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24h Nürburgring
25.05.2012

Gestrahlt, gekämpft, geschraubt und doch verloren

„Es war der beste Audi TT-RS quattro, den ich jemals gefahren bin“, sagte Torsten Kratz, Porsche-Instrukteur und Fahrer bei Brandl Motorsport aus Walldürn. "Rudi Brandl und Timo Hämmerle haben einen Riesenjob gemacht, dass Auto nach den Rückschlägen in der VLN mit einer solchen Performance zum 24h-Rennen an den Start zu bringen."

Das das Team mit der FahrerpaarungTorsten Kratz (Mönchengladbach), Andreas Schettler (Baden-Baden), Christian Kranenberg (Schwäbisch-Gmünd) und Stefan Michels (Bleialf) nicht die Zielflagge sah, lag an einem der berühmten Centartikel, die manchmal über Sekt oder Selters entscheiden.

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19 Runden hatte das Fahrer-Quartett im Qualifying mit dem einzigen auf Serienbasis aufgebauten Audi TT-RS des gesamten Feldes abgespult. Ohne Probleme und richtig schnell. Und mit Allrad: Denn der Brandl-Audi war der einzige Quattro angetriebene TT-RS unter den 171 Fahrzeugen. Die vier reinrassigen Audi Kundensport-Werkswagen, die ebenfalls bei den Turbo-Specials bis 2500 ccm (SP4T) an den Start gingen, hatten noch die Nase vorn. Noch. „Unsere Chance ist die Distanz. Mit unserem Fahrzeug und unseren Piloten bin ich da sehr optimistisch“, sagte Teamchef Rudolf Brandl noch in der Startaufstellung.

Das erste Renndrittel verlief wie am Schnürchen: Seit dem Start um 16.00 Uhr nur Tanken, Scheiben putzen und Fahrer wechseln. Und nachdem die Werks-Audi TT ausnahmslose aus- oder zurückfielen, lag der Brandl-Audi bereits nach sieben Stunden auf dem zweiten Platz in der Klasse. Mit Tendenz Richtung P1, denn auch der führende Kundensport-Audi sollte ab Mitternacht für über zwei Stunden wegen Getriebewechsels parken.

Da parkte dann allerdings auch das dynamische Sport-Coupé im Retro-Rallye-Design. Andreas Schettler war am Steuer, als unerwartet der Motor im Bereich Eiskurve ausging und sich aufgrund geringer Bordspannung nicht mehr selbstständig starten ließ. „Mit einer Starthilfebatterie sprang er wieder an, aber um Mitternacht musste das Team erst einmal das Fahrzeug finden und erreichen“, erklärteBrandl. Rund eine Stunde kostete das Malheur, deren Ursache allerdings nicht lokalisiert werden konnte.

Aus der bis dahin herrschenden Ruhe wurde nun leichte Hektik. „Kommt der Fehler wieder?“, fragten sich alle im Team. Weiterer Zeitverlust addierte sich, nachdem Kranenberg mit einem Mini kollidierte und die Front beschädigte. Nach erfolgter Reparatur übernahm Stefan Michels, der dann allerdings im Schwalbenschwanz von der Strecke abkam und in die Leitplanken krachte. Der Audi TT-RS quattro musste zu einer umfangreichen Instandsetzung in die Box.

Fakt ist jedenfalls, dass nach 15,5 Stunden Renndauer Teamchef Rudi Brandl der weitere Einsatz des Audi TT-RS zu gefährlich war. „Ein gutes Ergebnis ist jetzt ohnehin nicht mehr möglich. Daher sollten wir in Ruhe in der heimischen Werkstatt den Fehler lokalisieren. Mein Dank gilt allen Teammitgliedern für den tollen Job und den unglaublichen Kampfgeist. Wir kommen wieder – denn mit den 24 Stunden haben wir noch eine Rechnung offen!“

Am 23. Juni startet Brandl Motorsport mit dem Audi TT-RS und dem Fahrertrio Kratz, Schettler und Kranenberg beim vierten Saisonrennen zur Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring.
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