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Sportwagen Allgemein
09.04.2017

Zweites Podium für neuen Porsche 911 RSR

Beim Grand Prix von Long Beach holte der neue Porsche 911 RSR in seinem dritten Rennen in der IMSA SportsCar Championship seine zweite Podiumsplatzierung. Auf dem spektakulären Stadtkurs im Hafenviertel, wo nur einen Steinwurf von der Boxengasse entfernt der ausgemusterte Ozeanriese „Queen Mary“ vor Anker liegt, belegten Laurens Vanthoor (BE) und Kévin Estre (FR) am Samstag mit der Startnummer 912 den dritten Platz.

Im zweiten vom Porsche GT Team eingesetzten 510 PS starken 911 RSR kam Vorjahressieger Patrick Pilet (FR) zusammen mit Dirk Werner (Würzburg) als Sechster ins Ziel. Sie hatten zum Saisonauftakt bei den 24 Stunden von Daytona den zweiten Platz belegt.

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Das Rennen in der Postkartenkulisse mit Sonne, Meer und Palmen gilt nicht umsonst als amerikanisches Pendant zum Grand Prix von Monaco. Der 3,167 Kilometer lange, von Zäunen und Mauern gesäumte Stadtkurs verlangt den Fahrern trotz der kurzen Renndauer von nur 100 Minuten alles ab, und auf den Tribünen und Hochhausbalkonen drängen sich nicht nur interessierte Sportwagenfans, sondern auch zahlreiche Stars und Sternchen. Die Promidichte hat einen einfachen Grund – Hollywood liegt quasi gleich um die Ecke.

Das Rennen war so spektakulär wie die Kulisse. Gleich in der ersten Runde kam sich das Führungstrio der besonders hart umkämpften Klasse GTLM in die Quere – zum Vorteil von Laurens Vanthoor. Der von der vierten Startposition losgefahrene Belgier, als Gewinner des Grand Prix von Macau 2016 mit engen Stadtkursen bestens vertraut, übernahm die Führung. Bis zum ersten Boxenstopp nach fast 45 Minuten – so lange blieb kein anderes GTLM-Fahrzeug ohne Reifenwechsel auf der Strecke – verteidigte er die Spitze. Erst als er den 911 RSR schließlich an Kévin Estre übergab, ging diese Position verloren. Als Fünfter machte sich der Franzose auf die Verfolgung der Spitze. In den letzten Runden überschlugen sich dann die Ereignisse in dem von insgesamt fünf Safety-Car-Phasen immer wieder neutralisierten Rennen: Erst konnte Kévin Estre auf den vierten Platz vorfahren, dann behielt er in der Spitzkehre vor dem Ziel die Übersicht: Im Stop-and-Go-Verkehr überholte er in letzter Sekunde einen weiteren Konkurrenten. Damit war das zweite Porsche-Podium in der wichtigsten Sportwagenrennserie Nordamerikas sicher.

Im zweiten 911 RSR mit der Startnummer 911 mussten sich zwei Long-Beach-Sieger zunächst einmal hinten anstellen: Patrick Pilet (2016) und Dirk Werner (2015) konnten wegen eines Trainingsunfalls nicht am Qualifying teilnehmen und wurden deshalb ganz ans Ende des aus 35 Autos bestehenden Starterfeldes verbannt. Mit einer sehenswerten Aufholjagd verbesserte sich Patrick Pilet bis zu seinem ersten Boxenstopp auf den achten Platz, Dirk Werner machte in seinem Stint weitere vier Plätze gut und fuhr plötzlich sogar auf Podiumskurs. Doch eine Durchfahrtstrafe, die von den Sportkommissaren für einen Kontakt mit einem Konkurrenten verhängt wurde, setzte seinem Vorwärtsdrang ein plötzliches Ende.

In der Klasse GTD landete Park Place Motorsports mit Jörg Bergmeister (Langenfeld) im 911 GT3 R als bestes Porsche-Kundenteam auf dem vierten Platz. Sein Werksfahrerkollege Wolf Henzler (Nürtingen) kam im 911 GT3 R des Teams TRG als Fünfter ins Ziel. Porsche hat den über 500 PS starken Kundensportrenner, der beim 24-Stunden-Rennen in Daytona zum Saisonauftakt unter der Regie von Alegra Motorsports einen Klassensieg feierte, für die weltweiten GT3-Serien auf Basis des Seriensportwagens 911 GT3 RS konstruiert.

Der vierte Lauf der IMSA SportsCar Championship wird am 6. Mai auf dem Circuit of the Americas in Austin/Texas ausgetragen.


Stimmen zum Rennen

Dr. Frank-Steffen Walliser, Porsche Motorsportchef: „So ein Rennen muss man erst einmal verdauen. Das war turbulent und schwer zu überblicken. Mit dem dritten Platz am Ende ist es ganz gut für uns gelaufen. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass da mehr drin war. Durch eine gute Strategie und schnelle Boxenstopps haben wir vor allem unsere Nummer 911, die von ganz hinten starten musste, wieder nach vorne gebracht. Doch wegen der Durchfahrtstrafe hat es dann doch nicht für ein Podium gereicht. Kompliment an unser Kundenteam Park Place Motorsports, das sich trotz eines Drehers gleich in der ersten Runde bravourös nach vorne kämpfte und für die starke Aufholjagd mit dem vierten Platz belohnt wurde.“

Marco Ujhasi, Gesamtprojektleiter GT Werksmotorsport: „Das war ein verrücktes Rennen mit Höhen und Tiefen. Ein Rückschlag war am Freitag unsere im Training beschädigte Nummer 911. Doch das Team hat hervorragend gearbeitet und das Auto bis zum Start reparieren können. Das Rennen ging turbulent los. Wir konnten relativ früh die Führung übernehmen, was natürlich perfekt in unsere Strategie gepasst hat. Bei der nächsten Safety-Car-Phase haben wir die Strategie dann gesplittet, wie die meisten anderen Teams auch, und auch das hat gut gepasst. Was das Ergebnis betrifft, haben wir unter diesen Umständen sicherlich das Beste herausgeholt. Doch so eine Achterbahn der Gefühle braucht man nicht jedes Wochenende.“

Patrick Pilet (911 RSR #911): „Das war ein dramatisches Rennen mit vielen Zwischenfällen. Immer wieder musste das Safety Car auf die Strecke. Es gab jede Menge Kollisionen und Durchfahrtstrafen. Und dann verliert der Spitzenreiter das Rennen in der letzten Runde, weil einige Autos nicht um die Kurve kommen. Das ist schon verrückt.“

Dirk Werner (911 RSR #911): „Mit tollen Überholmanövern hat uns Patrick zurück ins Rennen gebracht. Wir hatten Glück mit den Gelbphasen und waren zur Mitte des Rennens schon wieder unter den ersten Vier. Doch dann kassierte ich eine Durchfahrtstrafe. Damit war der Kampf um ein Podium für uns vorbei. Schade für das Team, das in der Nacht so hart gearbeitet hat, um unseren 911 RSR zu reparieren. Die Jungs hätten auf jeden Fall ein besseres Ergebnis verdient gehabt.“

Kévin Estre (911 RSR #912): „Das war ein schwieriges Rennen. Eigentlich haben wir alles richtig gemacht mit unserer Strategie. Wir lagen in Führung, haben dann aber durch die vielen Safety-Car-Phasen Plätze verloren. In meiner ersten Runde bin ich im Heck ziemlich hart getroffen worden. Danach hatte ich hinten kaum noch Abtrieb. Aber ich habe gekämpft und wurde dafür in der kuriosen letzten Runde belohnt.“

Laurens Vanthoor (911 RSR #912): „Mit diesem Podium haben wir zum Schluss nicht mehr gerechnet. Doch das nehmen wir gerne mit. Meine Teamkollegen hatten mir viel über Long Beach erzählt. Dass es auf dieser Strecke aber so turbulent zugehen würde, hatte ich nicht erwartet.“