Donnerstag, 15. November 2018
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Interview
27.10.2018

5 Fragen an ... Philipp Leisen

Philipp Leisen ist 34 Jahre alt und kommt aus Irrel in der Eifel. Am vergangenen Wochenende holte sich Philipp Leisen zusammen mit seinen Teamkollegen Christopher Rink und Danny Brink den Gesamtsieg in der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring auf dem #490 BMW 325i vom Pixum Team Adrenalin Motorsport.

Philipp Leisen – VLN-Meister 2018! Was bedeutet dir dieser Titel?
Philipp Leisen: „Wirklich sehr viel! Wir haben als Team darauf hingearbeitet und alles dafür gegeben, egal ob es auf der Strecke noch mehr Risiko sein musste oder wenn man bei einem Boxenstopp wieder ein paar Sekunden schneller sein konnte als die Konkurrenz. Alle wollten besser sein und gewinnen. Einen großen Anteil daran hat auch unser Teamchef Matthias Unger, der keine Kosten und Mühen gescheut hat, dieses Jahr Platz 1 zu holen! Dazu kommt, dass der VLN-Titel extrem schwer zu holen ist. Wir haben fast 850 Fahrer hinter uns gelassen in der Endabrechnung. Bei jedem noch so kleinen Fehler ist sofort jemand da, der in der Tabelle an dir vorbeizieht.“

Ist dieser Meistertitel dein größter Erfolg in deiner Motorsport-Karriere? Wenn ja, warum?
„Auf dem Papier ist es definitiv der größte Titel, auf jeden Fall. Ich bin in vielen Rennserien an den Start gegangen, darunter die Lupo- und Polo-Markenpokale und auch der Seat Supercopa. Am Ende stand man vielleicht auf dem Treppchen, aber nie ganz oben. Damit ist jetzt Schluss! Außerdem laufe ich dem VLN-Titelgewinn jetzt seit 2010 hinterher, aber bei Platz zwei war bislang Feierabend. Damit ist das auch persönlich ein großer Erfolg und eine Bestätigung, dass sich die Hartnäckigkeit ausgezahlt hat.“

Bitte charakterisiere dich als Rennfahrer.
„Die stürmischen Zeiten sind vorbei. Früher war ich 100 Prozent auf Sprintrennen getrimmt, nach 30 Minuten war ich entweder vorne oder mit einem zerbeulten Auto abgeschlagen irgendwo im Feld. Zu Beginn meiner Langstrecken-Zeit auf der Nordschleife hat man das auch noch daran gemerkt, dass etwa Reifen und Bremsen stark leiden mussten, wenn ich ins Steuer griff. Mittlerweile ist es das genaue Gegenteil und ich versuche mich aus allen Scharmützeln rauszuhalten, mir die Reifen einzuteilen und konstant schnelle Zeiten abzuliefern, was auch ganz gut gelingt. Die Rennen dauern allesamt vier oder sechs Stunden und da hilft es nicht, wenn ich nach ein paar Kurven Erster bin, aber das Auto nicht mehr vernünftig geradeaus fährt. Wobei mir die damalige Zeit noch sehr hilft, ist im Zeittraining. Ich kann meinen Fahrstil komplett umstellen und für eine Runde maximale Attacke gehen, was sich auch in diesem Jahr mit der ein oder anderen Pole Position ausgezahlt hat.“

Was machst du, wenn du keine Rennen fährst?
„Ich verkaufe in einem Fachgeschäft für Elektrowerkzeuge und Eisenwaren alles für den Heim- und Profi-Handwerker. Die Firma habe ich vor rund fünf Jahren von meinem Vater übernommen, der aber auch immer noch mit von der Partie ist. In der Freizeit versuche ich mich mit ausreichend Sport fit zu halten, zumal die Zeit der Rookie-Wertungen etc. ja auch schon ein paar Jahre her ist.“

Was sind deine Pläne für die kommende Saison?
„Gute Frage, leider (noch) keine Antwort. Wir hatten in den letzten Wochen eine extreme Anspannung, da ist dieses Thema komplett untergegangen. Natürlich würde ich gerne weiter auf der Nordschleife fahren, weil es für mich einfach die geilste Strecke überhaupt ist und ich quasi um die Ecke wohne, was mir bzgl. der wenigen Zeit durch die Firma sehr entgegen kommt. Ich denke, wir werden uns jetzt bald zusammensetzen und dann erst mal die Entscheidung treffen müssen: greifen wir noch mal in Sachen Meisterschaft an oder nicht? Daran müssen wir uns orientieren, da nur die wenigsten Klassen genügend Starter vorweisen, die am Ende genügend Punkte im Kampf um die Meisterschaft hergeben.“


Dieses Interview führte: Susanne Roßbach