Montag, 22. April 2024
Motorsport XLDas Motorsport MagazinVorschau Abonnement
24h Le Mans
22.06.2016

Rekord für Race Performance in Le Mans

Der Rekord ist geschafft: Zum sechsten Mal beim sechsten Start brachte das Schweizer Race Performance Team sein Auto bei den 24 Stunden von Le Mans ins Ziel – eine bisher noch von keinem Team in keiner Kategorie erreichte Bestleistung in Sachen Zuverlässigkeit. Dass es dabei nicht zu einer Platzierung im Vorderfeld reichte, lag vor allem an einem Zwischenfall gleich in der Anfangsphase des Rennens.

Shinji Nakano, der mit dem LMP2 Oreca-Judd nach der langen Safety-Car-Phase am Start auf inzwischen abtrocknender Strecke gut unterwegs war, geriet mit einem Konkurrenten aneinander. Dies hatte nicht nur einen Ausflug ins Kiesbett, sondern vor allem starke Beschädigungen am Heck des Autos, auch am Getriebe, zur Folge. Das bedeutete umfangreiche Reparaturarbeiten in der Box und einen Zeitverlust von über einer Stunde. Es wurde das komplette Heckteil gewechselt. Später sollte sich im Nachhinein die Startphase hinter dem Safety-Car bei strömendem Regen auch noch negativ auswirken: Durch die fehlende Geschwindigkeit hinter dem Safety-Car hatte Feuchtigkeit ins Auto eindringen können – was zu Problemen mit der Elektronik führte, so dass im Laufe der Zeit der ein oder andere zusätzliche Boxenstopp notwendig wurde.

Anzeige
Obwohl eine gute Platzierung damit diesmal nicht mehr möglich war, war man sich bei Race Performance doch immer einig: „Wir wollen auf jeden Fall weiterfahren und ins Ziel kommen, egal auf welchem Platz.“ Was dann auch gelang – Niki Leutwiler brachte das Auto nach Ablauf der 24 Stunden als 43. des Gesamtklassements und 17. in der LMP2-Kategorie sicher in der Wertung über die Ziellinie, in der Box lag sich das gesamte Team angesichts des gemeinsamen Kraftaktes und des neuen Rekordes in den Armen. „Nach 24 Stunden harter Arbeit haben wir es doch noch geschafft“, freute sich James Winslow, „Le Mans ist einfach das prestigeträchtigste und herausfordernste Rennen überhaupt – und das Team hat große Charakterstärke dabei gezeigt. Danke an alle, die mitgeholfen haben, dieses Ziel zu erreichen.

Auch Ex-Formel-1-Pilot Shinji Nakano war bei seinem neunten Le Mans-Einsatz nicht unzufrieden: „Es war kein leichtes Wochenende für uns, wir hatten im Rennen doch einige Probleme am Auto, haben aber alles irgendwie wieder hinbekommen. Gegen Ende des Rennens war das Auto dann für mein Gefühl sogar wieder ziemlich gut. Auch mein Teamkollege James hat einen guten Job gemacht, Niki hatte zwar in seinem Nachtstint ein paar Probleme, in den drei anderen war er aber auch sehr gut unterwegs.“ Natürlich sei für jeden Rennfahrer ein Podium das Ziel, speziell in Le Mans, „aber hier ist es auch immer schon etwas Besonderes, die Zielflagge zu sehen – und das haben wir geschafft. Mit dem Podium klappt es ja vielleicht in Zukunft auch noch mal.“

Niki Leutwiler meinte ein wenig ironisch: „Am besten wäre es gewesen, wenn das Rennen erst am Sonntagmittag begonnen hätte, ab da waren wir richtig gut dabei, da hat alles funktioniert. Warum vorher nicht alles so gelaufen ist wie geplant, das werden wir noch analysieren. Unsere Strategie, durch Konstanz und problemloses Abspulen unserer Runden nach vorne zu kommen, ist diesmal nicht aufgegangen.“ Ein Kritikpunkt für den Schweizer, der vor allem in der Nacht den ein oder anderen Ausrutscher zu verzeichnen hatte: „Es gab für mich ein gewisses Problem mit dem Gaspedal – da wurden wohl noch zu einem Zeitpunkt Veränderungen vorgenommen, nach dem sich nicht mehr alle Fahrer darauf einstellen konnten. Wie es dazu gekommen ist, das müssen wir uns genau anschauen – normalerweise sollte das bei so einem erfahrenen Team wie unserem nicht passieren.“

Teamchef Michel Frey zog ein gemischtes Fazit: „Der Regen und der Start hinter dem Safety-Car haben es uns sehr schwer gemacht, dazu die Feindberührung in Anfangsphase, und später noch einige kleinere elektronisch Probleme...! Eigentlich konnten wir erst ziemlich spät im Rennen wirklich regelmäßige und konstante Stints fahren. Trotzdem haben wir mit unserem alten Auto doch noch verhältnismäßig konkurrenzfähige Rundenzeiten erzielt und mit der Zielankunft wenigstens das Minimalziel erreicht. Wir müssen jetzt überlegen was in der Zukunft für Investitionen möglich sind, um wieder voll konkurrenzfähiges Material zu haben um Top-Platzierungen erzielen zu können.“

Auch im Rahmenprogramm in Le Mans war Race Performance MOMO Megatron in diesem Jahr erstmals im Einsatz: Nach einem Testunfall von Giorgio Maggi auf dem Red-Bull-Ring kurz vor Beginn der Le-Mans Woche musste der LMP3 in Frankreich von den Race Performance Mechanikern zwar erst einmal teilweise neu aufgebaut werden – doch der Start beim Rahmenrennen „Road to Le Mans“ in einem Feld von fast 40 GT3- und LMP3-Autos war den Einsatz wert.

„Wir haben da insgesamt große Fortschritte gemacht, auch in der Abstimmung des Autos, das ist sehr vielversprechend für die Zukunft,“ meinte Frey. Marcello Marateotto hatte nach gutem Start einen kleinen Abstecher in den Kies wegzustecken, „das hat uns natürlich ein wenig zurückgeworfen, sonst wäre wirklich ein Top-Ergebnis drin gewesen“. Der junge Giorgio Maggi überzeugte dann in der zweiten Rennhälfte mit guten Rundenzeiten, so dass es immerhin noch für den 13. Rang in der Gesamtwertung und Rang zehn in der LPM3-Kategorie reichte.
Anzeige