Freitag, 27. November 2020
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
Rallye WM
17.11.2016

VW setzt beim Finale für den Polo R WRC alles auf Sieg

Der Schlusspunkt einer erfolgreichen Ära im Rallye-Sport: Volkswagen startet mit dem Polo R WRC zum letzten Mal in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC). Bei der Rallye Australien, dem Saisonfinale vom 17. bis 20. November, lautet die Devise der Weltmeister von 2013, 2014, 2015 und 2016*: Meilenstein statt Melancholie. Allen voran Andreas Mikkelsen/Anders Jæger (NO/NO), aber auch Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (FR/FR) und Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FI/FI) setzen in „Down Under“ alles auf Sieg.
 
Die drei Fahrer/Beifahrer-Paarungen blicken gemeinsam auf 42 Siege in 51 Rallyes zurück – und mit bisher 621 Bestzeiten bei 935 Wertungsprüfungen standen Volkswagen Duos bei zwei von drei Gelegenheiten ganz oben in der Zeitenliste. 23 weitere Wertungsprüfungen und 312,98 Kilometer gegen die Uhr warten rund um Coffs Harbour auf die drei Polo R WRC, die zusammen bisher 47.873,44 Kilometer im Rallye-Tempo absolviert haben.
 
Macht’s noch einmal, Andreas und Anders – alles auf eine Karte im Kampf um Platz zwei
 
Der Vierkampf um Platz zwei in der Rallye-WM – und Andreas Mikkelsen und Anders Jæger sind mittendrin. Derzeit rangiert das Volkswagen Duo 14 Zähler hinter Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (BE/BE, Hyundai), drei Punkte vor Hayden Paddon/John Kennard (NZ/NZ, Hyundai) und zehn vor Dani Sordo/Marc Martí (ES/ES, Hyundai) auf der dritten Position des Gesamtklassements. Um am Ende den „Vize“-Titel zu feiern, muss mindestens ein Podestplatz her, am besten der Sieg. Dabei ist gerade in Australien auch die Startposition entscheidend. Sie ist für den Freitag und Samstag anhand der aktuellen WM-Wertung bestimmt – ein Nachteil für früh, ein Vorteil für spät startende World Rally Cars. Im bisherigen Saisonverlauf hat es nur ein Duo geschafft, eine Rallye auf losem Schotter von einer der ersten drei Startpositionen zu gewinnen: eben Mikkelsen und Jæger. 
 
Macht’s noch einmal, Seb und Julien – Wunder gab es immer wieder
 
Coffs Harbour, 13. September 2015, 13:49 Uhr und elf Sekunden – Sébastien Ogier und Julien Ingrassia überqueren als Sieger der Rallye Australien 2015 die Ziellinie und stehen damit als Weltmeister fest, auch Volkswagen ist der Titel in der Hersteller-Wertung nicht mehr zu nehmen. Die Größe dieses Moments grenzte anno 2015 aber auch an ein Rallye-Wunder: Die Rallye Australien gilt als eine der schlechtesten Adressen, um die Route zu eröffnen. Ogier und Ingrassia trotzten jedoch Physik und Vorhersage. 2016 sind die Regeln in Sachen Startpositionen zu ihren Ungunsten noch verschärft worden – ein weiteres Rallye-Sieg-Wunder wäre der 39. Triumph von Ogier/Ingrassia, der 32. mit Volkswagen, und damit große Motivation für die viermaligen Rallye-Weltmeister. 
 
Macht’s noch einmal, Jari-Matti und Miikka – gesucht: ein versöhnliches Ende der Saison
 
Von Glück war die Saison von Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila anno 2016 nicht geprägt, ihr Ziel in Down Under ist ein positiver, idealerweise siegreicher Abschluss des Rallye-Jahres. Zuletzt waren Latvala/Anttila bei der Rallye Mexiko unter ganz ähnlichen Voraussetzungen siegreich – auf ebenfalls pudrig-weichem, sandigem Schotter. Sie gehen von der sechsten Startposition ins Rennen und haben von den Volkswagen Piloten damit die besten Siegchancen.
 
Stroboskop im Regenwald, dazu Monster- und Mini-Prüfungen
 
Ob verwinkelt und eng oder weitläufig und flüssig: In Sachen Streckencharakteristik bietet die Rallye Australien ein breites Spektrum. Mal geht es in Höchstgeschwindigkeit über offenes Gelände, mal geht es durch verwundene und schmale Abschnitte, flankiert von unnachgiebigen Bäumen im australischen Regenwald am Rand der Strecke. Im Zusammenspiel sorgen sie mit der tief stehenden Sonne für eine schnelle Abfolge von Licht und Schatten – ein stroboskopischer Effekt, der durch den Streckenbelag noch verstärkt wird. Feinster, aufgewirbelter Sand beeinträchtigt die Sicht der Fahrer und fordert ein Höchstmaß an Konzentration. 
 
Mit „Nambucca“ wartet am Samstag eine der längsten Prüfungen der Saison auf Fahrer und Beifahrer. Exakt 50,80 Kilometer gilt es zu bewältigen. Nicht nur ihre enorme Länge, auch ihre Vielfalt an unterschiedlichen Straßenbelägen macht sie zu einer der größten Herausforderungen der gesamten Rallye. Wesentlich kürzer, aber nicht minder spektakulär: die insgesamt sechs Zuschauerprüfungen der Rallye Australien. Sowohl am Freitag als auch am Samstagvormittag steht die „Raceway“-Prüfung auf dem Programm. Die 1,37 Kilometer lange Rallycross-Strecke bietet viel Potenzial für eine spektakuläre Drift-Show. Dafür soll auch „Destination NSW“ sorgen. Die Zuschauerprüfung in Coffs Harbour bildet an den ersten beiden Tagen jeweils den Abschluss des Rallye-Tages. Den Schlusspunkt der Rallye Australien und damit auch der Rallye-Saison 2016 setzt, wie schon anno 2015, die Powerstage mit dem klangvollen Namen „Wedding Bells“.
 
* Vorbehaltlich der Bestätigung durch die FIA.