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Rallye WM
20.01.2014

„Monte“-Sieg! Ogier und VW mit Traumstart in die WM

Triumph bei der Rallye Monte Carlo – Volkswagen ist mit einem Traumergebnis in die neue Saison der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) gestartet. Sébastien Ogier / Julien Ingrassia (F / F) sicherten sich den Sieg mit einer unwiderstehlichen Aufholjagd und einer herausragenden fahrerischen Leistung. Sie feierten bei der „Monte“ ihren insgesamt 17. Triumph in der Rallye-WM, den zehnten mit Volkswagen.

Für das Duo war es der zweite Sieg beim Rallye-Klassiker nach 2009, als der Lauf rund um das Fürstentum nicht zur WM zählte. Rang zwei ging an Ford-Pilot Bryan Bouffier, der 2011 hier gesiegt hatte, Rang drei an Kris Meeke im Citroën.

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Die legendäre „Monte“, auch „die Unberechenbare“ genannt, konfrontierte die Teilnehmer mit extrem schwierigen Witterungs- und Streckenbedingungen. Regen in den Tälern, Schneefall in den Höhenlagen – die Reifenwahl war wie schon häufig das bestimmende Thema der „Monte“. Volkswagen beendete den Klassiker mit allen drei Polo R WRC in den Punkterängen. Jari-Matti Latvala / Miikka Anttila (FIN / FIN) sammelten als Fünfte, Andreas Mikkelsen / Mikko Markkula (N / FIN) als Siebte wertvolle Zähler.

Typisch „Monte“ – knifflige Reifenwahl sorgt für Spannung, das Wetter für Chaos

Plötzlich einsetzender Winter in den französischen Seealpen, Starkregen in den Tälern – die Rallye Monte Carlo erwischte die Teilnehmer gleich zu Beginn im wahren Wortsinn kalt. Die Volkswagen Piloten wählten auf den ersten drei Wertungsprüfungen der „Monte“ anhand der Wetterdaten nahezu profillose Slicks – angesichts von urplötzlich und überraschend fallenden Schnees eine echte Herausforderung. Sébastien Ogier / Julien Ingrassia und ihre Teamkollegen verloren unter diesen Bedingungen viel Zeit. Das Weltmeister-Duo fand sich auf Rang neun wieder. Ab der fünften Wertungsprüfung zeigten sie jedoch ihre Extraklasse, rangierten bis ins Ziel stets unter den Top Drei, absolvierten sieben WPs als Schnellste und übernahmen schon zur Mitte der „Monte“ die Führung, die sie bis ins Ziel stetig ausbauten.

Die 14. Wertungsprüfung der Rallye Monte Carlo musste wegen der extremen Witterungsverhältnisse sogar abgesagt werden. Auf dem berühmt-berüchtigten Col de Turini fiel zwischen dem ersten und dem zweiten Durchgang am Samstag so viel Schnee, dass die zweite Passage wegen zum Teil steckengebliebener World Rally Cars neutralisiert werden musste.

Der Aufholjäger: Jari-Matti Latvala und das doppelte Comeback

Sébastien Ogiers Teamkollegen Jari-Matti Latvala / Miikka Anttila lieferten den Fans der Rallye Monte Carlo gleich zweimal eine sehenswerte Aufholjagd. Am Rallye-Freitag kämpfte sich „JML“ von der 18. auf die siebte Position des Gesamtklassements nach vorn. Am Samstag kletterten sie eine weitere Position, ehe sie ein Reifenschaden zurückwarf. Noch am selben Tag führte der Weg von der achten auf die fünfte Position nach vorn. Latvala / Anttila lagen während der „Monte“ acht Mal unter den Top Drei der WP-Ergebnisse, drei Mal davon waren sie die Schnellsten.

Punkte als Lohn für „Monte“-Lehrling Mikkelsen

Viel gelernt, Punkte mitgenommen – Andreas Mikkelsens erste Teilnahme an der Rallye Monte Carlo mit einem World Rally Car wurde mit dem Gewinn von sechs WM-Zählern belohnt. Gemeinsam mit seinem Co-Piloten Mikko Markkula absolvierten Mikkelsen die 14 gewerteten Wertungsprüfungen mit der gebotenen Vorsicht. Die reichte auf der zehnten WP jedoch nicht aus – auf Slick-Reifen rutschten Mikkelsen Markkula am zweiten Tag zwischen Sisteron und Thoard in einer langsamen Kurve mit geringer Geschwindigkeit von der verschneiten Strecke. Mit der Hilfe von Fans setzten sie die Fahrt mit großem Zeitverlust fort, und bedankten sich am abschließenden Rallye-Samstag mit Top-Zeiten.

Zusatzpunkte in der Powerstage für Latvala / Anttila und Ogier / Ingrassia

Drei Extra-Zähler für Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila, zwei Bonuspunkte für Sébastien Ogier und Julien Ingrassia – Volkswagen feierte bei der sogenannten Powerstage einen Doppelerfolg. Fünf der sechs Zusatzpunkte gingen in der Powerstage, der abschließenden Wertungsprüfung einer Rallye, in der Punkte für die ersten Drei vergeben werden, nach Wolfsburg.

Traum-Auftakt: WM-Führung für Ogier / Ingrassia und Volkswagen

Dank des Auftaktsieges und zwei Zusatzzählern in der Powerstage gehen die Weltmeister auch als die erste Führenden in den weiteren Saisonverlauf. Sébastien Ogier und Julien Ingrassia nehmen 27 Punkte aus ihrer Heimrallye mit, Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila sind dank ihres Powerstage-Sieges mit 13 Punkten WM-Vierte. Auch Volkswagen eroberte die Führung in der Hersteller-Weltmeisterschaft: 37 Punkte gingen nach Wolfsburg, 33 an Citroën.

Stimmen nach der Rallye Monte Carlo

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1: „Was für ein perfekter Saisonauftakt! Das Team hat einen fantastischen Job gemacht. Ich bin überglücklich. Die Rallye Monte Carlo bei diesen schwierigen Bedingungen zu gewinnen, ist ein großartiges Gefühl. Vor allem jetzt, wo die Monte wieder ein WM-Lauf ist. Deshalb wiegt der Sieg natürlich mehr als der von Julien und mir 2009 in der IRC. Erst recht, wenn man die letzten drei Tage betrachtet: die Aufholjagd bei dem extremen Regen und dann das Schneechaos am Col de Turini. Ich wollte hier bei meiner Heimrallye unbedingt gewinnen. Den Sieg werde ich gebührend feiern – mit meiner Familie, meiner Freundin Andrea und der ganzen Volkswagen Mannschaft.“

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2: „Ich bin wirklich zufrieden mit Platz fünf. Dieses Ziel hatten wir uns von Anfang an gesetzt, nun habe ich endlich meine schwarze Serie bei der Rallye Monte Carlo beendet. Die Streckenbedingungen waren teilweise sehr, sehr schwierig und genauso die Reifenwahl, bei der wir zu Beginn nicht richtig lagen. Die Prüfungen in den Bergen waren ein hartes Stück Arbeit, und es hat sich gelohnt. Wir haben wichtige Punkte eingefahren. Besonders über die drei Extra-Zähler in der Powerstage freue ich mich. Jetzt gehen wir mit großer Zuversicht die Rallye Schweden an.“

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9: „Eine unfassbar anstrengende Rallye für uns. Es gab so viele Bedingungen, unter denen wir noch nie angetreten sind. Wir sind wie viele andere mit Slicks im Schnee und mit Spikes im Regen gefahren. Definitiv war die Reifenwahl enorm schwierig. Aber ich habe sehr viel bei der Rallye Monte Carlo gelernt. Ich bin sehr froh, dass wir sie in den Punkten beendet haben. Das war von Beginn an unser Ziel und ich bin immer noch platt, wie schwer es zu erreichen war.“

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor: „Ich bin heute sehr stolz auf die gesamte Mannschaft. Fahrer, Beifahrer, Ingenieure, Mechaniker haben einen herausragenden Job gemacht. Sébastien Ogier war einfach Meisterklasse, Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen haben ebenfalls einen großartigen Job gemacht. Mit ihren Ingenieure haben sie anhand der vorliegenden Informationen von den Eisspionen und der Wettercrew stets klug die Reifenwahl entschieden, auch wenn sie sich das später nicht immer als perfekt herausgestellt hat. Aber genau das ist typisch ‚Monte‘, die immer unberechenbar und launisch ist. Alle drei Polo R WRC in den Punkten zu haben und als Team erstmals die legendäre ‚Monte‘ gewonnen zu haben ist ein herausragender Erfolg.“

Und da war dann noch ...

... Nicolas Vouilloz, der Eisspion von Sébastien Ogier, der als „Erfinder der gekreuzten Reifen“ gilt. Bei unklaren und wechselhaften Wetterverhältnissen wählen die Rallye-Piloten immer häufiger gemischte Bereifungen über Kreuz, beispielsweise gleichzeitig Slick- und Regenreifen, wobei die Slicks vorne links und hinten rechts, die Regenreifen entsprechend gegenüber montiert werden. „Wir haben das bei Reifentests mit Michelin vor Jahren ausprobiert und es hat besser funktioniert, als unterschiedliche Reifen an Vorder- und an Hinterachse zu fahren. Wir dürften die ersten gewesen sein, die das im Wettbewerb eingesetzt haben“, so der 37-Jährige aus Nizza, der die Extreme auch auf zwei Rädern beherrscht: Vouilloz war zehn Mal Weltmeister im Mountainbike-Downhill.