Freitag, 3. Dezember 2021
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Rallye Allgemein
23.03.2011

Der Countdown läuft bei den Wikingern

Nur noch wenige Tage, man könnte auch die Stunden zählen, bis zum Start der ADAC Wikinger Rallye (24. - 26. März 2011). Erstmals drehen sich die Rallyeräder am Donnerstag ab 18.00 Uhr beim Shakedown, einem letzten Test unter Wettbewerbsbedingungen. Die Organisatoren des Deutsch-Dänischen Rallyefestes mit Rekordbeteiligung stehen in den Startlöchern.

Über 400 freiwillige Helfer sind eingeteilt, geschult und bestens auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereitet. Hunderte von Anwohner an den Wertungsprüfungen sind über Straßensperrungen, Ausweichmöglichkeiten und Notfallplanungen informiert. Die 99 Teams aus 4 Nationen treffen in ihren Werkstätten die letzten Vorbereitungen an ihren Sportgeräten – oft wird bis zur letzten Sekunde geschraubt. In Süderbrarup und der weiteren Umgebung gibt es schon lange kein freies Bett mehr, die Gastronomie ist gerüstet auf den Ansturm hungriger Teams und tausender Fans.

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„Jetzt wird es langsam Zeit, dass es losgeht“, fasst Rallyeleiter Jürgen Krabbenhöft (Neuberend) die ‚kribbelnde’ Stimmung in der Veranstaltergemeinschaft der Motorsportfreunde Idstedt und des AC Schleswig zusammen. „Fast ein Jahr lang haben wir uns auf dieses Wochenende vorbereitet. Wir haben ein tolles Starterfeld und wenn die Wetterprognosen stimmen, gibt es nach dem sintflutartigen Regen im vergangenen Jahr diesmal eine kalte, aber sonnige ‚Wikinger’.“

Da stellt sich eigentlich nur noch die sportliche Frage: Wer gewinnt die ADAC Wikinger Rallye 2011? Wer hier auf den richtigen Kandidaten setzt, der hat Sachverstand - jede Wette. Selten war es bei einer Veranstaltung so schwierig, selten das Niveau der Top-Piloten so ausgeglichen, selten gab es durch komplett neue Strecken für alle die gleiche Ausgangslage, selten bekundeten die Fahrer so viel Respekt vor der Herausforderung einer Veranstaltung, selten gab es so viele Unbekannte in der Kalkulation.

Die Eins steht fest: Der Stuttgarter Sandro Wallenwein geht im Subaru Impreza mit der Nummer 1 ins Rennen. Nach drei deutschen Vize-Titeln in Folge soll nun die Meisterschaft her – da wäre der Sieg bei den Wikingern eine gute Ausgangslage. Was macht Felix Herbold? Der ADAC-Youngster feierte Ende 2010 seine Premiere im Ford Fiesta Super 2000 und das gleich mit einem Sieg. Vor der Wiederholung dieses Erfolges im Herzen Angelns stehen ihm mit Brian Madsen, Christian Jensen und Ib Kragh gleich drei schnelle Dänen in ihren Peugeot 207 Super 2000 entgegen. Es soll trocken bleiben, dann wären die anspruchsvollen
Asphalt-Prüfungen ein ideales ‚Jagdrevier’ für die vier bärenstarken Porsche 911 GT3. „Es wird langsam Zeit“, fiebert der Thüringer Olaf Dobberkau dem Start entgegen, ihm gelang 2009 nach 25 Jahren erstmals wieder ein Porsche Sieg in der DRM. Der Sachse Ruben Zeltner hat nach seiner Wikinger-Premiere im vergangenen Jahr eine klare Beschreibung von den Aufgaben, die aufgrund der vielen Kurven und Kuppen auf den Co-Piloten warten; „der Beifahrer muss hier um sein Leben lesen …“

Für die spannendsten Fragezeichen sorgt ein Neueinsteiger: Timo Bernhard hat Gesamtsiege bei den vier bedeutendsten Langstreckenrennen der Welt errungen: Le Mans, Daytona, Sebring, Nürburgring (gleich viermal in Folge). Der Porsche-Werksfahrer und ADAC Motorsportler des Jahres 2010 ist in seiner Freizeit ein begeisterter Rallye-Pilot, der heuer im Porsche 911 GT3 in die höchste deutsche Rallye-Liga einsteigt: „Ich bin ein Rallye-Amateur, der nicht das letzte Risiko sucht. Mir geht es um tollen Sport, den ich gemeinsam mit meinen Freunden, der Familie und mit einem faszinierenden Auto betreiben will. Andererseits bin ich natürlich Leistungssportler. Und das wäre ich nicht ohne eine anständige Portion Ehrgeiz in mir. Schauen wir einfach mal, was bei meinen
Wochenendausflügen in den Grenzbereich herauskommt.“

Die Namen der weiteren Top-Piloten aufzuzählen würde bedeuten, die erste Seite der Nennungsliste abzuschreiben. Denn der vierfache Deutsche Rallye-Meister Hermann Gaßner zählt im Mitsubishi Lancer ebenso zu den Podiumsanwärtern wie sein sächsischer Markenkollege Peter Corazza, der bei den Wikingern 2009 ganz oben auf dem Podest stand. Fahrer wie der Hamburger Jan Becker im bärenstarken Subaru Impreza WRX oder Georg Berlandy, der sich im BMW M3 am Wochenende mit einem Gesamtsieg in Kempenich auf seine DRM-Premiere einstimmte sind durchaus in der Lage, ebenfalls ganz weit nach vorne zu fahren.