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Porsche Carrera Cup
16.10.2010

Gaststarter René Rast holt Pole-Position in Trainingskrimi

Wenn das Abschlusstraining einen Vorgeschmack aufs Rennen liefert, dann verspricht das Finale des Carrera Cup Deutschland eine hoch spannende Angelegenheit zu werden. In einem Regen-Qualifying mit wechselnden Fahrern an der Spitze setzte sich bei abtrocknender Strecke schließlich kurz vor Schluss Gaststarter René Rast (Steyerberg) durch. Der ehemalige Carrera-Cup-Meister und amtierende Champion des internationalen Porsche-Mobil1-Supercup holte die Pole-Position im Porsche 911 GT3 Cup des Teams Farnbacher Racing PZN mit einer Bestzeit von 1.43,362 Minuten.

Mit dem zweiten Startplatz wahrt der Zweite der Gesamtwertung, Nick Tandy (Konrad Motorsport), seine Chance auf den Gewinn der Meisterschaft. Aber auch Tabellenführer Nicolas Armindo (Hermes Attempto Racing) sicherte sich als Fünfter eine gute Startposition fürs Titelrennen. Nach drei Saisonsiegen hat der Franzose vor dem neunten und letzten Lauf einen Vorsprung von fünf Punkten auf den Briten. Tandy fuhr zwar fünf Mal in diesem Jahr als Erster ins Ziel, musste aber auch zwei schlechte Ergebnisse hinnehmen. Gewinnt Tandy den 22-Runden-Sprint, reicht Armindo ein dritter Platz zum Titelgewinn.

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Das Zünglein an der Waage könnten aber ausgerechnet beim ohnehin spannenden Finale die Gaststarter spielen, denn diese bekommen keine Zähler gutgeschrieben. Und hinter Tandy hat sich mit Jan Seyffarth (Querfurt, SMS Seyffarth Motorsport) ein weiterer Gast für den dritten Startplatz qualifiziert. Der ehemalige Porsche-Junior und Vizemeister des Carrera Cup 2008 ist wie Rast in diesem Jahr im Supercup an den Start gegangen. Brisanz verspricht außerdem die Tatsache, dass René Rast und Nick Tandy im Porsche-Mobil1-Supercup Kontrahenten um den Titel waren. Dort gewann der routinierte Rast, während Neueinsteiger Tandy mit der Vizemeisterschaft vorlieb nehmen musste.

Mit Startplatz vier bestätigte Sean Edwards erneut seine gute Saisonform. Nur in sieben von neun Rennen überhaupt am Start, liegt der Brite vom Team Deutsche Post by tolimit vor dem Finale auf dem guten fünften Platz der Gesamtwertung. Hinter ihm startet aus der dritten Reihe Tabellenführer Nicolas Armindo vor Christian Engelhart. Der Köschinger vom MRS Team PZ Aschaffenburg schaffte zwar in sieben Qualifyings den Sprung unter die besten Zehn, brachte aber als Top-Ergebnisse nur zwei vierte und einen fünften Rang ins Ziel. Er ist daher nur Neunter der Gesamtwertung. Für den ehemaligen Porsche-Junior Martin Ragginger (Schnabl Engineering) ist der siebte Startplatz fürs Finalrennen eine Enttäuschung, denn in den freien Trainingssitzungen gestern war der Österreicher im Trockenen jeweils der Schnellste der 26 Starter.

Als 18. geht der jüngste Fahrer im Feld ins letzte Saisonrennen. Nachwuchspilot Ferdinand Stuck (München, Farnbacher Racing PZN), der als „Porsche Motorsport Talent“ gefördert wird, zollte damit seiner Unerfahrenheit mit dem 450-PS-Porsche auf nasser und extrem rutschiger Strecke Tribut. Das betraf auch einen weiteren Gaststarter. Der britische Journalist Chris Harris holte bei seiner Premiere im Carrera Cup Deutschland Startplatz 24. Anfangs im Nassen noch auf Platz 15 geführt, konnte er bei abtrocknender Strecke nicht mehr nachlegen, weil er mit dem schwarzen VIP-Porsche aus Weissach ins Kiesbett gerutscht war. Harris gehörte im Mai zum jenem Fahrertrio, das beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im serienmäßigen 911 GT3 RS den sensationellen 13. Gesamtrang feierte.

René Rast (Startplatz eins): „Das Qualifying war durchweg positiv für mich. Wir haben ein bisschen gewartet, bis die Strecke trockener wurde. Mit dem ersten Reifensatz war ich Dritter, mit dem zweiten habe ich eine totale Chaosrunde hingelegt, aber siehe da: Es hat für die Pole-Position gereicht. Ich rechne eigentlich mit einem ruhigen Rennen, denn für Nick auf Startplatz zwei geht es um die Meisterschaft. Und ich nehme ihm als Gaststarter ja keine Punkte weg.“

Nick Tandy (Startplatz zwei): „Perfekter Start ins Wochenende, denn ich stehe in der Startaufstellung vor Nicolas Armindo. Es war echt schwierig, auf der rutschigen Strecke eine gute Runde hinzukriegen. René hat den besten Job gemacht, mir ist der zweitbeste geglückt. Damit bin ich zufrieden.“

Jan Seyffarth (Startplatz drei): „Ich habe das Beste aus der Situation gemacht. Als Gaststarter den dritten Startplatz zu holen, ist ja nicht übel. Eine bessere Platzierung habe ich im Motodrom weggeworfen, denn dort hätte ich mit einem gewaltigen Quersteher locker die Drift-Challenge gewinnen können. Aus dem Kampf um die Meisterschaft werde ich mich tunlichst raushalten. Es ist nur fair, dass Nicolas und Nick das unter sich ausmachen.“