Praktische Tipps auch in unserem neuen Kartbahnen- und Kartsport-Guide
Aerodynamik ist im Kartsport vor allem Luftwiderstand
Während bei modernen Rennwagen der Anpressdruck im Mittelpunkt steht, ist im Kartsport zunächst der Luftwiderstand der entscheidende Faktor. Ein Rennkart erreicht – je nach Klasse – Geschwindigkeiten zwischen etwa 90 und 150 km/h. Mit steigender Geschwindigkeit nimmt der Luftwiderstand exponentiell zu. Auf langen Geraden entscheidet daher häufig nicht nur die Motorleistung, sondern auch, wie effizient Kart und Fahrer den Fahrtwind durchschneiden. Der größte aerodynamische Störfaktor ist dabei nicht das Kart selbst – sondern der Fahrer.Der Fahrer bestimmt die Aerodynamik
Bei einem Rennkart sitzt der Fahrer vollständig im Luftstrom. Anders als im Automobil befindet er sich nicht hinter einer Windschutzscheibe oder einer Karosserie. Deshalb beeinflusst bereits die Sitzhaltung die Aerodynamik deutlich. Ein Fahrer mit hochgezogenen Schultern, weit abgespreizten Ellenbogen oder einem aufrechten Oberkörper erzeugt wesentlich mehr Luftwiderstand als ein Fahrer, der kompakt und tief im Kart sitzt. Professionelle Kartfahrer achten deshalb bewusst auf ihre Körperhaltung.Typische Merkmale einer aerodynamisch günstigen Sitzposition sind:
- ruhiger Oberkörper
- möglichst eng am Körper anliegende Ellenbogen
- Kopf leicht hinter dem Lenkrad
- keine unnötigen Bewegungen auf den Geraden
- gleichmäßige Sitzposition während der gesamten Runde
Besonders auf langen Geraden können diese Details messbare Vorteile bringen.
Kleine Bewegungen kosten Geschwindigkeit
Ein häufiger Fehler von Einsteigern besteht darin, sich auf Geraden unnötig zu bewegen. Manche Fahrer richten sich leicht auf, lockern ihre Schultern oder verändern ihre Sitzposition. Dadurch vergrößert sich die Stirnfläche des Körpers und der Luftwiderstand steigt. Erfahrene Piloten bleiben dagegen möglichst ruhig sitzen und bewegen sich nur so viel wie unbedingt notwendig. Das spart nicht nur Luftwiderstand, sondern sorgt gleichzeitig für mehr Stabilität des Karts. Zur aerdynamischen Verbesserung hat der Fahrer zwei Möglichkeit: Er kann die Beine anwinkeln um tiefer in den Sitz und damit auf Lenkrad höhe zu rutschen, oder er beugt sich nach vorne und versucht sich hinter das Lenkrad zu ducken.Welche Anbauteile beeinflussen die Aerodynamik?
Obwohl Rennkarts keine klassischen Flügel besitzen, sind sämtliche Kunststoffteile aerodynamisch gestaltet.- Frontspoiler: Der Frontspoiler erfüllt mehrere Aufgaben. Einerseits verhindert er, dass Luft unkontrolliert unter das Kart strömt. Andererseits verbessert er die Luftführung um die Vorderachse. Außerdem dient er als Überfahrschutz bei Auffahrunfällen.
- Frontschild: Das Frontschild trägt nicht nur die Startnummer. Es bildet gleichzeitig eine glatte Fläche vor dem Fahrer und reduziert Verwirbelungen im Bereich der Lenksäule und Beine. Das Fronschild wurde in den letzten Jahren aus arodynamischer Sicht am stärksten weiterentwickelt und verfügt mittlerweile über zusätzliche Luftstromkanäle.
- Seitenkästen: Die Seitenkästen dienen in erster Linie dem Sicherheitsschutz. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass der Luftstrom sauber an den Hinterrädern vorbeigeführt wird und reduzieren Turbulenzen im Bereich der Hinterachse.
- Heckschutz: Der moderne Heckschutz verbessert in erster Linie die Sicherheit bei Auffahrunfällen. Aerodynamisch spielt er dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Spielt Anpressdruck im Kartsport eine Rolle?
Ja – allerdings deutlich weniger als in anderen Motorsportdisziplinen. Ein gewisser aerodynamischer Anpressdruck entsteht bereits durch die Verkleidung sowie den Luftstrom um Fahrer und Kart. Dieser Effekt ist jedoch vergleichsweise gering. Der überwiegende Teil der Haftung entsteht durch Reifen, Fahrwerksabstimmung, Gewichtsverteilung und Chassisflexibilität. Im Gegensatz zur Formel 1 oder einem GT3-Fahrzeug erzeugt ein Kart also nahezu seinen gesamten Grip mechanisch und nicht aerodynamisch.Windschatten – einer der wichtigsten Aerodynamik-Effekte
Wenn Aerodynamik im Kartsport eine große Rolle spielt, dann beim Windschattenfahren. Fährt ein Kart dicht hinter einem Konkurrenten, bewegt es sich im Bereich mit geringerem Luftwiderstand. Dadurch steigt die Endgeschwindigkeit deutlich an. Besonders auf langen Geraden entstehen so spektakuläre Windschattenduelle, bei denen sich Fahrer teilweise erst wenige Meter vor der Kurve überholen. Nicht selten werden Rennen genau auf diese Weise entschieden.Mehr zum Thema: Fünf Tipps für Kartfahrer: So wirst du schneller





