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GP2
24.07.2013

Rene Binder über seinen „halben Heim-Grand-Prix"

Als einziger Österreicher in der offiziellen Nachwuchsserie der Formel 1 wird Rene Binder am kommenden Wochenende mehr als sonst im Rampenlicht stehen, gilt doch der Große Preis von Ungarn als sein „halber Heim-Grand-Prix“. Was die Fans über den jungen Zillertaler, über die GP2 und über den Hungaroring wissen sollten, haben wir in 10 Antworten zusammengefasst.

Wie viele österreichische Fans erwartest du am Hungaroring?
Rene Binder: „Je mehr desto besser. Wir haben zwar momentan keine Formel 1-Fahrer am Start, aber zwei Teams und etliche Österreicher in Führungspositionen. Außerdem werden hoffentlich auch mir ein paar Fans die Daumen drücken. Einige Freunde und Mitarbeiter aus unserer Firma haben sich zumindest schon einmal angekündigt.“

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Gibt es für die Fans vor Ort eigentlich eine Möglichkeit, sich direkt bei dir eine Autogrammkarte zu holen oder ein Erinnerungsfotos zu machen?
Rene Binder: „Wir sind im GP2-Fahrerlager leider ziemlich abgeschirmt, deshalb haben wir für Samstagabend um 18:00 Uhr eine kleine Autogrammstunde am Zelt bei der Medienakkreditierung hinter der MOL Tankstelle geplant. Also etwa 50 Meter hinter dem Haupteingang.“

Was erwartet die Zuschauer, die die GP2 Serie erstmals live erleben werden?
Rene Binder: „Unsere Autos sind mit ihren 612 PS nur etwa vier Sekunden pro Runde langsamer als die Nachzügler der Formel 1, wobei unser Motorensound wegen der niedrigeren Drehzahlen eher an die alten Grand-Prix-Boliden erinnert. Entscheidend ist: Wir fahren alle mit identischen Autos gegeneinander und diejenigen, die in der GP2 ganz vorne sind, wird man ziemlich sicher auch einmal in der Formel 1 sehen.“

Wer hat momentan die besten Aufstiegschancen?
Rene Binder: „Schwer zu sagen. Felipe Nasr, Robin Frinjs und James Calado, der gerade bei den Young Driver Tests in Silverstone überzeugt hat, zählen derzeit wahrscheinlich zu den aussichtsreichsten Kandidaten.“

Was fehlt dir noch, um es mit solchen Kalibern aufnehmen zu können?
Rene Binder: „Wenn man ihren Erfahrungsvorsprung berücksichtigt, muss man mit meinen Fortschritten schon ziemlich zufrieden sein. Vor allem in Sachen Rennspeed und Reifen-Management. Aber auch im Qualifying war ich teilweise schon auf Augenhöhe. Die letzten zwei, drei Zehntel sind letztlich auch eine Frage der Erfahrung.“

Wie gut kennst du den Hungaroring?
Rene Binder: „Leider noch nicht gut genug. Ich habe dort vor vier Jahren einmal einen Formula Master getestet, das macht nicht wirklich einen Unterschied. Vorbereitet habe ich mich diesmal mit einem Onboard-Video von Lewis Hamilton und am Simulator in Bologna.“

Wie groß ist der Druck, den du vor diesem wichtigen Wochenende spürst?
Rene Binder: „Druck spüre ich gar keinen, ganz im Gegenteil: Ich werde wie immer ruhig an die Sache herangehen und versuchen, mein Team positiv zu motivieren, damit wir renntaktisch und bei den Boxenstopps wieder so fehlerlos arbeiten, wie wir das schon gezeigt haben. Trotz der Rückschläge von Silverstone und Nürburgring dürfen wir jetzt nur nicht verkrampft werden.“

Du warst in Deutschland immerhin Zehnter im Sonntagsrennen. Kann man da überhaupt von „Rückschlag“ reden?
Rene Binder: „Das ist ein guter Einwand, aber warum sollen wir uns mit unseren alten Zielsetzungen zufrieden geben, wenn wir längst zu mehr fähig sind? Wir haben schon in Sepang auf den siebten Startplatz gestanden, in Bahrain und Barcelona unverschuldet um Punkte gebracht worden, dann in Monte Carlo auf die Erfolgsstraße zurückgekommen. Dass wir uns jetzt selbst zweimal um Punkte gebracht haben, war natürlich absolut unnötig. Ich bin sicher, wir könnten unter normalen Umständen schon in den Top-Ten der Fahrerwertung liegen.“

Deine Lieblingsstrecke ist Spa. Wo würdest du den Hungaroring aus der Fahrerperspektive einreihen?
Rene Binder: „Der Kurs ist technisch sehr anspruchsvoll und hat wenig Grip, was vor allem in dem Geschlängel nach der langsamen Schikane eine Herausforderung sein wird. Von dem, was ich in Erinnerung habe, werden auch die Kurve zwei und der schnelle Linkskuppe am Berg Schlüsselstellen sein. Ich bin mal gespannt, was uns im freien Training erwartet.“

Pirelli hat für das Wochenende die Reifenmischungen „Medium“ und „Soft“ ausgewählt. Eine Kombination, die dir entgegenkommen wird?
Rene Binder: „Das glaubt zumindest mein Renningenieur, weil mein Fahrstil ziemlich reifenschonend ist. Wenn wir im Hauptrennen mit den ‚Soft‘ länger draußen bleiben können als andere, wäre das natürlich ein entscheidender Vorteil. Vorentscheidend ist am Hungaroring allerdings schon ein guter Startplatz.“