Donnerstag, 23. November 2017
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
Rallye WM
11.04.2017

Sébastien Ogier baut die Führung in der Fahrerwertung aus

Mit der vierten Podiumsplatzierung für die Ford Fiesta WRC-Crew Sébastien Ogier und Julien Ingrassia in der diesjährigen Rallye-Weltmeisterschaft WRC (World Rally Championship) hat das Team M-Sport bei der Rallye Korsika, dem vierten Saisonlauf, seine Führung in der Fahrerwertung ausgebaut und seine Position in der Herstellertabelle manifestiert.

Ogier lag bis zum Ende der Samstagsetappe in unmittelbarer Schlagdistanz zu Thierry Neuville aus Belgien, ehe ein technisches Problem den vierfachen Weltmeister zurückwarf. Mit einer fahrerischen Glanzleistung kämpfte sich Ogier auf der abschließenden „Power Stage“ wieder auf den zweiten Platz zurück. Seine estischen Teamkollegen Ott Tänak/Martin Järveoja verpassten den Sprung in die Punkteränge knapp und wurden Elfte. Schotterspezialist Tänak hatte speziell zu Beginn der reinen Asphalt-Rallye durch konkurrenzfähige Zeiten mit dem gut 380 PS starken, auf dem in Köln-Niehl produzierten Ford Fiesta* basierenden Turbo-Allradler für Aufsehen gesorgt. In der dritten Wertungsprüfung (WP) rutschte er jedoch von der Strecke und konnte erst am Samstag wieder in das Geschehen eingreifen. Elfyn Evans/Daniel Barritt erlebten einen WM-Lauf zum Vergessen. Nach einem Abflug auf der WP 6 überquerten sie die Zielrampe im Hafen von Porto Vecchio auf Platz 21.

Anzeige
„Das gesamte Rallye-Wochenende hat sich für uns als große Herausforderung entpuppt“, erläutert M-Sport-Chef Malcolm Wilson. „Wir sind auf Schwierigkeiten gestoßen, die uns in dieser Form zuvor nicht begegnet sind. Wir werden uns jetzt ganz besonders ins Zeug legen, um diese Dinge bis zum kommenden WM-Lauf in Argentinien abzustellen. Zugleich muss ich Sébastien Ogier und Julien Ingrassia loben: Trotz der Widrigkeiten haben sie großen Kampfgeist gezeigt und ihre Führung in der Fahrerwertung mit Platz zwei weiter ausgebaut, während wir den ersten Rang in der Herstellertabelle verteidigen konnten. In der nächsten Woche steht ein fünftägiger Test auf dem Programm, da werden wir weiter am Speed des Ford Fiesta WRC arbeiten und Lösungen für die hier in Korsika festgestellten Probleme finden.“


Sébastien Ogier / Julien Ingrassia (Ford Fiesta WRC, Startnummer 1), Platz 2

Den beiden Franzosen fehlte zu Beginn der Rallye Korsika noch das volle Vertrauen in die Abstimmung ihres Autos. Obwohl sie nicht ganz das Limit ausreizten, setzten sie auf den vier WP der Freitagsetappe trotzdem eine Bestzeit und drei Top-2-Ergebnisse. Nach einem Update im Samstagmittags-Service schlugen die amtierenden Titelverteidiger zurück, gewannen die 48,71 Kilometer lange WP 7 mit fünf Sekunden Vorsprung und verkürzten ihren Rückstand auf Thierry Neuville auf nur noch 2,2 Sekunden. Ein Hydraulikdefekt auf der WP 8 kostete Ogier jedoch mehr als eine halbe Minute. Am Sonntagmorgen stellte sich auf der WP 9 ein Elektrikproblem ein und warf den vierfachen Weltmeister auf Rang drei hinter Dani Sordo zurück. Dies konnte Ogier im telefonischen Kontakt mit den Ingenieuren von M-Sport lösen und schlug auf der abschließenden Power Stage mit der zweitschnellsten Zeit hinter Jari-Matti Latvala zurück - genug, um Sordo in der Gesamtwertung wieder auf Platz zwei zu verbannen.

„Gefühlt war diese Rallye Korsika für uns eine Achterbahnfahrt“, so Ogier. „Wir haben Höhen und Tiefen erlebt, kamen am Ende aber mit einem guten Resultat und vielen WM-Punkten ins Ziel. Der Ford Fiesta WRC ist ohne Frage auch auf Asphalt ein schnelles Auto, wir hätten Thierry Neuville im Kampf um den Sieg durchaus die Stirn bieten können. Nur mit der Abstimmung lagen wir zeitweise etwas daneben - da werden wir ohne Zweifel noch weiteres Potenzial heben und sicherstellen, dass sich so ein Wochenende nicht wiederholt.“


Ott Tänak / Martin Järveoja (Ford Fiesta WRC, Startnummer 2), Platz 11

Auch wenn die Rallye der „10.000-Asphaltkurven“ auf absehbare Zeit nicht zu den Lieblingsveranstaltungen von Ott Tänak gehören wird, so überzeugte der Este in der Anfangsphase des vierten WM-Saisonlaufs am Steuer des Ford Fiesta WRC doch mit sehr schnellen Zeiten. Leider rutschte der 29-Jährige in der 31,2 Kilometer langen WP3 von der Strecke und konnte erst am Samstag wieder ins Rallye-Geschehen eingreifen, wurde anschließend jedoch von Motoraussetzern gebremst. Dennoch hat er mit einer stark ansteigenden Formkurve überzeugt.

„Auf den ersten Prüfungen konnten wir das Tempo der reinen Asphaltspezialisten durchaus mitgehen, zum ersten Mal habe ich diese verwinkelten Passstraßen sogar genießen können“, erläutert Tänak. „Umso enttäuschter waren wir, dass wir von der Strecke gerutscht sind. Aber für mich stehen die positiven Nachrichten im Vordergrund: Wir haben erneut viel dazugelernt, auch unser Aufschrieb passt nun deutlich besser als in den Jahren zuvor. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Rallye Argentinien, dort schlagen wir wieder zurück.“

Platz zwei in der WRC 2-Wertung für Teemu Suninen im Fiesta R5 Elfyn Evans und Daniel Barritt erlebten auf Korsika ein Wochenende zum Vergessen. Die beiden Briten litten am Freitag unter Hydraulikproblemen, am Samstag verunfallten sie mit ihrem DMack bereiften Fiesta WRC auf der WP 6 und konnten erst am Sonntag erneut in den Wettbewerb eingreifen.

In der WRC 2-Kategorie fuhren Teemu Suninen/Mikko Markkula mit ihrem Ford Fiesta R5 auf den zweiten Rang, der gleichbedeutend mit der achten Position in der Gesamtwertung war. Ihr Teamkollege Éric Camilli konnte den späteren Klassensieger Andreas Mikkelsen zu Beginn der Asphalt-Rallye herausfordern. Am Ende der ersten Schleife lag der Franzose nur fünf Sekunden hinter dem Norweger. Der Kontakt mit einem Brückengeländer auf der WP 3 bedeutete jedoch das Aus für die erste Etappe. Dennoch ließ Camilli im weiteren Verlauf der Rallye mit starken Prüfungszeiten aufhorchen.

Der einzige Deutsche im Teilnehmerfeld, der 26 Jahre alte Julius Tannert aus Zwickau, überzeugte bei seinem Debüt in der Junioren-Weltmeisterschaft mit dem vierten Platz in der Klasse. Tannert und Beifahrer Jürgen Heigl aus Österreich pilotieren einen gut 180 PS starken Ford Fiesta R2T mit Frontantrieb.