Freitag, 24. November 2017
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
Formel 1
04.11.2017

Drei Fragen an Toto Wolff

Der Kampf um die WM-Krone 2017 ist entschieden: Lewis Hamilton ist zum vierten Mal in seiner Karriere Formel 1-Weltmeister.

Die Silberpfeile haben jetzt vier Jahre in Folge sowohl die Konstrukteurs- als auch die Fahrer-Weltmeisterschaft gewonnen. Wie ordnest Du die einzelnen Erfolge ein? 
Toto Wolff: „Dieses Jahr war mit Sicherheit das härteste. Ferrari hat die Messlatte höher gelegt und dann mischte auch noch Red Bull vorne mit. Als Team fühlst du dich immer wohler, wenn du weißt, dass einer deiner beiden Fahrer die Weltmeisterschaft gewinnen wird. Natürlich war es nicht immer einfach, die teaminterne Rivalität im Zaum zu halten, aber es war bei weitem nicht so schwierig wie unsere Probleme in diesem Jahr. Ich bin sehr stolz auf unseren ersten Titelgewinn 2014, weil wir uns damals alle voll darauf konzentriert haben. Aber diese Weltmeisterschaft war die am härtesten umkämpfte von allen.“

Lewis ist in Mexiko zum vierten Mal in seiner Karriere Weltmeister geworden und steht jetzt auf einer Stufe mit Alain Prost und Sebastian Vettel. Ist Lewis im Moment in der Form seines Lebens? 
Toto Wolff: „Ich arbeite jetzt schon seit fünf Jahren mit ihm zusammen und habe ihn noch nie auf einem derart hohen Niveau erlebt. Seine Pace ist spektakulär. Er versteht die Reifen und die Limitierungen seines Autos, das manchmal nicht gerade einfach zu fahren ist. So eine konstante Leistung auf diesem Niveau habe ich noch nie zuvor erlebt. Wir haben uns nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi im vergangenen Jahr bei mir zuhause zusammengesetzt und ein langes Gespräch in meiner Küche geführt. Dabei haben wir den ganzen Frust und alle Fragen ausgeräumt, die sich mit der Zeit angehäuft hatten. Ich denke, das war eine Erleichterung für uns beide und von da an erreichte unsere Beziehung die nächste Stufe. Lewis ging in die Winterpause und kam mit einer großartigen Einstellung zurück. Im Verlauf des Jahres hat er sich dann immer weiter gesteigert und auch das Verhältnis zu Valtteri spielte eine sehr wichtige Rolle. Der Teamgeist innerhalb unserer Mannschaft ist fantastisch. Auch das war in diesem Jahr ein entscheidender Teil des Puzzles.“ 

Du hast den W08 in diesem Jahr hin und wieder als eine kleine „Diva“ bezeichnet. Dennoch hat das Team damit beide Weltmeisterschaften, die meisten Siege und die meisten Poles eingefahren. Wie geht es nun mit der „Diva“ weiter? 
Toto Wolff: „Wir möchten die Charakteristiken unserer „Diva“ behalten, die wir mögen, und jene loswerden, die uns das Leben erschwert haben. Viele Teams hatten in diesem Jahr Schwierigkeiten beim Verständnis der neuen Autos und Reifen. An manchen Tagen hat es funktioniert, an anderen wiederum nicht. Wenn wir uns die Qualifying- und Rennstatistiken ansehen, hatten wir das schnellste Auto mit dem schnellsten Fahrer. Aber es gab einige Schwankungen und wir hatten ein paar Rennen, bei denen wir zu kämpfen hatten. Wir verstehen relativ gut, woran das gelegen hat. Jetzt müssen wir eine Lösung finden, um das für das nächste Jahr zu verbessern und zu optimieren. Wir werden nichts unversucht lassen, um das zu erreichen.“