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Sonstiges
22.06.2021

Monisha Kaltenborn über einen möglichen Fahrer-Wechsel bei Mercedes

Am Sonntag, den 20. Juni, hatte das „AvD Motor & Sport Magazin“ auf SPORT1 wieder einen Top-Gast zu bieten. Im Studio live zugeschaltet war die ehemalige Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn, die heute als CEO des Simracing-Unternehmens Racing Unleashed fungiert. Gemeinsam mit Moderatorin Ruth Hofmann und Experte Ralf Bach diskutierte sie die wichtigsten Fragen nach dem Frankreich GP der Formel 1. Lobende Worte findet Kaltenborn für das deutsche Duo Sebastian Vettel und Mick Schumacher. Bei der Personaldiskussion im Mercedes-Team spricht sie sich klar für George Russel im Cockpit aus. Außerdem zieht Kaltenborn ein positives Fazit zum DTM-Auftakt und äußert sich zu den Chancen auf ein Formel-1-Cockpit für Sophia Flörsch. Die wichtigsten Aussagen im Folgenden.


Monisha Kaltenborn über …

… einen möglichen Einsatz von George Russell als Nachfolger von Valtteri Bottas bei Mercedes: „Das ist eine ganz schwierige Sache. Da fährt ein Team ganz vorne mit und muss sich auf seine Fahrer verlassen. Wenn es zu Komplikationen kommt, wird es schwierig. Wenn dann schon ein anderer Fahrer in der Tür steht, wird es noch komplizierter. Man hat Russell (George Russell; Anm. d. Red.) aufgebaut, irgendwann muss man ihn auch einsetzen. Wozu hat man ihn sonst aufgebaut? Einen Fahrerwechsel innerhalb der Saison ist eigentlich nicht gut. Aber manchmal hat die Zusammenarbeit keinen Sinn mehr. Und wenn der Fahrer nicht mehr mit dem Team arbeiten will, gibt es keinen anderen Weg. Aus meiner Sicht ist es für Mercedes trotzdem noch nicht an der Zeit, den Wechsel vorzunehmen, weil zu viel Unruhe reinkommt. Das Team weiß aber, wen sie da haben. Für Bottas ist es nie gut, denn er weiß, da steht der Nächste schon an.“

… Sebastian Vettel: „Vettel ist solide gefahren. Der letzte Erfolg hat ihm gutgetan. Man sieht jetzt eine andere Einstellung und der Erfolg trägt dazu bei. Er kann sicher unter die ersten Zehn fahren. Die Frage ist, was er für ein Werkzeug bekommt. Es braucht eine gewisse Zeit, bis sich ein Team entwickelt hat. Vettel hat das Fahren nicht verlernt, aber das Umfeld muss stimmen. Bei Aston Martin sind die gewissen Mittel da. Der Teambesitzer ist sehr ehrgeizig. Ich sehe also keinen Grund, warum sich da nicht etwas entwickelt sollte.“

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… Mick Schumacher: „Die Rookie-Saison ist immer schwierig. Das Wichtigste ist, dass er Erfahrung sammelt und wenige Fehler macht. Er macht seine Sache gut, da kann ich nicht viel Kritisches sagen.“

… den ehemaligen Sauber-Pilot Sergio Pérez: „Die Entwicklung freut mich, denn als wir ihn damals bei Sauber bekannt gegeben haben, wurden wir sehr stark kritisiert. Wir haben uns trotzdem für ihn entschieden. Dass er stark fährt, hat er aber direkt zu Beginn gezeigt. Hat sogar Podiumsplätze für uns herausgefahren. Unser Kontakt war in den letzten Jahren nicht mehr so eng, aber bei seinem letzten Sieg gab es wieder Kontakt. Als Mensch war er sehr gut aufgestellt. Bei physischen Trainings war er allerdings nicht sehr gerne dabei. Aber er war sehr gut fürs Team. Und fahrerisch hat er vieles geleistet.“

… den Großen Preis von Frankreich: „Das Rennen war unerwartet spannend. Frankreich hat ja eigentlich nicht zu den spannenderen Rennen gehört. Dass es besser war, hat an den Vorderen gelegen. Zwei Teams haben gegeneinander gekämpft. Zwei Teams, die sehr vergleichbar sind. Das entscheidende Element waren die Fahrer.“

… den großen Einfluss von Geld in der Formel 1: „Ich sehe, dass die Formel 1 stark vom Geld geprägt ist. Aber war es früher so viel anders? Früher wurde auch viel Geld reingesteckt, nur hat man nicht so sehr darauf geschaut. Ein kleineres Team muss schauen, dass die Mittel stimmen, und sich vielleicht auf andere Quellen beziehen. Früher war es auch so, man hat es nur anders genannt. Die Formel 1 bleibt immer ein elitärer Sport. Das System ist schon vorprogrammiert, elitär zu sein. Es gibt nur wenige Startplätze und wenige Fahrer. Andere Serien sind breiter aufgestellt. Auch der eSport.“

… das Simracing: „Das Fahren ist schon sehr anstrengend. Es darf nicht zu viel Zeit vergehen zwischen dem was man sieht und dann spürt. Ich bin noch keinen Formel-1-Wagen gefahren. Wir wollen dennoch ein relativ hohes Realitätsszenario entwerfen. Unser Simulator kann eine Trainingsmöglichkeit sein. Es ist auch nicht so teuer wie andere Simulatoren. Es kann einen Beitrag leisten, gerade für die kleineren Serien. Man sieht bei der Simulation schon ein gewisses Talent. Die Indizien sind erkennbar. Im Moment kann man sich bei uns anmelden und einschreiben, in der Zukunft wollen wir Teams bilden. Durch die Daten-Analysen wollen wir dann erkennen, wer Talent hat.“

… den Überraschungssieg von Liam Lawson zum DTM-Auftakt: „Ich finde, dass er sehr sympathisch rüberkommt. Das sind genau die Emotionen, die wir den Fans geben wollen. Das ist das Schöne an der DTM: Sie schaffen es, so viele Fans zu haben und so nahe an ihnen dran zu sein. Man sieht, wie viel Action in dieser Serie ist. Sie treffen den Puls richtig, machen ein richtiges Event daraus und bewahren die Traditionen.“

… Frauen im Motorsport: „Es ist wichtig, dass Frauen in diesen Serien vertreten sind. Dass sie gefördert werden wie die Jungs. Der Ehrgeiz ist zu sagen: Ich will besser sein, ich will die Beste sein.“

… die Perspektive für DTM-Pilotin Sophia Flörsch: „Die Chance, dass sie in die Formel 1 kommt, ist nicht so hoch. Ich glaube, dass diejenigen, die in die Formel 1 wollen, einen anderen Weg gehen.“