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Polo Cup
15.05.2026

TV-Moderator Kaess: „Hier kommt es wirklich nur auf den Fahrer an“

Beim spektakulären Saisonauftakt des Polo Cup Germany in Oschersleben sorgte ein prominenter Gaststarter für Aufsehen: Der aus TV und YouTube bekannte Autotuner und Content Creator Philipp Kaess tauschte sein gewohntes Dragrace-Umfeld gegen die Rundstrecke. Im BDF Experts Media Car der Rennserie feierte er seine Premiere im professionellen Lizenz-Motorsport und zeigte sich vom hohen Niveau des Championats beeindruckt.

Das Rennwochenende in der Magdeburger Börde glich für Kaess einer echten Feuertaufe. Ohne vorherige Testfahrten musste sich der Tuning-Experte an das Cup-Fahrzeug mit Frontantrieb und Slicks gewöhnen. Im ersten Rennen zeigte er eine sehr überlegte Leistung: Von Startplatz neun ins Rennen gegangen, vermied er in der hart umkämpften Startphase unnötiges Risiko und brachte das Auto nach intensiven Zweikämpfen auf einem soliden 13. Platz ins Ziel.

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Am zweiten Tag forderte das anspruchsvolle Reifenmanagement der Serie seinen Tribut. Da im Polo Cup Germany keine Heizdecken erlaubt sind, war die Temperatur der Hinterreifen von entscheidender Bedeutung. Am kühlen Sonntagmorgen fehlte Kaess zunächst der nötige Grip, was in Startplatz 18 mündete. Im anschließenden Rennen bewies Kaess jedoch großen Kampfgeist und überquerte die Ziellinie im zweiten Lauf auf Platz 15.

Am Ende des Wochenendes zeigte sich Kaess restlos begeistert von der extremen Leistungsdichte, dem taktischen Anspruch und der absoluten Chancengleichheit durch das identische Fahrzeugmaterial.

Mit dem Einsatz von Philipp Kaess rückt der Polo Cup Germany sein besonderes Gaststarter Projekt in den Fokus. Das BDF Experts Media Car ist ein fest in die Serie eingeschriebenes VIP-Fahrzeug, das handverlesenen Gaststartern aus den Bereichen Journalismus, TV und Social Media die exklusive Möglichkeit bietet, die Faszination des Cup-Rennsports hautnah aus der Cockpit-Perspektive zu erleben.

Ziel des BDF Experts Media Car ist es, die packende Rennaction und das professionelle Umfeld der Nachwuchs und Breitensportserie über reichweitenstarke Kommunikatoren direkt an die Motorsport-Fans weiterzugeben. Wie Philipp Kaess sein erstes Wochenende im BDF Experts Media Car erlebt hat, verrät er im ausführlichen Interview zwischen den breiden Rennen.
Philipp, du bist vielen als leidenschaftlicher Autotuner bekannt – aber wie hat das alles eigentlich angefangen?
„Ich komme ursprünglich aus der Hardcore Tuning Szene. Alles, was schneller macht – das haben wir gerne an Autos modifiziert, um sie dann auf dem Flugplatz geradeaus zu bewegen. Klassischer Dragrace Sport: maximale Leistung, zwei Leute, alles kaputt und von vorne anfangen. Das war mein frühes Hobby – und irgendwann wurde daraus ein Beruf. Ich habe mich während meines Ingenieur-Studiums selbstständig gemacht und mit Auto- und Motorrad-Tuningteilen gehandelt. Mein erstes richtiges Auto war übrigens ein Golf 1 GTI, den ich im Alter von 16 Jahren gekauft habe, lange bevor ich überhaupt fahren durfte, nur um ihn gleich umzubauen. Bin also seit den ersten Tagen großer VW-Fan. Dass ich jetzt hier im Polo Cup die Marke VW repräsentieren darf, macht mich sehr glücklich.”
Und wie hat dich der Weg vom Dragrace zur Rundstrecke geführt?
„Das hat sich die letzten fünf Jahre so entwickelt. Ich bin immer mehr Rennstrecke gefahren – der erste Anstoß kam damals über den Bilster Berg. Dann habe ich angefangen, den alten Fiat Abarth meiner Frau als Track Tool umzubauen. Und seitdem macht mir das einfach immer mehr Spaß.”
Wie viel Rennsport Erfahrung bringst du mit hierher nach Oschersleben?
„Gleich null. Ich habe im letzten Jahr meine Lizenz gemacht, und das hier ist tatsächlich meine allererste offizielle Lizenzveranstaltung. Im Dragrace Sport gibt es zwar auch professionelle Events – in Deutschland die Nitro Olympics – aber das Ganze ist deutlich informeller. Man baut die Autos selbst zusammen und testet auf irgendwelchen Flugplätzen. Diese Welt hier ist eine ganz andere.”
Wie kam der Kontakt zum Polo Cup Germany zustande?
„Orga-Chef Thorsten ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich Lust hätte, an dem Event als Fahrer teilzunehmen. Sein erster Satz war dann auch: 'Hast du eigentlich eine Lizenz?' Das Ganze stand übrigens erst gut zwei Wochen vor dem Rennen fest. Während die anderen Fahrer schon mehrere Testtage mit dem Auto absolvieren konnten, bin ich ohne jede Vorbereitungsrunde direkt ins kalte Wasser gesprungen.”
Wie ist dein erster Eindruck vom Polo Cup?
„Ehrlich gesagt noch mal viel besser, als ich erwartet hatte. Dieser Moment beim Start, wenn du mit 20 identischen Autos die Start Ziel Gerade hinunterbraust – das ist einfach was anderes. Weil es wirklich nur auf den Fahrer ankommt. Keine Ausrede „mein Auto kann das besser“, keine unterschiedlichen Fahrzeuge. Alle haben den gleichen Reifen, die gleichen Teile. Was ich dabei extrem unterschätzt habe: das Reifenmanagement. Beim Trackday fährst du los, wärmst den Reifen auf, schaust ihn an – fertig. Hier hast du 20 Minuten Qualifying, keine Heizdecken erlaubt. Du musst schon am Vorabend wissen, welchen Reifen du wie einsetzen willst, welchen Kaltluftdruck du brauchst, um genau in diesem einen Moment eine saubere, perfekte, möglichst optimale Runde hinzulegen. Da steckt deutlich mehr Taktik dahinter, als ich gedacht hätte.”
Wie verhält sich der Polo GTI Cup für jemanden, der eigentlich starke, hochgezüchtete Autos gewohnt ist?
„Wenn du damit fährst, denkst du, du hebst gleich ab. Gefühlt ist es viel schneller, als es die Uhr zeigt. Die Herausforderung liegt in dieser Kombination aus Frontantrieb, Verbundlenkerachse und kalten Slicks – das macht das Auto bei diesen tiefen Außentemperaturen hier wirklich schwer zu fahren. Wenn du ihm noch nicht vertraust, dreht es sich. Der Lenkeinschlag ist begrenzt, du kannst kaum gegensteuern. Du musst dir dieses Vertrauen Meter für Meter erarbeiten. Aber wenn das Auto dann warm ist und du dieses Vertrauen gefunden hast, läuft es wirklich schön – fast schon leichtfüßig, wie es um die Kurven gleitet.”
Klingt anspruchsvoll – macht es trotzdem Spaß?
„Den größten Spaß macht der Wettbewerb. Wo hat man heute noch echte Chancengleichheit? Im Kartsport. Sonst kaum irgendwo. Entweder ist eine Serie unbezahlbar, oder man muss ständig neue Reifen fahren, um vorne mitzuhalten. Hier hast du kaum Verschleiß, und sobald die Reifen auf Temperatur sind – heute Morgen hatten wir drei, vier Grad Außentemperatur in Oschersleben, nicht gerade ideal – steigt der Fun Faktor ins Unendliche. Wenn auf der Geraden 20 Autos im Abstand von ein, zwei Metern hintereinander fahren, das ist einfach ein tolles Gefühl.”
Im ersten Rennen bist du gestern als P13 von 19 Gestarteten ins Ziel gekommen. Wie bewertest du das selbst?
„Ich war im Qualifying auf P9 und für mein erstes Rennen war das Ziel ganz klar: ins Ziel kommen. Ich bin entsprechend zurückhaltend in die erste Kurve gegangen. Die anderen sind deutlich härter rangegangen, ich wurde auf 12, 13, 14 durchgereicht und bin dann da einfach das Rennen zu Ende gefahren. Was mich beeindruckt: Die ersten Zehn nehmen sich wirklich fast nichts. Die kennen sich, wissen genau, wer welche Tricks hat, viele kommen aus dem Kartsport oder haben familiären Motorsport Background. Da steckt jahrelange Erfahrung drin, besonders im Reifenmanagement. Ein Rennen ist eben kein Sprint auf eine Runde, sondern Strategie über die gesamte Distanz.”
Heute startest du von P18. Was ist passiert?
„Eine echte Nullnummer aus eigenem Verschulden. Ich habe über Nacht die Hinterreifen geschält – das alte aufgefahrene Gummi runtergeholt – und heute Morgen fuhr das Auto wie auf Schmierseife. Entweder habe ich dabei einen Fehler gemacht, oder die Reifen waren einfach noch nicht richtig angefahren. Ich brauchte fünf, sechs, sieben Runden, bis sie wieder richtig gegriffen haben – dann kam die gelbe Flagge, dann die rote, und am Ende keine vernünftige Runde. Und selbst wenn das nicht passiert wäre: Alle anderen haben sich von gestern auf heute nochmal verbessert. Das zeigt, wie entscheidend Erfahrung und Routine in dieser Serie sind. Ohne Vertrauen ins Auto kriegst du die Reifen nicht warm und ohne warme Reifen kriegst du das Vertrauen nicht. Ein Kreislauf, den du nur durch Test-Kilometer lösen kannst.”
Wie wirst du im Fahrerlager aufgenommen – als Quereinsteiger aus der Tuning Welt?
„Die werden mir heute mit Sicherheit einen einschenken, und das zu 100 Prozent zu Recht, die machen das ihr Leben lang. Aber die Atmosphäre ist wirklich offen und freundlich. Gestern Abend habe ich meine Reifen geschält, und wirklich jeder, der vorbeikam, hat angehalten und wollte schauen. Die konnten es kaum glauben, dass ich da sitze und Gummi runterhole. Was mich außerdem überrascht hat: Beim Auftakt sind direkt Fahrer aus Südafrika, der Schweiz und Österreich dabei. Das ist schon jetzt ein breites internationales Spektrum.”
Hast du im Polo Cup Blut geleckt? Sehen wir dich öfter im Rennauto?
„Definitiv nicht das letzte Mal. Mir macht das einfach saumäßig Spaß – auch weil ich ein totaler Analytiker bin. Wenn du kaum etwas am Auto verändern kannst, werden die Dinge, die du verändern darfst, umso wichtiger: Luftdrücke, Reifenbilder, Setup. Das fasziniert mich. Mein nächstes konkretes Ziel ist, über weitere Veranstaltungen von der nationalen auf die internationale A-Lizenz zu kommen und dann irgendwann eine Nordschleife-Permit. Wer weiß, vielleicht fährt der Polo Cup da ja auch noch.”
Und abseits des Motorsports – was sind deine nächsten großen Projekte?
„Meine Autos und das hört bestimmt nie auf. Da sind immer Projekte, egal ob für die Rundstrecke oder meine neue RS Limo, mit der ich geradeaus vielleicht noch den ein oder anderen Rekord angreifen will. Und nächstes Jahr möchte ich auf jeden Fall noch die ein oder andere Rennveranstaltung mitnehmen. Dieses Jahr ist sowieso schneller rum, als man glaubt.”
Philipp, vielen Dank für das Gespräch – und viel Erfolg beim letzten Rennen heute!
„Danke! Und nochmals danke, dass ich hier dabei sein darf. Das ist wirklich cool.”
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