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Formel 1
25.06.2013

Prototypen für das Freie Training in England

Zum Großen Preis von England in Silverstone liefert Pirelli den Teams die P Zero Slicks in den Mischungen Orange (hart) und Weiß (medium). Silverstone ist nach Monza quasi das zweite Heimrennen der Saison für das italienische Unternehmen, dessen Motorsport- Logistikzentrum in Didcot kaum eine Stunde Fahrzeit von der Traditions-Rennstrecke entfernt liegt.

Neben diesen beiden Slickvarianten erhalten die Teams pro Auto für die beiden freien Trainings am Freitag jeweils zwei Sätze Prototypen derselben harten Mischung wie bereits beim Rennwochenende in Barcelona. Regenschauer sind in Silverstone keine Seltenheit, daher liefert Pirelli wie zu allen Grand Prix den Intermediate Cinturato Green (vier Sätze pro Auto) und den Regenreifen Cinturato Blue (drei Sätze pro Auto).

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Silverstone ist eine der ältesten und schnellsten Strecken im Rennkalender. Der Kurs hat durch die umfangreichen Umbauten der vergangenen Jahre enorm profitiert, gilt als abwechslungsreich und anspruchsvoll. Die extrem hohen Geschwindigkeiten und seitlichen Fliehkräfte in den Highspeed-Kurven leiten sehr viel Energie durch die Reifen, das wirkt sich unmittelbar auf den Abrieb und den Verschleiß aus. In der Vergangenheit gelang es den Teams auf dieser Strecke häufig, durch optimal angepasste Rennstrategien äußerst spannende Rennen und Zielankünfte zu erreichen.

„Silverstone ist mit der hohen Durchschnittsgeschwindigkeit und den fließend aneinander gereihten Kurven das Gegenteil zu dem Rennen in Kanada vor drei Wochen. Aber in England müssen die Reifen ebenfalls hart arbeiten, wenn auch aus anderen Gründen. Dehalb liefern wir hier die beiden härtesten Slickmischungen. Die Lauffläche wird mittels eines neuen Klebeprozesses mit dem Stahlgürtel verbunden, um Delaminierung zu verhindern. Darüber hinaus erhalten die Teams während der freien Trainings am Freitag denselben harten Testreifen, den sie schon in Spanien fuhren. Er ist noch haltbarer als der aktuelle Slick. Da die Fahrer den Prototypen auf unterschiedlichen Strecken fahren, erhalten wir so mehr Informationen. Ein weiterer wichtiger Faktor in Silverstone ist das berüchtigte, wechselhafte britische Wetter: es wäre keine große Überraschung, kämen auch der Intermediate Cinturato Green sowie der Regenreifen Cinturato Blue zum Einsatz. Daher ist es recht schwer, eine Prognose über die Anzahl der Boxenstopps während des Rennens abzugeben. Im vergangenen Jahr setzten die meisten bei trockenem Wetter auf eine Zwei-Stopp-Strategie. Doch in diesem Jahr sind die Mischungen weicher. Daher gehen wir, wenn es nicht regnet, von drei bis vier Stopps aus. Nach dem freien Training sollten wir eine bessere Vorhersage machen können. Schließlich, und am wichtigsten, möchten wir der Familie und den Freunden von Allan Simonsen nach dem schrecklichen Unfall in Le Mans am vergangenen Wochenende unser tief empfundenes Beileid aussprechen“, sagt Paul Hembery.

Jean Alesi: „In Silverstone muss man vor allem auf das Wetter achten. Da kann absolut alles passieren. Oft ist es sowohl trocken als auch nass. Die Fahrer müssen mit ihren Füssen denken. Für die Reifen ist es ein anspruchsvolles Rennen, nicht so sehr wegen der Traktion und des Bremsens. Aber der starke Abtrieb drückt das Auto durch die hohen Geschwindigkeiten auf den Asphalt. Dadurch entsteht in Silverstone der Abrieb. Der harte Slick und der Medium sind eine gute Wahl. Als Fahrer habe ich hier oft auf dem Podium gestanden und die Rennen immer genossen. Der jüngste Umbau mit der neuen Boxengasse ist sehr beeindruckend. Aber mir tut es leid, dass sie die Bridge Corner entfernt haben: das war eine fantastische Herausforderung. Auf jeden Fall ist Silverstone ein Kurs, bei dem es auf die Fahrer ankommt. Daher können wir uns auf ein gutes Rennen freuen, weniger Politik und einige interessante Strategien. Es ist immer schön, nach England zu kommen, denn die britischen Formel 1-Fans sind fachkundig und engagiert. In Großbritannien gibt es eine richtige Motorsport-Kultur, die – so denke ich – jeder zu schätzen weiß.“

Die Anforderungen der Strecke an die Reifen

Hohe Geschwindigkeiten und große seitliche Kräfte kennzeichnen Silverstone. Einige langsamere und technischere Passagen wurden in den vergangenen Jahren verändert. In diesen Bereichen ist die kombinierte Beschleunigung besonders wichtig. Sie entsteht, wenn der Fahrer am Ende einer Kurve gleichzeitig lenkt und Gas gibt. Hierbei ist die Performance der Reifen von hoher Bedeutung. Viele Passagen sind neu asphaltiert. Dadurch ist der Belag gleichmäßiger und glatter als in den Abschnitten mit älterem Belag. Rauer Asphalt erhöht den Grip, aber auch den Abrieb und den Verschleiß.

Nachdem es im vergangenen Jahr während des Qualifyings regnete, entschieden sich die Teams für unterschiedliche Rennstrategien. Denn die Piloten konnten sich aussuchen, mit welchen Reifen sie das Rennen begannen. Mark Webber (Red Bull) startete von Platz zwei auf den soften Slicks, fuhr danach zwei Stints mit den harten Reifen und gewann. Ferrari-Pilot Fernando Alonso fuhr von der Pole los, entschied sich für das genaue Gegenteil von Webbers Strategie und wurde Zweiter: zwei Stints auf den harten Slicks, danach einer auf den soften.

Technische Daten zu den Reifen

In Silverstone ist es besonders wichtig, dass die hohen Geschwindigkeiten konstant gehalten werden können. Die Energie, die beim Bremsen durch die Reifen fließt, ist extrem niedrig. Der Abtrieb ist durchschnittlich: ein Kompromiss zwischen hohem aerodynamischen Grip für die schnellen Kurven und der Möglichkeit, den Luftwiderstand auf den Geraden zu minimieren. Die Fliehkräfte, die in Silverstone auf die Reifen wirken, sind mit die höchsten der Saison. Sie erreichen in der Spitze 5G. Das bedeutet, die Lauffläche kann sich auf 110 Grad Celsius erhitzen.

Der Kurs ist nicht der Einfachste, wenn es ums Überholen geht. Für einen Erfolg müssen sich die Fahrer beim Qualifying möglichst weit vorne positionieren. Darüber hinaus kann die richtige Strategie helfen, Plätze gut zu machen. Der neue Abschnitt nach der Abbey Curve wurde 2011 eingeweiht. Er soll Überholmanöver ermöglichen.

Die bisherige Reifenwahl Formel 1 2013
P Zero RedP Zero YellowP Zero WhiteP Zero Orange
AustralienSupersoftMedium
MalaysiaMediumHart
ChinaSoftMedium
BahrainMediumHart
SpanienMediumHart
MonacoSupersoftSoft
KanadaSupersoftMedium
GroßbritannienMediumHart
DeutschlandSoftMedium
UngarnMediumHart
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