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24h Daytona
15.01.2019

„Welcome back, Alex“: US-Weggefährten über Alessandro Zanardi

Für Alessandro Zanardi (IT) ist der Start beim 24-Stunden-Rennen in Daytona (US) ein bisschen wie eine Heimkehr. Denn in den Vereinigten Staaten feierte er die ersten Erfolge seiner beeindruckenden Rennsportkarriere. Von 1996 bis 1998 fuhr er in der dortigen Indycar-Serie CART und krönte sich 1997 und 1998 zum Champion. Nach zwei Jahren in der Formel 1 kehrte er im Jahr 2001 zurück in den US-Rennsport, bis sein Unfall am 15. September 2001 auf dem Lausitzring (DE) seinem Leben und seiner Karriere eine neue Wendung gab.

Beim offiziellen Pre-Event-Test „Roar“ in Daytona wurde Zanardi bereits begeistert Willkommen geheißen. Im Fahrerlager traf er zahlreiche alte Bekannte, und Erinnerungen an seine Zeit in den USA wurden wach.

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„Ich habe in diesem Land wunderbare Momente meiner Rennsportkarriere erlebt, aber darüber hinaus konnte ich diese Emotionen mit vielen anderen Menschen teilen“, so Zanardi. „Viele der Leute in diesem Fahrerlager haben wesentlich dazu beigetragen, mein Leben zu einem besseren zu machen, zu dem, was es ist: ein niemals endendes Privileg. Es ist einfach großartig, viele von ihnen wiederzusehen. Ich komme nicht weiter als ein paar Meter, bis ich wieder einen Freund treffe, mit dem ich gern zum Abendessen gehen und mit dem ich liebend gern mehr Zeit verbringen würde. Natürlich sind wir alle mit unseren eigenen Dingen sehr beschäftigt, aber es ist toll, von so vielen ‚Familienmitgliedern' umgeben zu sein.“

Einer dieser guten alten Freunde ist der 1996er-CART-Champion Jimmy Vasser (USA), Zanardis Teamkollege bei Chip Ganassi Racing. Heute schickt Vasser als Teamchef ein eigenes Team in der GTD-Klasse der IMSA WeatherTech SportsCar Championship an den Start.

Jimmy Vasser: „Es war großartig, Alex wiederzutreffen. Wir haben privat und bei gemeinsamen Interviews viel Zeit miteinander verbracht und sind in Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit bei Chip Ganassi Racing geschwelgt. Wie üblich habe ich dabei mehr zugehört als selbst gesprochen! Willkommen zurück an den großartigen Zanardi im nordamerikanischen Rennsport! Seine Gegner sollten sich in Acht nehmen...“

Auch Zanardis und Vassers damaliger Teamchef Chip Ganassi (US) ist heute ein fester Bestandteil des IMSA-Fahrerlagers. Das Urgestein des US-Rennsports traf sich beim „Roar“ ebenfalls mit Zanardi – und ist begeistert über seinen Start beim 24-Stunden-Rennen.

Chip Ganassi: „Mich überrascht an Alex überhaupt nichts mehr. Von seinen Indycar-Erfolgen mit uns, über seine Zeit in der Formel 1, dann die Goldmedaillen und nun das Rolex 24. Was kann man über ihn noch sagen, was noch nicht gesagt wurde? Er verkörpert all das Gute, was den menschlichen Geist ausmacht. Ich freue mich schon sehr darauf, ihn Ende des Monats in Daytona an den Start gehen zu sehen. Er ist ein Mensch, der alle begeistert.“

Zanardis heutiger Teamchef im BMW Team RLL ist Bobby Rahal (US) – ebenfalls ein alter Weggefährte aus der Indycar-Zeit. Damals führte er in der CART-Serie das Team Rahal. Er erinnert sich noch gut an die Zeit, als Zanardi in den US-Rennsport kam.

Bobby Rahal: „Alex war ganz offensichtlich ein extrem talentierter Fahrer. Er hat eine Menge Rennen gewonnen und hatte sein Markenzeichen, die Donuts. Er war schon damals eine anziehende Persönlichkeit. Jeder liebte Alex wegen seiner Energie und seiner Lebensfreude. Er hatte die Leute einfach für sich begeistert. Dann hatte er diesen schrecklichen Unfall – und hat zum Glück überlebt. Und wenn man ihn heute sieht, dann ist er eine Inspiration für so viele Menschen. Wie er sich nach dem, was ihm passiert ist, zurückgekämpft hat, und wie er nicht nur im Rennsport, sondern auch in anderen Lebensbereichen glänzt. Für uns im BMW Team RLL ist es mehr als aufregend, Alex in Daytona mit an Bord zu haben. Ganz offen gesagt: Es ist ein Privileg für mich, ihn in unserem Team zu haben. Er ist durch und durch ein Profi, er ist ein großartiger Kerl, und ich bin sicher, dass er einen großartigen Job machen wird.“

Eines hat Rahal seinerzeit jedoch nach eigener – augenzwinkernder – Aussage „das Herz gebrochen, und ich habe ihm das bis heute nicht verziehen“: das legendäre Überholmanöver „The Pass“ 1996 im CART-Rennen in Laguna Seca (US). Zanardi überholte damals in der letzten Runde den Führenden, Rahal-Pilot Bryan Herta (US), mit einem spektakulären Ritt durch den Sand in der Corkscrew-Kurve. Damit sicherte er sich den Sieg vor Herta. Noch über 20 Jahre später sorgt dieses Manöver für viel Gesprächsstoff, und das Video ist im Internet ein Hit.

Beim 24-Stunden-Rennen 2019 in Daytona schließt sich der Kreis. Nicht nur Zanardi fährt für Rahals BMW Team RLL – sondern auch Hertas Sohn Colton Herta (US), der im #25 BMW M8 GTE an den Start geht.

Bryan Herta: „Es ist wohl fair zu sagen, dass wir damals in CART-Zeiten große Rivalen und wirklich nicht die besten Freunde waren. Wir hatten auf der Strecke mehrere Zusammentreffen, die nicht gerade angenehm waren. Aber heute, nach all der Zeit, muss ich sagen: Wenn ich sehe, was Alex bei den Paralympics und nach seinem Comeback im Rennsport erreicht hat – er vollbringt einfach immer wieder fantastische Dinge. Mein Sohn, der zu Zeiten von ‚The Pass’ noch gar nicht geboren war, aber natürlich einige der Geschichten kennt, ist begeistert, mit Alex in einem Team zu fahren. Und für mich ist es sehr schön, das zu sehen. Ich freue mich schon darauf, Alex am 24-Stunden-Rennwochenende wiederzutreffen. Ich bin wirklich sehr beeindruckt von dem, was er immer wieder erreicht. Er ist eine faszinierende Persönlichkeit.“

Damals Gegner auf der Strecke und heute beide Mitglieder der BMW Familie: Das gilt für Zanardi und den heutigen Teambesitzer von Andretti Autosports, Michael Andretti. Die Indycar-Legende gewann 1991 den Titel und ging ab 1996 gemeinsam mit Zanardi ins Rennen. Heute tritt er mit BMW als BMW i Andretti Motorsport in der ABB FIA Formula E Championship an.

Michael Andretti: „Es ist eine coole Story, dass Alex in Daytona antritt. Er hätte auch in Le Mans fahren können, aber für uns in den USA ist es natürlich großartig, dass er sich für Daytona entschieden hat. Er liebt Amerika, und Amerika liebt ihn. Er ist mit allem, was er geschafft hat, eine Inspiration für jeden von uns.“