Mittwoch, 20. November 2019
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VLN
22.12.2012

Auf und ab für Kappeler Motorsport

Eine kuriose, ja schon fast verrückte Saison in der Langstreckenmeisterschaft Nürburgring, kurz VLN, liegt hinter Kappeler Motorsport. Angetreten, um mit zwei BMW M3 an das extrem gute Ergebnis von 2011 anzuknüpfen, beendete das Team die Saison auf einem Aston Martin.

Mit einem Neuankauf und einer Neuverpflichtung überraschte Kappeler Motorsport zu Beginn der Saison: Technikchef Thomas Müskens rüstete das Team mit einem weiteren BMW M3 aus, um in der Klasse SP5 der Konkurrenz weiter Druck zu machen. Gleichzeitig gelang es Teamchef Thomas Kappeler, den schnellen Mike Jäger für sein Team zu gewinnen.

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„Bewährte Technik, gepaart mit frischem Kampfgeist von Mike Jäger – das gesamte Team blickte mit hohen Erwartungen in Richtung Saisonstart“,  resümierte Thomas Kappeler nach dem letzten Rennen. Nach dem ersten Rennen war man gewiss, dass der Plan aufgehe: Platz eins und zwei in der Klasse für die beiden BMW M3 – ein Ergebnis, auf das man aufbauen kann! Doch schon im zweiten Rennen deutete sich an, dass nichts so grau ist wie alle Theorie. Während die BMW von Kappeler Motorsport noch das Training dominierten, mit mehr als respektablen Rundenzeiten glänzten und am Ende auf den Plätzen eins und zwei standen, fielen beide Autos binnen zwei Runden aus. In Führung liegend, mit viel Abstand auf die Verfolger.

„Das hätte uns eine Warnung sein müssen, statt dessen haben wir diesen Ausfall als normales Technikproblem abgelegt“, so Kappeler. Es sollte nicht besser werden im Laufe der Saison – im Gegenteil, das Team wurde fortan richtig hart gebeutelt. Ausfall um Ausfall folgte, stets warf die Technik dem erfolgsverwöhnten Team Knüppel zwischen die Beine. Auch Technikchef Thomas Müskens blickte nach dem Saisonende leidvoll geprüft zurück: „Jeweils im 14 Tages-Rhythmus haben wir die Motoren der BMW zerlegt, defekte Teile erneuert, zusammengebaut und ausprobiert. Dazu kommen die technischen Abnahmen der Rennkommissare und viele weitere administrative Auflagen. Alles in allem: viel Arbeit.

Und dann immer wieder die Ausfälle. Irgendwann verließen uns Lust, Mut und Zuversicht.“ Im vierten Rennen keimte wieder ein kleiner Funke Hoffnung: Im Training drehte der Kappeler-BMW die schnellste Runde, stand auf Platz eins und konnte im anschließenden Rennen den zweiten Platz einfahren. Schon ein Rennen später erwischte es das Team erneut. Kappeler und Müskens erinnern sich: „Noch während das Training zum fünften Rennen mussten wir den BMW mit Motorschaden abstellen. Schlagartig waren alle wieder auf dem absoluten Nullpunkt.“ An gleichem Tag trafen Teamchef Thomas Kappeler und Technikchef Tohmas Müskens eine Entscheidung: Das BMW-Projekt wurde sofort auf Eis gelegt.

Bis dahin startete Thomas Kappeler immer wieder beim Hamburger Racing Team (HRT) auf einem Aston Martin in der Klasse SP10. „Die Jungs brauchten jemanden, der hilft, den Wagen abzustimmen, fahrbar zu machen und technische Probleme zu beseitigen. Während ich in Training und Rennen wichtige Hinweise über Fahrverhalten, Motorcharakteristik und Aerodynamik lieferte, setzte Thomas Müskens die Eindrücke in Einstellungen um.

Langsam aber sicher kam der Aston Martin richtig in Schwung – und die Fahrer besser mit ihm zurecht.“ Nahezu zeitgleich trennten sich die Wege von Mike Jäger und dem Team Kappeler Motorsport. Jäger, angetreten, um mit dem BMW in der SP5-Spitze zu kämpfen, wechselte nach einer enttäuschenden ersten Saisonhälfte Team und Fahrzeug. „Wir alle konnten Mike verstehen, schließlich wollte er Erfolge feiern, was bei uns in diesem Jahr leider nicht möglich war. Wir hatten absolutes Verständnis für seine Entscheidung“, so Müskens und Kappeler zum Ende der Zusammenarbeit mit Jäger.

Mit dem englischen Boliden kommen Thomas Kappeler und Thomas Müskens immer besser zurecht. Beide beginnen das Auto zu verstehen und verhelfen ihm zu rennsporttauglichen Manieren. „Auch die Mechaniker der HRT-Truppe haben im Laufe der Zeit immer besser funktioniert. Das Team begann, richtig zusammenzuarbeiten, alle Fahrer wurden im Laufe der Saison konstant schneller. Ein erfreulicher Anfang“, beschreibt Kappeler die Situation zum Ende der Saison. „Die Konstellation“, erklärte Kappeler nach dem letzten Rennen, „mit HRT und Kappeler Motorsport ist ganz einfach: HRT stellt Auto, Mechaniker, Werkzeug, Ersatzteile, Equipment, Helfer und Fahrer. Wir liefern die restlichen Mechaniker, einen versierten Technikchef sowie mich und meine Erfahrung. Am Ende profitieren wir alle davon.“

Abschließend beschreibt Kappeler die Saison als extrem „lehrreich“: „Die erste Saisonhälfte hat uns gezeigt, dass man die Technik nie vollends beherrschen kann. Immer wieder können sich trotz akribischer Vorbereitung Fehler einschleichen. Wir waren dem Defektteufel zwar auf der Spur – aber er war uns am Ende immer einen Schritt voraus. Die Entscheidung, das gesamte Team bei HRT zu engagieren, war goldrichtig und hat uns wieder etwas Mut gemacht. Ich will nicht versäumen, mich bei allen Sponsoren und Unterstützern für ihr Engagement und Vertrauen zu bedanken. Gleichzeitig hoffe ich auf die gute Zusammenarbeit fürs kommende Jahr. Meinem Team, insbesondere Thomas Müskens danke ich für Geduld und Zuversicht. Nicht zuletzt auch dafür, dass sie trotz vieler Rückschläge ihren Humor nicht verloren haben. Ich freue mich auf ein weiteres Jahr im Motorsport mit dieser tollen Mannschaft. “