Dienstag, 21. November 2017
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05.09.2017

Steffi Halm mit zwei Podiumsplätzen in Most

Nach der Hitzeschlacht vom Hungaroring erlebten die Truckracer beim sechsten Lauf zur FIA European Truck Racing Championship auf dem Autodrom im tschechischen Most vor insgesamt 95.000 Zuschauern ein echtes Kontrastprogramm. Am Freitag während der Pressefahrten und der Freien Trainings regnete es noch kräftig. Die Zeiten lagen auch rund 20 Sekunden über den normalen Rundenzeiten. Als am späten Nachmittag die Fahrt der RaceTrucks in die City zur Autogrammstunde anstand, wurde es aber doch etwas besser.

Für Steffi Halm, die junge MAN-Pilotin aus Ammerbuch, verlief das Most-Wochenende jedoch – beinahe – nach Wunsch.

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Am Samstag war zwar alles grau in grau, es war kühl, aber es blieb wenigstens trocken. In der SuperPole der Top-Ten sicherte sich Steffi den fünften Startplatz für das erste Rennen. Hier konnte sie sich zwar am Ende um einen Platz verbessern, verpasste jedoch den dritten Podiumsplatz gegen den Mercedes-Piloten und zweimaligen Europameister aus Ungarn, Norbert Kiss, um gerade mal vier Zehntelsekunden.

Ins zweite Tagesrennen startete Steffi vom fünften Platz aus, hatte einen hervorragenden Start und konnte gleich auf die dritte Position vorfahren. Vor sich hatte sie nun ihren Reinert Adventure Teamkollegen Sascha Lenz. Dessen MAN-RaceTruck lief scheinbar nicht ganz so schnell wie der des führenden Engländers Ryan Smith. Steffi zog an Sascha vorbei und konnte die Lücke zu Smith schnell schließen. Doch dann offenbarte sich wieder einmal die alte Truckracer-Weisheit, Heranfahren ist eine Sache, Überholen eine ganz andere.

Bis zur Zieldurchfahrt hing Steffi dem Truck des Engländers nahezu ständig an der Stoßstange, musste sich dann aber doch um eine halbe Sekunde geschlagen mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Da ihr Teamkollege auf den dritten Platz kam, gewann Steffis Team Reinert Adventure auch ganz klar die Teamwertung – im vorherigen Rennen war man als Dritter auch schon auf dem Podium gewesen.

Am Sonntag sah der Himmel dann etwas freundlicher aus, Regen war kaum zu erwarten. Steffi fuhr diesmal in der SuperPole den vierten Startplatz heraus.

Im anschließenden Rennen gab es schon gleich nach dem Start einen heftigen Crash, bei dem der MAN der Ammerbucherin verschont blieb. Sie lag auf dem vierten Platz und hatte Kiss diesmal hinter sich. Bis zur Zieldurchfahrt lieferten sich die beiden ein erbittertes Duell, doch diesmal hatte Steffi knapp die Nase vorn.

Für das letzte Rennen hieß das erneut Startplatz fünf. Schon beim Start konnte die MAN-Pilotin einen Platz gutmachen, direkt vor ihr lieferten sich Altmeister David Vrsecky mit seinem Buggyra Freightliner und ihr Teamkollege Lenz Seite an Seite fast eine dreiviertel Runde lang ein knallhartes Duell um den zweiten Platz – bis der Tscheche den Lenz-MAN leicht nach außen ins Gras drängte. Sascha fiel gleich zurück und nun lag es an Steffi, Vrsecky den zweiten Platz abzujagen. Der zweifache Europameister war zwar klar langsamer, man kam aber nicht vorbei. Der Engländer Shane Brereton, der mit seinem MAN an der Spitze lag, hatte es am Morgen nicht einmal in die Top-Ten geschafft und nun fuhr er den Verfolgern davon.

Hinter Vrsecky hatte sich schon ein richtiger RaceTruck-Stau gebildet. Steffi setzte immer wieder an, am Tschechen vorbeizuziehen, doch der machte jedes Mal sofort die Tür wieder zu. Am Ende passierten im langsamsten Rennen des Wochenendes hinter dem Sieger Brereton die Trucks auf den Plätzen zwei bis zehn die Ziellinie innerhalb von nicht einmal vier Sekunden. Steffi verteidigte ihren dritten Platz erneut gegen einen stark drängenden Kiss, diesmal sogar ganz knapp – um vier Hundertstelsekunden.

Auch am Sonntag kam Steffis Team Reinert Adventure in beiden Rennen aufs Podium der Teamwertung, einmal auf den zweiten und einmal auf den dritten Platz. In der Fahrerwertung liegt Steffi mit 209 Punkten jetzt wieder auf dem dritten Rang, in der Teamgesamtwertung konnte Reinert Adventure den zwieten Platz weiter festigen.

Trotz ihrer zwei Podiumsplätze schien Steffi am Sonntagabend wohl etwas zu zweifeln. „Gerade im letzten Rennen war einfach mehr drin. Wir konnten alle erheblich schneller. Aber David Vrsecky hat ganz tief in die Trickkiste seiner langjährigen Truckracingerfahrung und seiner zwei Europameistertitel gegriffen. Aber das ist dann auch wieder das Besondere am Truckracing, das macht den außergewöhnlichen Charme aus. Im Großen und Ganzen bin ich aber doch sehr zufrieden, vor allem weil es trocken geblieben ist. Rennfahren im Trockenen liegt mir einfach besser, glaube ich“, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Der siebte Lauf zur FIA European Truck Racing Championship findet vom 15. bis zum 17. September auf dem Circuit Zolder in Belgien statt.