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Formel 1
16.04.2014

Pirellis Vorschau auf den China Grand Prix

Traditionell dominiert die Rennstrategie den Großen Preis von China in Shanghai, für den Pirelli den P Zero White (medium) und den P Zero Yellow (soft) nominierte. Obwohl die Teams in der Vergangenheit eine Fülle unterschiedlicher Taktiken und Strategien im Rennen einsetzten, kam es im Finish immer wieder zu spannenden Duellen mehrerer Piloten.

Kennzeichnend für die Strecke in Shanghai sind der glatte Asphalt sowie einige schwierige Kurven, darunter die überhöhte Kurve 13. Die vielseitig einsetzbare Reifenkombination ist daher die optimale Lösung für die vielfältigen Anforderungen des Shanghai Circuit. Paul Hembery, Motorsport Direktor, Pirelli: „Der Grand Prix von China ist das dritte Rennen dieser Saison, für das wir die Kombination aus weichen und mittelharten Slicks nominierten.“

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Und weiter: „Die Teams häufen also immer mehr Wissen darüber an, wie unsere Reifen mit den komplexen Spezifikationen der Autos des Jahres 2014 interagieren. Hinzu kommt, dass wir vor wenigen Tagen in Bahrain den ersten Reifentest in der Saison absolvierten. Als Ergebnis dieser Entwicklung beobachten wir auch, dass die Rennstrategie wieder zunehmend an Bedeutung gewinnt. Auf dem Circuit in China wurde in der Vergangenheit mehrmals deutlich, wie erfolgreich vor allem eine gute Reifenstrategie sein kann. Die Teams werden daher hoffen, die während der ersten Rennen erhaltenen Daten hier gewinnbringend einsetzen zu können und einige der Strategieoptionen ausprobieren, die ihnen unsere jüngste Generation der P Zero-Reifen bietet. Wie wir wissen, können sich die Witterungsbedingungen in Shanghai schnell ändern. Daher gilt: Die Fähigkeit, Informationen schnell zu verarbeiten und umgehend auf sich ändernde Umstände zu reagieren, wird ein Schlüssel dafür sein, das optimale Ergebnis einzufahren.“

Jean Alesi, technischer Kommentator, Pirelli: „Ich kenne die Strecke in China nicht so gut, doch soviel ich weiß, bietet sie immer viel Spannung und beste Unterhaltung. Wir sind jetzt an einem Punkt der Saison, in der die Strategie immer wichtiger wird. Denn nach der ersten Entwicklungsphase beginnen die Teams, die Fähigkeiten und das Potenzial ihrer Autos zu erkennen und entsprechend einzusetzen. Das ist für die Reifen sehr wichtig, denn wir haben bereits gesehen, dass die Fahrer von Rennen zu Rennen mehr aus ihnen herausholen. Der Grand Prix in Bahrain war fan­tas­tisch. Wenn wir öfter derartige Zweikämpfe sehen, können wir uns auf eine großartige Saison freuen.“

Wie die Reifen für jedes Rennen zugeteilt werden

Die Reifen für jedes Rennwochenende werden den Teams nach dem Zufallsprinzip per Barcode zugewiesen. Dieser Prozess wird von der FIA durchgeführt, dem zuständigen internationalem Dachverband des Automobils und Veranstalter der Formel 1. Der Barcode ist sozusagen der Personalausweis eines Reifens. Er wird während der Vulkanisation fest in dessen Struktur eingebracht und kann nicht entfernt werden. Der Code enthält sämtliche Detailangaben über den Reifen. Im Verlauf eines Rennwochenendes kann Pirelli mithilfe der Software RTS (Racing Tyre System) jederzeit feststellen, wo sich der Reifen befindet. Die FIA erhält eine Liste mit den Barcodes und weist daraufhin jeden Barcode – und somit jeden Reifen – nach dem Zufallsprinzip einem Team zu.

Pirelli selbst ist an diesem Zuteilungsprozess nicht beteiligt und hat daher auch keinen Einfluss darauf, welche Reifen welches Team erhält. Davon unabhängig garantiert eine strenge Qualitätskontrolle, dass sämtliche Reifen einer Mischung, die das Werk verlassen, völlig identische Merkmale aufweisen. Sobald sie auf der Strecke eintreffen, werden die Reifen in strikter Übereinstimmung mit einer von der FIA vorbereiteten Liste den Teams zugeteilt. Die Barcodes ermöglichen es der FIA und Pirelli, dass die richtigen Teams den Regularien entsprechend die korrekten Reifen einsetzen.

Die Anforderungen der Strecke an die Reifen

In Shanghai gibt es einige schnelle Kurven, in denen die Fahrer extrem beschleunigen. In diesen Passagen haben sie in dieser Saison den größten Nutzen vom zusätzlichen Drehmoment ihrer Motoren. Besonders in den Kurven 3 und 4, 7 und 8 sowie 12 und 13 ist die maximale Beschleunigung erforderlich. Doch ebenso wichtig ist das richtige Motor-Management, um ein Durchdrehen der Räder, den sogenannten Wheel-Spin, und daraus resultierende Reifenschäden zu verhindern. Das in China häufig gewählte Setup mit hohem Abtrieb ermöglicht Highspeed in den Kurven, wobei Kräfte von über 3,8 G auftreten. Aufgrund ihres höheren Griplevels sind die weicheren Reifen größeren Kurvenkräften unterworfen – und eine Runde auf dem Circuit von Shanghai besteht zu rund 80 Prozent aus Kurven.

Das Streckenlayout bietet zudem einige lange Geraden, die sich ebenfalls auf die Reifen auswirken. Weil die Mischungen auf den Geraden abkühlen, müssen sie für die folgenden Kurven möglichst schnell wieder auf Temperatur gebracht werden. Der P Zero White (medium) ist eine Mischung mit einem relativ schmalen Arbeitsfenster, während der P Zero Yellow (soft) ein Slick mit recht breitem Arbeitsfenster ist. Daraus resultiert die Fähigkeit dieser Kombination, unter vielfältigen Bedingungen wirkungsvoll zu arbeiten. Die Kombination zeichnete sich in der laufenden Saison bereits mehrfach als sehr effektiv aus.

Auf keinem anderen Circuit in der Saison werden die Bremsen so stark belastet wie in Shanghai. Daher hat auch das neue elektronische Bremssystem hohen Einfluss auf die Reifen, die hier Bremskräften bis 4,3 G standhalten müssen. Im vergangenen Jahr gewann Fernando Alonso (Ferrari) das Rennen mit einer Drei-Stopp-Strategie. Er startete vom dritten Platz mit weichen Reifen und absolvierte dann drei Stints auf den Medium-Reifen. Jenson Button (McLaren) beendete mit einer Zwei-Stopp-Strategie das Rennen als Fünfter.
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