreicht Döhrer. 

Mit der Fahrwerksimulation und Lenkungsansteuerung aber auch bei der Gesamtintegration neuer Technologien in Fahrzeugkonzepte ergeben sich wichtige Schnittstellen für beide Unternehmen, die es jetzt weiter auszubauen gilt. Ein wichtiges Ziel dabei ist: die Verkürzung der Entwicklungsprozesse. Der Anfang ist gemacht!

Den nächsten großen Einsatz für die Space Drive-Technologie gibt es vom 08. bis 10. November 2020. Dann gastiert die GTC Race-Serie (gtc-race.de) mit der Sonderwertung Goodyear 60 im Rahmenprogramm der DTM auf dem Hockenheimring. Dort werden vier Steer-by-Wire-Fahrzeuge am Start sein. Weltpremiere war ebenfalls im GTC. Im Juni 2019 startete Markus Winkelhock mit dem Audi R8 LMS GT3 im Team von Phoenix Racing erstmals zu einem Rennen. Bis heute hat man eine enorme Entwicklung gemacht.