Montag, 19. November 2018
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GTC
12.09.2018

21. Bavarian 24h in Wackersdorf ein Rennen der Superlative

42 Teams mit weit über 200 Fahrern am Start zur 21. Auflage des Bavarian 24h erlebten am vergangenen Wochenende in Wackersdorf bei besten Witterungsbedingungen ein Rennen der Superlative. Alles, aber auch wirklich alles, was ein großes 24h Rennen ausmacht, wurde kompakt in diese 24 Stunden gepackt: wenig Pace-Kart-Phasen, große Dramen, glückliche Sieger und heroische Schrauberleistungen in der Box.

Schon früh stand fest, der „All-Time-Rundenrekord“ von 1.378 Rennrunden (Oberheiden Motorsport im Jahr 2016) konnte pulverisiert werden. Dass es am Ende gleich elf Teams schaffen sollten mehr Runden zu drehen, spricht für ein enorm schnelles Rennen. Da es in diesem Jahr kaum einem Team gelingen sollte ohne Probleme durch die Distanz zu kommen, verdeutlicht den Speed bei der Hatz zweimal rund um die Uhr.

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Springen wir doch gleich zur Halbzeit der 24h-Schlacht. Zwölf Stunden lang rieben sich die Beteiligten die Augen. Neben den arrivierten GTC- Top-Teams kämpften Mannschaften mit um die Spitze, die man dort nun wirklich nicht erwarten durfte. Allen voran die Schnitzelalm Mädels! Genau, dass Cup Team, in Wackersdorf verstärkt durch Charlotte Wilking, war gar nicht zu bremsen. P1 im Gesamtklassement nach zwölf Rennstunden! Auf P2 dann die Trophy Mannschaft von den Hausexperten(#50). Dann kam der MSC Oberflockenbach, der WGKC, die Schnitzelalm „Männer“ vor Oberheiden Motorsport, Honda Spirit und den MSC O Junioren. Alle mehr oder weniger in der gleichen Rennrunde. Auch Born4Racing und das Kollektiv Seidel Team hatten es sich in den Top-Ten gemütlich gemacht. Abstand zur Spitze? Lächerlich, alles im grünen Bereich

Dramen Teil1

Natürlich gab es bis zu diesem Zeitpunkt die ersten kleineren und größeren Dramen. ATW konnte den Speed nicht ganz mitgehen, die Cool Runnings vermeldeten mehrere Kinderkrankheiten am erst Freitag aufgebauten OTK-Rahmen, welches sie schon im letzten Jahr gebraucht von ATW gekauft hatten. Beim Tabellenzweiten lief es noch schlechter. Der KSF Bosch stolperte schon früh in die Defekt-Falle und kam da das ganze Rennen gar nicht mehr richtig raus. OSM musste abstellen (Rahmenbruch) genau wie LS Racing (91) mit Bremsproblemen. Christian Voß HTP Kart Team kam vor lauter kleineren Defekten gar nicht dazu, das Potential des Kart Republik Chassis aufzuzeigen und die Messebauer hatten durch Kupplungsschaden und Motorschaden uneinholbare 21 Runden Rückstand.

Die Zeit der Vorentscheidung bricht sehr oft in den frühen Morgenstunden an. Als ab 3:00 Uhr so langsam die Augen zu fielen und die Konzentration nachließ, bliesen die Top-Teams zur Attacke oder stolperten über Unfälle, technische Gebrechen oder Taktikfehler. Genau in dieser Zeit musste Honda Spirit den Motor wechseln, man vermutete einen Kupplungsschaden und holte sich noch frische Reifen. Aus der Traum vom Sieg? Dann ging es Schlag auf Schlag. Der am höchsten gehandelte Siegkandidat vom MSC Oberflockenbach (34) kam auf P2 liegend (20 Sekunden hinter der Schnitzelalm #11) in die Box. Ein Hinterachslager machte Probleme was schlussendlich zum Wechsel der gesamten Achse führte. Zwölf Minuten Standzeit, das war es dann wohl. Dabei hat man noch Glück den Schaden teilweise unter Gelb zu reparieren. Trotzdem waren sechs Runden beim Teufel. Die Schrauber konnten aber nicht verschnaufen, da das Schwesterkart (32) kurz darauf ebenfalls die Hinterachse nach einem Unfall wechseln musste.

Nach 15 Stunden erfreute sich nun die Schnitzelalm über eine Doppelführung, die #11 vor den Mädels #101 und dem WGKC, alle rundengleich. Die Hausexperten folgten mit eienr Runde Rückstand genau wie Oberheiden Motorsport. Bei Schnitzelalm Racing lief es bestens, bis die #11 während einer Pace-Kart Phase zu früh reinkam und dadurch eine Runde verlor. Es ging aber nicht anders, da sich die Lenkradhalterung verabschiedet hatte. In Summe waren es dann zwei bis drei Runden, die man verlor. Nach 18 Stunden lag nun Oberheiden Motorsport vorn, vor dem WGKC und dem Mädelteam. Ja, auch die Hausexperten (#50) mischten immer noch mit um den Sieg. Sie wurden, wie auch die Mädels, am höchsten auf den Sieg gehandelt, da man seit Beginn des Rennens Doppelturns mit einer Tankfüllung schaffte. Die #11 liegt zwei Runden zurück auf P5, muste sich aber schon umschauen, denn da kam die #34 wieder. Die gasten, mit neuer Hinterachse, mächtig an und profitierten auch von den neuen Reifen und, dass man die drei Stunden 190-Kilo-Turns schon gleich zu Beginn absolviert hatte. Der Rückstand zur Spitze betrug noch drei Runden. Talentfrei Racing, das Kollektiv Seidel, Honda Spirit und ATW komplettierten die Top-Ten.

Die Schlussphase – Dramen Teil II

Neben den bereits erwähnten OSM Motorsport und LS Racing mussten nun auch HTP-Kart Team, needracing.com, Kart1 aus Polen, LS Racing (#21) und auch Born4Racing abstellen. Die Hatz forderte ihre Opfer. Neben Rahmenbrüche waren Brems- und Hinterachsprobleme der Hauptgrund für eine bisher nie dagewesene Ausfallorgie. Kurz vor Schluss kam dann auch noch der KSF Bosch hinzu, während die Motorsportanlage wenigstens noch die letzte Runde in Schleichfahrt absolvieren konnte (Zahnloses Ritzel und malträtierte Kette).

Es ging aber noch weiter, denn plötzlich hörte man deutliche Schleifgeräusche auf der langen Start-Ziel-Gerade. Aber von welchem Kart? Es war die #50, die dort kämpftw, ihr OTK-Chassis zu einer halbwegs normalen geradeausfahrt zu bewegen. Der Versuch wurde schnell aufgegeben und die Box angesteuert. Rahmenbruch! Und das auf P3, rundengleich mit der Spitze! Wie bitter kann Rennsport denn noch sein, nachdem man beim 1.000km.Rennen einen vermeintlichen Sieg, durch Reifenschäden verloren hatte. Man reagierte aber schnell bei den Hausexperten und schweißte das Tony wieder zusammen. Es musste nur noch zwei Stunden halten. Diese Aktion brachte nun Talentfrei Racing die Trophy Führung (P6 gesamt) Leider nur für kurze Zeit. Bei der vorletzten Boxenanfahrt stopfte Sascha die #10 vehement in die Boxenmauer! Die Wall-of-Champions hatte ein neues Opfer gefunden, nachdem in früheren Jahren schon mehrere Top-Piloten dort strandeten. Spurstange und Achsschenkel waren dahin genau wie die Führung in der Trophy. Dieses „Doppel-Geschenk“ nahm das Kollektiv-Seidel Team dankend an. Die Illerrieder hätten es eventuell auch ohne Geschenke schaffen können, nun aber hatte man Ruhe und genug Luft nach hinten.

21. Rennstunde

Die Aufholjagd der #34 ging weiter. Mittlerweile war es nur noch eine Runde Rückstand auf die Spitze und P2, rundengleich mit den Mädels. Die Flookies hatten tatsächlich in sieben Stunden einen sechs Runden Rückschlag in einen 1,5 Minuten Hoffnungsschimmer verwandelt und hatten nun das schnellste Paket auf der Strecke. Das waren zwar nur 1-2 Zehntelsekunden aber immerhin, zumal das ganze noch nicht Boxenstopp bereinigt ist. Das passierte erst kurz nach der 22h-Marke. Oberheiden Motorsport blieb weiter vorn, die Floockies lagen aber nur acht Sekunden zurück. Der letzte Boxenstopp nahte und die #34 klebte nun an der Stoßstange der #4, ging vorbei und zog langsam davon und hatte knapp vier Sekunden Vorsprung, als ihr finaler Stopp anstand. Nur Fahrerwechsel, die Tankstelle wird links liegen gelassen!? Können die auch einen Doppelturn mit 7,5 Liter Benzin fahren? Wenig später dann Oberheiden in der Box und die gingen zum Sprit fassen. Nur 2-3 Liter, das muss reichen. Kurze Aufregung, da nicht sofort Sprit fließt und der Tankvorgang so auch noch 3-4 Sekunden länger dauerte und es ging weiter auf die Strecke. Durch das Tanken hatte man gegenüber den Floockies weitere 15 Sekunden an Boden verloren. Rückstand nun knapp 20 Sekunden, aber reichte der Sprit bei der #34? Die nahmen jedenfalls nicht den Speed raus, sondern waren sich sicher und gasten weiter an. Oberheiden Motorsport konnte nicht mehr zulegen zumal man auf den zweiten Satz frischer Reifen verzichtete und musste sich mit P2 zufriedengeben. Der MSC Oberflockenbach hatte das Unmögliche möglich gemacht, stand zwölf Minuten in der Box und gewann das 21. Bavarian 24h. Eine wirkliche meisterliche Leistung, die sich nicht mit einem überragenden Speed erklären lässt.

Die schnellste Rennrunde ging sensationell an die Schnitzelalm Mädels. Charlotte Wilking erhält die Sondertrophäe dafür. Die ersten Zehn bei den schnellsten Rennrunden lagen gerademal drei Zehntelsekunden auseinander mit dem MSC O auf P3. Die #34 hatte sich einfach nicht entmutigen lassen, bekam beim Hinterachswechsel frische Reifen und machte dann einen absolut fehlerfreien Job mit einem Fahrer-Lineup, bei dem keiner der Piloten schwächelte und die lästigen 190-kg-Stunden vor der Reparaturpause längst abgehakt waren. Es wurde der vierte Gesamtsieg vom MSC Oberflockenbach beim Bavarian 24h und es war wohl der schwerste, umso ausgelassener wurde dieser gefeiert.

Feiern durfte auch andere

Hinter den dem MSC O und Oberheiden, lieferte der WGKC mit P3 ein bärenstarkes Rennen ab. Bestes Bavarian 24h Resultat für die Stuttgarter bei ihrem 18. Start in Wackersdorf und bestes Saisonergebnis für die Mach1 Mannschaft. Hut ab. Hut ab, ach was, alles ab und ganz tiefe Verneigung für das Team auf Platz vier. Die Schnitzelalm Mädels. Alle Fahrerinnen kamen zum Einsatz, keine Verstärkung vom Männerteam als man sogar den Gesamtsieg vor Augen hatte, selbst die junge Corinna Hirsch durfte ihr GTC- und Langstreckendebüt in der #101 feiern und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Teamkollegen mit der #11 (P5) hatten sie fast immer im Griff und am Ende auch geschlagen. Was für eine Leistung.

Der Titelverteidiger von Honda Spirit musste sich in der 21. Auflage mit P6 zufriedengeben, nachdem man im späteren Verlauf des Rennens den Motor wieder zurückwechselte. Hier ging eindeutig zu viel daneben um den Pott zwei Mal in Folge zu entführen. Auf Platz sieben dann der Gewinner der ADAC Trophy, das Kollektiv Seidel Racing vor der Startnummer 99. Diese Jungs starten im Beba-Cup, fahren ihre erste GTC-Saison und heißen BIGBOYS. Ein großes Rennen lieferten sie mit einem Top-Ten Platz in Wackersdorf ab, kamen aber leider wegen des dramatischen Rennverlaufes hier ein wenig zu kurz. Trotzdem, Chapeau und Applaus für die stärkste Leistung eines Rookies beim Bavarian 24h. Platz neun ging dann an die Gewinner der Herzen. Jeder hätte es den sympathischen Hessen gegönnt. Die Hausexperten.de bringen ihre fliegende Schweißnaht tatsächlich noch ins Ziel und erreichen P2 in der Trophy. Ein schwacher Trost, wenn man den Gesamtsieg zum Greifen nahe hatte. ATW Racing belegte am Ende P10 und hoffte vergeblich auf Regen. Selbst ein Chassis-Wechsel am Freitag brachte nicht den erwarteten Speed und so gab man einfach das Beste und fightete. Mit der „nur“ 24. schnellsten Rennrunde (-0,8 Sek.) noch die Top-Ten zu entern, zeigt aber erneut die „Steher-Qualitäten“ von ATW Racing.

Wir wissen nicht wie und warum, aber immer wieder gelingt es den GTC-Teams einen aus den Hut zu zaubern und auch nach 21 Jahren für Resultate und Rennverläufe zu sorgen, die bisher noch nicht gab. Dabei dachte man schon, alles erlebt zu haben. Weit gefehlt, da freut man sich doch schon auf die 22. Auflage des Bavarian 24h in Wackersdorf 2019.