Mittwoch, 2. Dezember 2020
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08.11.2020

Die DNLS-Champions Spengler, Koch und Kaschube im Interview

Das Team BMW Bank hat in dieser Woche den Titel in der Premierensaison der Digitalen Nürburgring Langstrecken-Serie powered by VCO gewonnen. Im virtuellen BMW Z4 GT3 reichte dem Fahrertrio mit BMW Werksfahrer Bruno Spengler (CAN) und den beiden Sim-Racern vom Team BS+COMPETITION, Nils Koch und Kay Kaschube (beide GER), dafür ein vierter Platz beim Saisonfinale auf der Nürburgring-Nordschleife. Wir stellen die drei Fahrer und ihre Beziehung zum Sim-Racing im Rahmen von Kurzinterviews vor.


Bruno Spengler


Bruno, Sie haben dieses Jahr zwei Sim-Racing-Titel gewonnen: zuerst die IMSA iRacing Pro Series und jetzt die DNLS. Welchen Stellenwert haben diese Titel für Sie als DTM-Champion im realen Rennsport?
Bruno Spengler: „Die Titel haben für mich durchaus einen hohen Stellenwert. Ich habe erst Ende 2019 damit angefangen, ernsthaft ins Sim-Racing einzusteigen. Dann gleich im ersten Jahr zwei Titel zu gewinnen, ist sehr schön. Der IMSA-Titel war mir sehr wichtig, weil ich dort in der gleichen Serie und gegen die gleichen Fahrer angetreten bin wie in der Realität. Die Konkurrenz war sehr hart, und ich habe mich riesig über meinen Triumph gefreut. Gleiches gilt natürlich nun für den DNLS-Titel mit dem Team BMW Bank. Ich hatte mit Nils und Kay großen Spaß und habe eine Menge von ihnen gelernt. Wir sind ein super Team, und ich bedanke mich bei ihnen für ihre Hammer-Leistungen, die diesen Titelgewinn möglich gemacht haben. Alles in allem eine großartige Saison.“

Was bringt Ihnen Sim-Racing für Ihre realen Renneinsätze?
Spengler: „Es hilft mir vor allem dabei, mich besser zu konzentrieren. Denn in einem echten Rennauto spürst du als Fahrer alle möglichen Bewegungen, die es dir leichter machen, die Konzentration zu behalten. Das hast du im Simulator nicht, weshalb es deutlich schwieriger ist, über den Zeitraum eines gesamten Stints den Fokus perfekt aufrechtzuerhalten. Sim-Racing ist also eine super Übung für die echten Rennen. Bei mir kam in diesem Jahr noch dazu, dass ich in der IMSA iRacing Pro Series alle Strecke in Nordamerika schon einmal lernen konnte, bevor ich in der Realität zum ersten Mal dort gefahren bin. Das ist zwar nicht das gleiche wie im echten Rennauto, aber es gibt dir gerade zu Beginn in den Trainingssessions trotzdem ein gutes Gefühl.“ 

Apropos IMSA: Nach dem DNLS-Titelgewinn sind Sie schon wieder auf dem Sprung in die USA zum nächsten IMSA-Rennen an diesem Wochenende. Aber wie sehen die Sim-Racing-Pläne für den Winter aus?
Spengler: „Im Moment bin ich in der Tat noch stark im realen Rennsport eingespannt. Ich konnte schon kaum für das DNLS-Saisonfinale trainieren, weil ich aufgrund meiner IMSA-Rennen in den USA ständig unterwegs war. Nun habe ich im November noch zwei Rennen mit dem BMW Team RLL und dem BMW M8 GTE. Ab Ende November ist dann wieder mehr Zeit für Sim-Racing. Was ich genau machen und in welchen Rennserien ich antreten werde, muss ich mit Nils, Kay und meinen anderen Teamkollegen von BS+COMPETITION in Ruhe besprechen. Es ist aber sicher, dass ich so viel fahren werde, wie es geht, denn ich habe Lust darauf.“


Nils Koch


Nils, wie sind Sie zum Sim-Racing gekommen?
Nils Koch: „Das ging schon mit zehn Jahren los. Ich komme aus der Nähe vom Hockenheimring, liebe den Motorsport und wollte das irgendwann auch selbst machen. Dann ging es über die normale Spielekonsole irgendwann zu rFactor, wo ich auch Kay und einge andere Mitglieder des heutigen BS+COMPETITION Teams zum ersten Mal kennengelernt habe. Später bin ich dann auf iRacing umgestiegen. Letztlich war das Sim-Racing für mich der Weg, Motorsport einfach und relativ kostengünstig ausüben zu können.“

Aber Sie fahren auch reale Rennen, richtig?
Koch: „Stimmt. Ich habe ganz normal mit dem Kartsport angefangen und bin auch schon auf dem Nürburgring in BMW Fahrzeugen reale Rennen gefahren. Gäbe es die Pandemie nicht, wäre ich am vergangenen Wochenende sogar in der Nürburgring Langstrecken-Serie am Start gewesen. Ich bin also immer noch dabei und habe für die nächste Saison auf jeden Fall das Ziel, nicht nur digitale, sondern auch reale Rennen zu fahren.“

Wie viel Zeit investieren Sie ins Sim-Racing?
Koch: „Naja, das schwankt. In der Schulzeit hatte ich natürlich die meiste Zeit zum Trainieren. Das wurde dann im Studium und vor allem jetzt im Berufsleben etwas schwieriger. Mittlerweile verlagert sich das Training vor allem auf den Abend. Wenn andere Leute auf der Couch vor dem Fernseher sitzen, sitze ich in meinem Simulator. Es gibt für mich aber auch noch andere Dinge neben dem Sim-Racing. Das alles soll am Ende immer noch Spaß machen und nicht zu einem Muss werden.“


Kay Kaschube


Kay, auch an Sie zunächst die Frage nach dem Werdegang im Sim-Racing.
Kay Kaschube: „Ich bin ja schon ein paar Jahre älter und habe zu Beginn der 90er Jahre auf dem C64 angefangen, Rennspiele zu spielen. Erst deutlich später kam dann mit rFactor das Online-Racing auf. Plötzlich ist man nicht mehr gegen Computer gefahren, sondern gegen echte Menschen. Zu der Zeit bin ich parallel noch wie mein Vater reale Motorboot-Rennen gefahren und habe das Sim-Racing nur nebenbei betrieben. Nachdem es Ende 2014 mit den Motorboot-Rennen vorbei war, fehlte mir der Wettbewerb. Dafür habe ich einen Ersatz gesucht und diesen bei iRacing gefunden. Dort habe ich schnell einige meiner heutigen Teamkollegen kennengelernt, und wir hatten eine Menge Spaß und haben viel dazugelernt.“

Was kann ein Profi-Rennfahrer wie Bruno Spengler im Sim-Racing von Ihnen lernen?
Kaschube: „Da geht es hauptsächlich darum, die Faktoren, die er aus dem realen Rennsport gewohnt ist und im Simulator nicht hat, so gut wie möglich zu kompensieren. Das heißt, ich kann ihm vor allem dabei helfen, seine Hard- und Software so optimal einzustellen, dass er sich im Simulator ähnlich wohl fühlt wie im echten Rennauto. Dass Bruno und auch seine BMW Werksfahrer Kollegen, mit denen wir in der IMSA iRacing Pro Series zusammengearbeitet haben, schnell Auto fahren können, ist selbstverständlich. Diesen Speed aber in den Simlulator zu übertragen, war für alle das größte Problem, bei dem wir sie mit unserer Sim-Racing-Erfahrung unterstützen konnten. Ich war generell sehr beeindruckt, wie aufgeschlossen die BMW Werksfahrer für unsere Ratschläge waren und wie ernsthaft sie für ihre Renneinsätze trainiert haben. Das galt für Bruno genauso wie für Connor De Phillippi, John Edwards, Jesse Krohn oder Nick Catsburg, die alle in der virtuellen IMSA-Serie dabei waren.“ 

Wie hat dieses Jahr im Zeichen der Pandemie das Sim-Racing verändert?
Kaschube: „Das Sim-Racing hat sich sehr positiv verändert. Auch vorher war schon Bewegung in der Szene, aber wir sind am Ende doch eine relativ kleine, eingeschworene Community geblieben. Durch die ganzen Events in diesem Jahr, das Engagement von Herstellern und Profi-Rennfahrern, und nicht zuletzt auch aufgrund ganz neuer professioneller Strukturen einer VCO hat sich eine Menge bewegt. Wir sind aus meiner Sicht auf einem neuen Level angekommen. Und ich finde auch, dass die Teams untereinander das verstanden haben und deutlich mehr an einem Strang ziehen als früher. Denn letztlich vereint uns alle das Ziel, Sim-Racing im Esports-Umfeld zu etablieren und noch populärer zu machen.“