Freitag, 22. November 2019
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Sportwagen Allgemein
15.10.2019

Ford GT-Werksengagement endet mit Gewinn des Michelin IMSA Endurance Cup

Die Ära des modernen Ford GT im Werksrennsport endet nach vier Jahren mit einem weiteren Podestresultat in der nordamerikanischen IMSA-Sportwagen-Meisterschaft sowie allen drei Titeln im Michelin IMSA Endurance Cup. Richard Westbrook (GB), Ryan Briscoe (AUS) und Scott Dixon (NZ) haben beim zehnstündigen „Petit Le Mans“ auf dem Michelin Raceway in Road Atlanta Platz zwei in der GTLM-Kategorie errungen. Es war das 48. Podiumsergebnis für den von einem EcoBoost-Sechszylinder-Turbo angetriebenen Mittelmotorboliden in der IMSA-Serie und der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. 19 Mal stand ein Team von Ford Chip Ganassi Racing (CGR) auf dem obersten Treppchen, so auch in Le Mans: Exakt 50 Jahre nach dem ersten Triumph von Ford bei dem 24-Stunden-Klassiker konnte der moderne Ford GT diesen Erfolg bei seinem Debüt auf dem Circuit des 24 Heures gleich wiederholen.

In Road Atlanta nahe Braselton im US-Bundesstaat Georgia hatten sich beide Ford GT für die dritte GTLM-Startreihe qualifiziert: Dirk Müller aus Burbach im Siegerland, Joey Hand (USA) und Sébastien Bourdais (F) gingen mit dem Nummer-66-Auto von Rang fünf aus ins Rennen, ihre Teamkollegen von Position sechs. Beide Ford GT wechselten sich in der ersten Rennhälfte an der Spitze ab, bis ein Ausrutscher die Siegträume für das Trio rund um Dirk Müller beendete. Sie erreichten das Ziel noch auf Klassenrang acht. Platz zwei für Westbrook, Briscoe und Dixon genügte Ford CGR, um mit ihnen sowohl die Fahrer- als auch die Team- und Herstellerwertung des Michelin IMSA Endurance Cup zu gewinnen. Er berücksichtigt ausschließlich die vier Langstreckenrennen der IMSA-Serie – also die 24 Stunden von Daytona, die 12 Stunden von Sebring, das Sechsstundenrennen in Watkins Glen und das zehnstündige Finale in Road Atlanta, mithin also 52 Rennstunden.

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Die Stimmen der Fahrer – Dirk Müller (Ford GT #66): „Das war ein sehr emotionales Erlebnis. Ich konnte die letzte Runde ohne Druck von hinten in Angriff nehmen und habe darüber nachgedacht, ob ich wohl noch einmal am Steuer eines Ford GT sitzen werde – das ging mir sehr nah. Unser Rennen endete etwas unglücklich. In meinem zweiten Stint hatte ich von vornherein ein komisches Gefühl, das hat mich nicht getäuscht: Plötzlich war ich in Kurve 1 nur noch Passagier, keine Ahnung warum, aber ich konnte nichts mehr machen. Es dauerte leider sehr lange, bis mich die Marshalls aus dem Kiesbett schleppten. Danach haben wir angegriffen wie verrückt, um noch einige der verlorenen Runden zurück zu bekommen, aber es hat nichts geholfen.“

Joey Hand: „Wir sind mit einem Knall gestartet, haben Positionen aufgeholt und andere Fahrzeuge überholt. Dann hatte Dirk leider das Pech in Kurve 1, da machst du nichts. Ich bin wirklich stolz darauf, Teil dieses aufregenden Programms gewesen sein zu dürfen. Am Anfang klang es verrückt, welche Ziele wir uns gesteckt hatten – die LMGTE-Klasse bei den 24 Stunden von Le Mans zu gewinnen und auch die 24 Stunden von Daytona sowie andere große Rennen. Nun, Le Mans haben wir beim ersten Anlauf erobert und Daytona im zweiten. Dies zeigt, wie sehr sich alle Beteiligten ins Zeug gelegt haben. Dies hat bei der Ford Motor Company und Ford Performance angefangen und ging über Chip Ganassi Racing und Multimatic bis hin zu Roush Yates. Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken darüber, wie schwierig es ist, aus fünf so großen Unternehmen in nur wenigen Monaten eine funktionierende Einheit zu formen. Aber genau dies ist uns gelungen. Es geht um Menschen und die Beziehungen untereinander. Was uns Fahrer betrifft, so habe ich Freunde fürs Leben gefunden. Es war eine sehr lustige Reise zusammen mit Dirk, Seb, Westy, Ryan und Dixie.“

Ryan Briscoe (Ford GT #67): „Oh Mann, ich glaube, in diesem Rennen haben wir Fahrer und die Jungs an der Box eine der besten Performances abgeliefert, die wir als Team je hatten. Wir machten alles maximal richtig, kein einziger Fehler ist uns unterlaufen. Das Duell mit Ferrari am Ende verlief wirklich eng, sie waren nur ein klein wenig schneller und hatten auch mehr Glück mit dem Überrundungsverkehr. Wir haben gegeben, war möglich war, und den Michelin IMSA Endurance Cup gewonnen. Fast hätte für uns sogar die IMSA-Herstellermeisterschaft noch in Reichweite gelegen. So wie wir uns hier in Road Atlanta präsentiert haben, bin ich enorm stolz auf die ganzen Jungs. In den letzten Runden des Rennens gingen mir sehr viele Gedanken durch den Kopf, es war sehr emotional. Wir können stolz darauf sein, was wir geleistet haben – heute und in den vergangenen vier Jahren.“

Richard Westbrook: „Sicherlich wäre es noch schöner gewesen, diesem fantastischen Programm mit dem Ford GT durch einen letzten Sieg nochmal die Krone aufzusetzen, aber es hat nicht sollen sein. Wir waren das gesamte Rennen über sehr stark und konnten dadurch einzelne Zeitetappen gewinnen, was uns die entscheidenden Punkte für den Michelin IMSA Endurance Cup eingebracht hat – auf den ich wirklich stolz bin. Wir haben eine fantastische Zeit mit Ford erlebt und es freut mich sehr, am Ende noch einen Glanzpunkt gesetzt zu haben.“

Scott Dixon: „Wir sind ein ziemlich gutes Rennen gefahren. Das gesamte Ford GT-Team hat einen riesig guten Job abgeliefert und alles gegeben, ein letzter Sieg wäre die gerechte Belohung gewesen. Aber wir haben den Michelin IMSA Endurance Cup für die Mannschaft gewonnen, das ist großartig.“