Sonntag, 26. Mai 2019
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Automobilsport
17.05.2019

ADAC Eifel Rallye Festival 2019 – ein Fest für Fahrer und Fans

Die Nennliste zum ADAC Eifel Rallye Festival (18. bis 20. Juli 2019) ist prall gefüllt und auch die früheren Fahrerteams der historischen Rallye-Boliden zieht es vermehrt in die Vulkaneifel rund um Daun. Der frühere Weltmeister Stig Blomqvist (SE) ist ebenfalls wieder dabei wie die beiden weltmeisterlichen Co-Piloten Nicky Grist (GB) und Luis Moja (ES). Der Brite Jimmy McRae war im vergangenen Jahr derart begeistert, dass er auch diesmal unbedingt wieder dabei sein will.

Auch Jochi Kleint zieht es erneut in die Eifel, Harald Demuth und Matthias Kahle sind hier schon Stammgäste. Nach seiner Festival-Premiere im Jahre 2017 war Kalle Grundel (SE) begeistert, der WM-Pilot, der zudem 1985 im Peugeot 205 T16 die deutsche Rallye-Meisterschaft gewann, sagte: „Da kommen so viele Erinnerungen an meine Zeit in der DRM zurück. Hier ist es wirklich fantastisch mit einer Wahnsinns-Atmosphäre.“ Sein Versprechen wiederzukommen erfüllt der Löwen-Bändiger in diesem Jahr.


Isolde Holderied: Da muss man unbedingt hin

„Alle haben mir gesagt, du musst unbedingt mal nach Daun kommen, jetzt ist es soweit und ich freue mich riesig“, blickt die zweifache Damen-Weltmeisterin Isolde Holderied ungeduldig auf ihre erste Festival-Teilnahme. Besonders gespannt ist sie beim ‚Klassentreffen der Rallye-Szene' „auf die vielen Fahrer und Beifahrer, die ich dort treffen werde, aber auch auf all die Freunde und Fans, die mich in meiner aktiven Zeit begleitet haben.“ Die Premiere wird der Toyota-Markenbotschafterin durch die Familie Geipel noch attraktiver gemacht: „Ich darf deren Corolla WRC pilotieren, das ist genau das Auto, mit dem ich 1999 bei der Rallye Monte Carlo am Start war. Die Corolla war eh mein Lieblingsauto, sie war einfach gigantisch zu fahren. Ich freue mich tierisch auf das Wiedersehen.“ Neben den beiden Damen-WM-Titel konnte Holderied eine weitere beachtliche Serie hinlegen. Bei sechs Starts zur Mutter der Rallyes in Monte-Carlo kam sie sechsmal ins Ziel. Und jedes Mal gewann sie als schnellste Dame den ‚Coupe des Dames’.

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„Es laufen noch einige sehr spannende Gespräche mit weiteren großartigen Piloten, aber wie immer gilt, wir verkünden sie erst, wenn alles geklärt ist“, steigert Organisationsleiter Otmar Anschütz die Spannung für die Fans.


Claus Aulenbacher: Die Wiedergeburt eines Lancia Stratos

Das Eifel Rallye Festival lebt von der Idee, die Geschichte des Rallyesports zu bewahren. „Deshalb dürfen bei uns nur originale oder originalgetreu nachgebaute Fahrzeuge teilnehmen“, erklärt Reinhard Klein (Köln), der als Kopf von ‚Slowly Sideways’, der europaweiten Vereinigung von Besitzern historischer Rallye-Fahrzeuge, für die Zusammenstellung des Starterfeldes verantwortlich ist. Der Mainzer Claus Aulenbacher ist schon länger im Besitz eines originalgetreu nachgebauten Lancia Stratos Gruppe 4, „an einen Stratos mit Historie heranzukommen ist zum einen fast unmöglich und dazu unbezahlbar“. Nun hat er doch eines der so begehrten und seltenen Originale - der Weg dahin war allerdings sehr spannend und vor allem lang. Am 25. Mai 2014 endete in der Nähe von Marseille die Existenz von gut einem Dutzend originaler Rallye-Fahrzeuge aus einer privaten Sammlung in den Flammen eines Garagenbrandes. „An dem übriggebliebenen Gerippe konnte man gerade noch erahnen, dass es ein Stratos war,“ beschreibt Aulenbacher die ersten Eindrücke, als er den traurigen Überrest zusammen mit Stratos-Spezialist Udo Sparwald besichtigte.

Es begann der lange, zeit- und kostenintensive Wiederaufbau. Motorblock und Getriebe konnten nach einer Renovierung wieder genutzt werden, auch die Pedalerie ist noch original. Die Blecharbeiten wurden von Lancia-Spezialisten in Italien übernommen, allein die Suche nach der korrekten blauen Lackfarbe dauerte Wochen. Aulenbacher recherchierte weltweit im Netz nach originalen Teilen: „Da wird ein einzelner Original-Schalter vom Armaturenbrett schon mal mit 250 Euro gehandelt, für ein originales Stradale-Lenkrad muss man mindestens 4.000 Euro hinlegen“. Schraube für Schraube und Ersatzteil für Ersatzteil kam nach und nach zusammen. „Bei den Recherchen habe ich auch viele Leute kennengelernt, die mit diesem Auto zu tun hatten, dadurch bekam ich auch viele Bilder, die halfen, den Stratos wieder in den Originalzustand zu versetzen“. Heute steht der Stratos wieder so bei dem Mainzer, wie er 1976 am Start der Rallye Lana in Italien war. Der damalige Pilot Giani Besozzi hat damit die Rallye beim allerersten Einsatz des Autos im Juni 75 und auch in 76 gewonnen. Die sportliche Karriere des Boliden endete im Mai 1982, seine erste Existenz dann bei dem Feuer 2014.

„Glücklicherweise wusste ich zu Beginn des Wiederaufbaus nicht, was mich da erwartet. Vom Zeitaufwand und den Kosten hatte ich mich absolut verschätzt. Aber dafür ist das Ergebnis umso schöner“ strahlt Aulenbacher gute vier Jahre später. Beim Eifel Rallye Festival wird er den ‚wiedergeborenen' Gruppe 4-Stratos auf ausgesuchten Prüfungen präsentieren, auf den restlichen Etappen steigt er in seinen Nachbau. Im Sommer gibt es für den Stratos zudem ein Wiedersehen mit seiner ersten Wirkungsstätte. „Beim Stratos-Treffen in San Remo hatte ich Kontakt mit den Veranstaltern der Lana-Rallye, im Sommer werde ich mit dem ‚Blauen' dort als Vorauswagen starten.“