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Formelsport Allgemein
06.03.2018

Binder hält Ball trotz starker Test-Generalprobe flach

Wenn am kommenden Wochenende in Saint Petersburg wieder die Motoren der amerikanischen Indycar Serie aufheulen, wird mit Rene Binder erstmal auch ein „Rookie“ aus Österreich mit am Start sein. Warum der 26-jährige Tiroler trotz starker Test-Generalprobe in Sebring am Boden bleibt und welche Eindrücke er vor dem Saisonstart in Florida gesammelt hat, verrät er im nachfolgenden Interview.
Die erste brennende Frage gleich vorweg: Wie fühlt sich dieses neue Indycar an?
„Extrem gut. Das Handling fühlt sich sogar noch besser an als beim World Series Auto und der Biturbo von Chevrolet hat Drehmoment ohne Ende. Ein solches Auto auf diesen extrem unebenen amerikanischen Rennstrecken zu fahren, ist mit dem was wir aus Europa kennen überhaupt nicht vergleichbar. Wie ich auf dem Rückflug nach Europa gelesen hab, dass man nach den Formel 1 Tests in Barcelona gerade die letzte Bodenwelle entfernt hat, habe ich schmunzeln müssen.”
Du hast die Stars der Indycar bereits auf der Strecke beobachten können. Wie groß ist Dein Respekt vor Scott Dixon, Will Power oder Joseph Newgarden?
„Das sind Top-Fahrer, die man zu den Besten der Welt zählen muss und trotzdem auch völlig entspannte Typen ohne Starallüren. Will Power und Graham Rahal hab ich schon persönlich kennengelernt. Die haben auch gleich gesagt, dass ich jederzeit gerne vorbeikommen kann, wenn ich irgendwo ein Problem habe.”
Du bist genau genommen der erster Österreicher seit Jochen Rindt, der in der IndyCar Serie fährt. Erhöht das den Druck nicht noch einmal zusätzlich?
„Überhaupt nicht. Ich habe in Sebring mit Juncos Racing sehr gut gearbeitet, aber wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass ich nur einen Testtag zur Verfügung hatte, um mich auf St. Petersburg einzuschießen. Das ist so gut wie gar nichts.”
Umso erstaunlicher, dass Du nur 8 Zehntel auf die Bestzeit von Josef Newgarden verloren hast und bereits einige Profis hinter Dir lassen konntest…
„Das hat uns selbst überrascht. Wir haben als Neueinsteiger auf jeden Fall das Maximum herausgeholt und auch das Auto deutlich weiterentwickeln können. Ob und wie sich das jetzt auf dem Stadtkurs von St. Pete auswirkt, werden wir dann am nächsten Wochenende sehen. Ich werde versuchen, wie schon beim Test ohne Brechstange vorzugehen und mich Schritt für Schritt zu steigern.” 
Kann man den Stadtkurs von St. Petersburg eigentlich mit Monaco vergleichen?
„Die Atmosphäre am Hafen ist schon irgendwie vergleichbar, aber St. Pete ist doch etwas schneller und eine echte Rüttelpiste. Ich war dort neulich schon für die IndyCar Series im PR-Einsatz und hab ein paar TV-Reporter in einem eigens dafür umgebauten Doppelsitzer gemütlich herumchauffiert. Wenn ich dann mit über 300 km/h unterwegs bin, wird sich das aber noch einmal ganz anders anfühlen. Ich kann es kaum mehr erwarten, am Freitag wieder ins Auto zu steigen.”