Samstag, 22. September 2018
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Rallye WM
07.07.2018

Interview mit Rallye-Deutschland-Markenbotschafterin Jutta Kleinschmidt

Neben den WRC-Stars wie Sébastien Ogier oder Thierry Neuville dürfen sich die Fans der ADAC Rallye Deutschland in diesem Jahr auf einen weiteren Superstar des Rallye-Sports freuen: Jutta Kleinschmidt, die erste und bislang einzige weibliche Siegerin der legendären Rallye Dakar, unterstützt den deutschen WM-Lauf, der vom 16. bis 19. August im Saarland und den umliegenden Regionen stattfindet. Im Interview spricht sie über ihre neue Tätigkeit als Markenbotschafterin der ADAC Rallye Deutschland, über die Besonderheiten der Veranstaltung und ihre Erwartungen. 

Frau Kleinschmidt, wie gestaltet sich bislang Ihre Tätigkeit als Markenbotschafterin der ADAC Rallye Deutschland? Welche Aufgaben konnten Sie bereits wahrnehmen?
Jutta Kleinschmidt: „Das ist mein erstes Jahr als Markenbotschafterin des deutschen WM-Laufs – insofern ist alles für mich noch etwas neu und ich lerne viel dazu. Das Organisationsteam ist großartig, eine eingespielte Truppe, die mich sehr herzlich aufgenommen hat. Ich durfte bei der offiziellen Streckenvorstellung in Saarbrücken mitwirken und konnte mich schon bei einigen Vor-Ort-Terminen einbringen. Erst kürzlich haben wir uns das Gelände am Bostalsee angeschaut, wo sich der AUTODOC Servicepark befinden wird. Darüber hinaus nutze ich jede Gelegenheit, um die ADAC Rallye Deutschland zu vertreten – zum Beispiel bei der ,FIA Women In Motorsport Commission‘, der ich angehöre.“

Wie sieht Ihr Plan für die vier Rallye-Tage aus? Wo werden Sie anzutreffen sein?
„Meine Programmpunkte während der Rallye stehen noch nicht im Detail fest. Das konkretisiert sich in den nächsten Tagen und Wochen. Aber soviel ist sicher: Ich möchte mich an so vielen Stellen wie möglich einbringen. Hinter den Kulissen werde ich die Organisation unterstützen. Daneben möchte ich auch viel Zeit draußen an den Strecken verbringen – mit den Fans und den Medien sprechen und im Kontakt mit den Teams sein. Mir wird sicher nicht langweilig!“

Worauf freuen Sie sich am meisten?
„Auf das Gesamtpaket. Ich freue mich darauf, bei der ADAC Rallye Deutschland viele gute Bekannte aus dem internationalen Rallye- und Motorsport wiederzusehen – zum Beispiel Michèle Mouton, die auch vor Ort sein wird. Natürlich bin ich auch sehr gespannt auf die Rallye an sich: Der Start in St. Wendel mit der anschließenden ersten Wertungsprüfung wird sicher ein Highlight. Die Action in den Weinbergen, das Spektakel auf der Panzerplatte, das neue Finale am Sonntag – und dazu die vielen begeisterten Fans und die tolle Stimmung. Das wird ein großartiges Rallye-Fest!“

Als Dakar-Siegerin kennen Sie sich mit extremen Aufgaben aus. Was sind die größten Herausforderungen, denen sich die Teilnehmer beim deutschen WM-Lauf stellen müssen?
„Die Strecke der ADAC Rallye Deutschland ist sehr anspruchsvoll. Die größte Herausforderung ist es, sich auf den permanenten Wechsel einzustellen. Von Wertungsprüfung zu Wertungsprüfung – aber zum Teil auch innerhalb der gleichen WP – variieren die Anforderungen. Fahrbahnbeläge wechseln, das Tempo ändert sich. Mal zirkelt man durch schmale Weinbergwege, mal brettert man über breite Landstraßen. Und nirgendwo ist Platz für Fehler. Anders als auf der Rundstrecke kann man sich an die Bedingungen ja nicht Runde für Runde herantasten – hier muss alles auf Anhieb passen. Noch schwerer wird es, wenn auch das Wetter wechselhaft ist. Das hat schon bei so mancher ADAC Rallye Deutschland für Überraschungen gesorgt.“ 

Welche Fähigkeiten muss ein Rallye-Pilot haben, um den deutschen WM-Lauf zu gewinnen?
„Neben dem vielseitigen fahrerischen Können ist vor allem der Kopf gefragt. Der ständige Wechsel, wie er für die ADAC Rallye Deutschland typisch ist, fordert die mentalen Kräfte. Fahrer und Beifahrer müssen sehr gut eingespielt sein. Gerade lange Prüfungen wie die WP Panzerplatte oder auch die WP Grafschaft am Schlusstag sind ein Marathon für die Konzentration. Natürlich sind auch Team und Technik entscheidend – das Setup, die Reifen. Aber am Ende macht der Fahrer den Unterschied: Er muss Vertrauen in sich und sein Fahrzeug haben, um die richtige Balance aus Angriff und Vorsicht zu finden.“ 

Für die WRC-Stars ist die ADAC Rallye Deutschland die erste Asphalt-Rallye nach vier Stationen auf Schotter. Worauf gilt es bei der Umstellung zu achten?
„Natürlich hat jeder Pilot seine Vorlieben, aber den Top-Fahrern bereitet die Umstellung meist keine großen Probleme. Trotzdem ist die Vorbereitung akribisch: In der Regel testen die Top-Teams vor der ADAC Rallye Deutschland noch einmal auf Asphalt, um das beste Setup zu entwickeln. Auf Asphalt ändert sich das komplette Grip-Verhalten, man kann schneller durch die Kurven fahren und die generelle Fahrwerksabstimmung ist härter.“ 

Wie beurteilen Sie als ausgebildete Ingenieurin die Technik heutiger WRC-Boliden? Welche Fahrzeugkomponenten sind bei der ADAC Rallye Deutschland besonders gefordert?
„Zwar bin ich selbst noch kein World Rally Car der neuesten Generation gefahren, aber die Technik ist schon faszinierend. Das sind sehr effiziente Hochleistungsmaschinen, die nur bedingt vergleichbar sind mit meinen Wüsten-Boliden von damals. Ich denke, dass in Deutschland vor allem Reifen, Fahrwerk und Bremsen sehr gefordert sind. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, dass ich mir das bei der ADAC Rallye Deutschland noch genauer anschauen und mit den Technikern der Teams sprechen kann. Das wird super interessant für mich!“

Zum Abschluss noch Ihr Tipp: Wer gewinnt die ADAC Rallye Deutschland 2018?
„Ich freue mich für die Fans, dass die Weltmeisterschaft mit Neuville an der Spitze und Ogier in der Verfolgung gerade so spannend ist. Das ist großartig für den Rallye-Sport. Auf einen Favoriten für die ADAC Rallye Deutschland möchte ich mich gar nicht festlegen. Wir werden sehen, wie gut die Top-Fahrer in ihren Rhythmus kommen. Wer sich dann über die vier Tage hinweg als stärkster Pilot erweist, hat auch den Sieg verdient. Ich gönne es jedem!“