Freitag, 15. November 2019
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Blancpain
26.11.2015

Siedlers: In jedem dritten Rennen auf dem Podest

Neues Auto, neue Serie, neue Herausforderung – für Norbert Siedler hat sich im Jahr 2015 einiges geändert. Nachdem der österreichische GT-Profi in der Vergangenheit fast ausschließlich auf Porsche-Modellen unterwegs war, warteten mit dem Ferrari 458 Italia und dem Mercedes SLS AMG gleich zwei neue GT3-Fahrzeuge auf den schnellen Tiroler. Besonders die Einsätze im Ferrari verliefen äußerst erfolgreich: Gleich drei Mal sicherte sich Siedler mit dem italienischen Sportwagen den Sieg und konnte in jedem dritten Rennen auf das Siegerpodest klettern.
 
Vor der Saison waren sich Siedler und sein Team Rinaldi-Racing bewusst, dass sie sich mit dem Einstieg in die Blancpain GT Series einer großen Herausforderung stellen: „Wir waren das kleinste Team im Feld und konnten als Neueinsteiger zudem auf keine Erfahrungen aus dem Vorjahr aufbauen. Jedes Rennwochenende mussten wir bei null anfangen“, erinnert sich Siedler. „Dafür hat jeder einzelne umso mehr für den Erfolg gekämpft. Teamleitung, Ingenieure und Mechaniker haben unglaublich professionell gearbeitet.“
 
Titelkampf bis zum Schluss in der Blancpain Sprint Series
 
Denn trotz des Erfahrungsrückstands war der giftgrüne Ferrari fast in jedem Rennen vorne dabei: In der Blancpain Sprint Series kämpfte Norbert Siedler sogar bis zum letzten Rennen um den Meistertitel. „Hätte mir jemand vor der Saison die Abschlusstabelle gezeigt, wäre ich wohl extrem zufrieden gewesen“, erläutert der 32-Jährige. „Im Nachhinein ärgert es mich jetzt aber schon, dass wir aufgrund eines Motorschadens im Warm-Up vor dem letzten Rennen nicht mehr in den Titelkampf eingreifen konnten.“ Auch insgesamt war die Saison in der Sprint Series, bei der Siedler mit dem Deutschen Marco Seefried eine Fahrerpaarung bildete, eine Achterbahnfahrt der Gefühle. 
 
„Das Wochenende in Misano war das erfolgreichste Rennwochenende in meiner Karriere. Pole-Position, ungefährdeter Sieg in beiden Rennen – mehr geht wirklich nicht. Auch in Moskau hatten wir ein tolles Wochenende. Ebenso in Zolder, bis Marco auf Platz zwei liegend unfair von der Strecke geschoben wurde.“ Absoluter Tiefpunkt war das Wochenende in Brands Hatch, als der Rennfahrer aus der Wildschönau nach Reifenschaden und technischem Defekt ohne Punkte nach Hause fahren musste. „Wenn man auch noch den Motorschaden beim letzten Rennen bedenkt, sind uns wirklich viele Punkte durch Pech verloren gegangen.“
 
Starke Qualifying-Performance und ein Sieg in der Blancpain Endurance Series
 
In der Blancpain Endurance Series sorgte Norbert Siedler vor allem im Qualifying für Furore: Mit der Pole-Position in Monza, Platz zwei in Silverstone und Platz drei in Le Castellet konnte er regelmäßig Spitzenplätze einfahren – bei durchschnittlich knapp 60 Startern und über 40 Fahrzeugen mit mindestens einem Profi am Steuer. In Monza reichte es dann auch im Rennen zum Sieg. „In der Endurance Series wurden Marco und ich von Rinat Salikhov unterstützt. Er ist ein ambitionierter Amateurrennfahrer, mit den reinen Profi-Trios konnten wir also in den Rennen nicht ganz mithalten. Doch in Monza ist Rinat über sich hinaus gewachsen, konnte dem enormen Druck standhalten und wir sind als Erster über die Ziellinie gefahren. Neben der ganzen Rinaldi-Mannschaft möchte ich auch Rinat für die tolle Saison danken, denn zusammen mit Vadim Kogay ist er ein großer Förderer unseres Projekts.“
 
Schnell abgehakt hat Norbert Siedler dagegen das ADAC 24h-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, bei dem er zum ersten Mal im Mercedes SLS AMG GT3 unterwegs war. „Dort lief es von Anfang nicht ganz rund. Technische Defekte, für die Haribo-Racing nicht verantwortlich war, haben uns in den Trainingssitzungen viel Zeit gekostet. Im Rennen hatten wir dann bei schwierigen Bedingungen einen Unfall und mussten aufgeben. Das ging leider auf meine Kappe. Wir waren zum Zeitpunkt des Ausfalls schon auf Platz vier unterwegs.“
 
Verhandlungen für die neue Saison laufen
 
Norbert Siedlers letzter Renneinsatz liegt mittlerweile fast sechs Wochen zurück. Zeit für den Familienvater, etwas Zeit abseits des Cockpits zu verbringen: „Natürlich ist es schön, in der Winterpause deutlich häufiger zu Hause bei meiner Frau und meiner kleinen Tochter zu sein. In der Saison war ich fast jedes Wochenende unterwegs, weil ich entweder selbst ein Rennen gefahren bin oder als Coach im Einsatz war.“ Von Urlaub kann derzeit aber trotzdem keine Rede sein. „Als freier Rennprofi bist du permanent in Verhandlungen mit Teams und schaust dich nach möglichen Einsatzfeldern für das nächste Jahr um.“ Verträge sind aber noch nicht unterschrieben: „Dafür ist es noch zu früh – ich bin in Verhandlungen mit mehreren Teams für verschiedene Serien und Fahrzeuge. Am ADAC 24h-Rennen werde ich auf jeden Fall teilnehmen und auch der Blancpain GT Series möchte ich gerne erhalten bleiben.“