Sonntag, 21. Juli 2019
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Sonstiges
12.07.2019

Ganzjahresreifen: Nicht für jeden Fahrer eine Erleichterung

Der saisonale Reifenwechsel kostet Zeit und Geld. Allwetterreifen versprechen als alternative Lösung maximalen Komfort und Ersparnis. Ob das tatsächlich der Fall ist, hängt allerdings vom individuellen Bedarf ab. Nicht jeder profitiert. Wer sich die Vorzüge kompromisslos zunutze machen will, muss die Kaufentscheidung kritisch überdenken. Nachfolgend Orientierungshilfen.

Obwohl der Anteil an reinen Sommer- und Winterreifen im Vergleich immer noch deutlich größer ist, erfreuen sich Ganzjahresreifen zunehmender Beliebtheit. Viele Autofahrer scheuen die Kosten und den erhöhten Aufwand, der mit dem jährlichen Reifenwechsel einhergeht. Nicht nur die Tatsache, dass zwei Satz Reifen benötigt werden, belastet die Haushaltskasse. Auch jährlich wiederkehrende Ausgaben für Montage und Einlagerung schlagen zu Buche. 150,- Euro und mehr summieren sich hierbei je nach Werkstatt schnell. Hinzu kommt ein zweiter Satz Felgen, der zwar kein Muss ist, aber die Reifen schont. Schließlich bringt jedes Auf- und Abziehen auf die Felgen eine nicht zu unterschätzende Beanspruchung der Pneus mit sich. Um die Preisunterschiede für den individuellen Bedarf konkret prüfen zu können, lohnt sich ein Abstecher zu Europas größtem Online-Reifenhändler ReifenDirekt. Im Onlineshop des Unternehmens mit Sitz in Hannover lassen sich sowohl Sommer- und Winterreifen als auch Allwetterreifen aller namhafter Marken wie Dunlop, Hankook und Continental bestellen. Auch entsprechende Kompletträder findet man bei ReifenDirekt. Was beim Preisvergleich jedoch nicht vergessen werden darf: Die Laufleistung von Ganzjahresreifen ist gegenüber einer Kombination aus Winter- und Sommerrädern geringer.


Winterreifen vs. Ganzjahresreifen

Im Winter müssen gemäß § 2 Absatz 3a StVO wintertaugliche Reifen gefahren werden. Entscheidend ist dabei das Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch Alpine-Symbol genannt. Der Gesetzgeber legt zwar keinen kalendarischen Zeitrahmen fest, stellt aber klar, dass bei folgenden Straßenverhältnissen Sommerreifen tabu sind:
  
  • Glatteis
  • Schneeglätte
  • Schneematsch
  • Reifglätte
  • Eisglätte
     
Autofahrer, die noch Reifen lediglich mit M+S Kennzeichnung (Matsch und Schnee) besitzen, dürfen diese noch bis zum Ende der Übergangsfrist am 30. September 2024 nutzen. Danach sind ausschließlich Reifen mit Alpine-Symbol erlaubt. Dieses Kennzeichen wird nur vergeben, wenn Reifen eine hohe Traktion bei Schnee und Eis vorzuweisen haben. Hochwertige Allwetterreifen mit Schneeflockensymbol können mit vergleichbaren Winterreifen durchaus mithalten, wenn es um Traktion und Bremsweg auf schnellbedeckter Fahrbahn geht. Abstriche müssen Fahrer häufig bei der Seitenführung in Kurven machen. Einige Allwetterreifen weisen ein im Vergleich zu guten Winterpneus ein weniger überzeugendes Kurvenverhalten auf und lassen sich weniger präzise steuern.

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Ob Winter- oder Allwetterreifen: Reifen, die im Winter gefahren werden, sollten eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern haben. Ansonsten mangelt es an Haftung, das Unfallrisiko steigt. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter bietet lediglich ein Mindestmaß an Sicherheit.


Sommer- vs. Allwetterreifen

Ganzjahresreifen beugen Aquaplaning effektiv vor, kommen bei extremer Hitze aber schnell an ihre Grenzen. Da die Hersteller bei der Gummimischung einen Kompromiss eingehen müssen, sind Allwetterreifen in der Regel weicher als reine Sommerreifen. Bei Extrembedingungen verschleißen sie dementsprechend schneller und es kommt aufgrund des eher winterlichen Profils zu einem schwammigen Fahrverhalten. Sportwagenfahrer und alle, die sich mit ihrem Fahrzeug bei sommerlichem Wetter eine sportliche Dynamik wünschen, müssen den Reifenwechsel auch in Zukunft einplanen. Dass der Rollwiderstand bei Allwetterreifen den Kraftstoffverbrauch in die Höhe treibt und die Abrollgeräusche stärker sind, ist bei der Kaufentscheidung ebenfalls nicht zu vernachlässigen.


Empfehlungen

Autofahrer, die vorwiegend in städtischen Regionen unterwegs sind und viele Kurzstrecken zurücklegen, sind mit Ganzjahresreifen bestens bedient. Vorausgesetzt sie planen keinen Skiurlaub. Für den Weg in Skigebiete sind echte Winterreifen nach wie vor die bessere Wahl. Die Osnabrücker Zeitung hat die Empfehlungen von Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e. V. (BRV) und ADAC zusammengefasst. Laut BRV seien Ganzjahresreifen vorwiegend für „Klein- und Kompaktwagen mit relativ geringer Motorisierung und niedrigen Kilometerlaufleistungen“ von Vorteil. Der ADAC empfiehlt Allwetterreifen, wenn keine Reisen in Skigebiete und in den Süden geplant sind. Bei extremen Bedingungen seien die Spezialisten für Sommer und Winter die sinnvollere Wahl.

Diejenigen, die nur wenig unterwegs sind und Wintersportgebiete meiden, können von den Vorteilen von Allwetterpneus profitieren. Nicht nur aufgrund der Zeit- und Kostenersparnis, sondern auch hin Hinblick auf die Sicherheit: Werden Winter- und Sommerreifen nur wenig gefahren, nutzen sie sich kaum ab, sodass die Mindestprofiltiefe viele Jahre nicht unterschritten wird. Die Folge ist, dass die Reifen zu alt und porös werden, was das Unfallrisiko in die Höhe treibt. Pendler, die zehntausende Kilometer pro Jahr auf Autobahnen verbringen, wählen die jeweiligen Spezialisten für Sommer und Winter. Gleiches gilt für Wintersportler, die im Schnee nicht auf ein Maximum an Sicherheit und Fahrspaß verzichten möchten.

Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und der Auto Club Europa (ACE) haben Ganzjahresreifen einem Langzeittest unterzogen, um herauszufinden, wie gut die Produkte nach einer Laufleistung von 10.000 Kilometern sind. Getestet wurde jeweils ein Satz von Goodyear und Michelin bei sommerlichen Bedingungen. Die Ergebnisse im Beitrag GTÜ-Langzeittest: Ganzjahresreifen auf dem Prüfstand.