Donnerstag, 14. Dezember 2017
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Formelsport Allgemein
20.07.2017

World Series Formula V8: Für Rene Binder ist noch nichts verloren

Einen unerwarteten Rückschlag mussten Rene Binder und sein Team, Lotus 3.5, im Rahmen der World Series Formula V8 am Nürburgring hinnehmen. Der 25-jährige Tiroler kam in der Eifel, trotz vergangener Erfolge nicht über einen sechsten Platz hinaus und wird nun in den beiden Überseerennen in Mexiko und Austin einen „Turbo“ zünden müssen, um den Anschluss in der Meisterschaft nicht zu verlieren.

Nur zehn Punkte am Nürburgring für die Plätze sechs und neun. Eine ziemlich magere Ausbeute, wenn man bedenkt, dass du dort schon ein Formel-3-Rennen gewonnen hast.
Rene Binder: „Das war natürlich alles andere als ein perfektes Wochenende für uns, aber auf der anderen Seite haben wir jetzt einige Wochen Zeit, um die Dinge noch einmal genau zu analysieren und dann hoffentlich mit etwas mehr Glück in die letzten sechs Rennen zu gehen. Es gibt noch 150 Punkte zu vergeben und die 23 Punkte Rückstand auf den neuen Spitzenreiter sind auf jeden Fall noch aufholbar.“

Genauer gesagt geht es um die drei Events in Mexiko City, Austin und Bahrain à zwei Rennen. Wie schätzt du deine Ausgangslage ein?
Rene Binder: „Ganz einfach: Ich war zwei Monate lang der Gejagte und bin jetzt wieder einer der Jäger. Verloren ist in dieser Meisterschaft noch lange nichts, aber wir brauchen jetzt ganz einfach den Lauf, den wir in Monza und phasenweise in Spa hatten, um die Sache noch zu drehen. In den letzten drei Events lief bei mir so viel schief, dass es jetzt eigentlich nur mehr vorwärts gehen kann.“

Wenn du die erste Saisonhälfte noch einmal Revue passieren lässt, hättest du was anders gemacht?
Rene Binder: „Um ehrlich zu sein, nicht viel. Ich hatte einen mittelmäßigen Saisonstart, aber die Konstanz, die andere nicht hatten. Dadurch ist nach meinem Doppelsieg in Monza eine komfortable Führung entstanden. Dann ist aber leider der Faden gerissen. Da haben in Jerez ein paar Tausendstel im Qualifying gefehlt, die einen Riesenunterschied ausgemacht hätten. Ich bin sicher, ich hätte dort gewinnen können weil Pietro (Anm. Fittipaldi) und Roy Nissany einen extrem schlechten Start hatten. Warum mir in Aragon meine Bestzeit im Qualifying gestrichen wurde, weiß ich bis heute nicht. Dass es mit den Track Limits zu tun hatte, kann ich jedenfalls nur schwer akzeptieren, nachdem mir mehrere Leute versichert haben, dass meine Titelrivalen genau die gleiche Linie genommen haben als ich.“

Dass Fittipaldi während des Qualifyings einen streng verbotenen Probestart hingelegt hat, und zwar direkt auf der Strecke, kann für dein Vertrauen in die Sporthoheit übrigens auch nicht förderlich gewesen sein.
Rene Binder: „Dazu sage ich lieber nichts. Wir fahren beide für Lotus 3.5, daher ist mein Ingenieur nicht zur Rennleitung gerannt, aber wenn dort ein Charly Whiting dabei gewesen wäre, hätte er ganz sicher nur mehr den Kopf geschüttelt. Ich hab mich aber auf mich selbst konzentriert und gehofft, dass ich am Nürburgring das Blatt wenden kann. Leider war dieses Wochenende voll von Überraschungen, und zwar nicht von positiven…“

Nach Platz drei am Freitagnachmittag ging leider so gut wie alles daneben.
Rene Binder: „Vielleicht kommen die vergleichsweise niedrigen Asphalttemperaturen am Ring unserem Auto nicht entgegen, aber das allein soll keine Ausrede sein. Im Qualifying war ich mit nagelneuen Bremsen unterwegs und bin anfangs auf ein langsames Auto aufgelaufen. Noch bevor ich eine ordentliche Zeit fahren konnte, hat dann plötzlich der Regen eingesetzt. Das war schon ziemlich unglücklich. Im Rennen konnte ich zumindest mit Platz 6 noch Schadensbegrenzung betreiben. Das Sonntagsrennen ging dann durch ein Problem beim Boxenstopp komplett daneben. Mein Ingenieur hat in dieser Situation mit einem Safety Car gerechnet, aber es kam leider nicht.“

Der Effekt des „halben Heimrennens“ ist am Nürburgring also nicht wirklich zum Tragen gekommen.
Rene Binder: „Das stimmt, aber man sollte eigentlich gar nicht mehr darauf achten, welche Strecken einem liegen oder wo man sich besonders wohl fühlt. Das hat auf die Ergebnisse weit weniger Einfluss als die vielen anderen kleinen Dinge, die in unserem Sport, vom Qualifying, über den Start bis hin zum Boxenstopp, zusammenpassen müssen. Deshalb sehe ich andererseits auch kein großes Handicap darin, dass ich die nächsten beiden Rennstrecken in Mexico City und Austin noch nicht kenne. Rein vom Speed her macht das gar nicht den großen Unterschied.“

Du hast vor kurzem beim Österreich-GP am Red Bull Ring deinen F1 Test mit Renault bekannt gegeben. Wie große war die Resonanz aus deiner Sicht?
Rene Binder: „Die Resonanz allein ist nicht das wichtigste, aber es hat mich schon gefreut, dass viele Leute inzwischen Interesse an mir zeigen. Wir werden sehen, was in den nächsten Monaten passiert. Es gibt einige interessante Optionen und vieles, das momentan in Bewegung ist. Lassen wir uns überraschen.“