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24.12.2013

Patrik Kaiser: Sand im Getriebe in Dubai

Mit dem Start auf einem reinrassigen GT3-Boliden beim 12h-Rennen in Abu Dhabi wollte Patrik Kaiser einen versöhnlichen Abschluss einer eher durchwachsenen Motorsportsaison finden. Die Technik des Boliden und die Bürokraten von Abu Dhabi waren jedoch anderer Auffassung und bescherten dem Liechtensteiner Rennfahrer ein paar unfreiwillige Urlaubstage im Wüstensand.

„Einmal alles neu“ – so die Devise kurz vorm Jahresende für den aus Schellenberg / Liechtenstein stammenden Rennfahrer Patrik Kaiser: Neue Rennserie, neue Strecke, neues Team, neues Auto. „Mit Leipert Motorsport, einem renommierten Team mit viel Erfahrung im nationalen und internationalen GT-Sport und zuverlässigem Material, hatte ich einen zuverlässigen Partner an meiner Seite“, erklärt Patrik Kaiser nach seiner Rückkehr aus Abu Dhabi. „Allerdings“, berichtet er weiter, „sind auch die erfahrensten Teams machtlos, wenn Technik und Bürokratie glauben, einen Start verhindern zu müssen.

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Mit Platz 12 nach dem ersten freien Training waren wir zufrieden, zumal sich hier schon erstmalig der Motor zu Wort gemeldet hatte.“ Lediglich vier Sekunden trennten Patrik Kaiser und seine Mitstreiter Fabian Hamprecht und Isaac Tutumlu vom Erstplatzierten der ersten Trainingssitzung. Auch nach dem zweiten freien Training lag Kaiser mit dem Lamborghini Gallardo FL2 GT3 auf dem 12. Rang, der Abstand zur Spitze war jedoch auf 1,2 Sekunden geschmolzen. „Bereits das zweite Training hat mir gezeigt, auf welch hohem Niveau hier gefahren wird. Insgesamt 13 Fahrzeuge lagen innerhalb von 1,5 Sekunden – uns war klar, dass es hier nicht nur heiß, sondern auch sehr eng zugehen wird.“

Kaiser wurde mit jeder Runde schneller, mit jedem Meter sicherer auf dem GT3-Boliden: Mitunter konnte er seine Rundenzeiten von Training zu Training um bis zu drei Sekunden runterschrauben. Bevor sich das Team jedoch in weiteren freien Trainingsrunden und im Qualifiyng unter Beweis stellen konnte, läutete der Motor vollends einen kapitalen Schaden an: Der zehnte Zylinder arbeitete nicht wie gewünscht, das Triebwerk musste gewechselt werden. „Dummerweise hatte das Team kein Ersatz-Aggregat im Gepäck. Grund: Als der Ersatzmotor fertig war, waren Auto und Equipment schon im Container auf der Reise nach Abu Dhabi. Das Team orderte bei Lamborghini in Italien ein neues Aggregat – die Zeichen standen gut, hätte alles reibungslos funktioniert, wäre einem Start zur Qualifikation nichts im Wege gestanden.“

Der Weg des neuen Motors endete jedoch nicht wie gewünscht im Motorraum, sondern in einer Lagerhalle des italienischen Zolls. „Die Zöllner waren offenbar keine echten Motorsportfans und hatten kein Einsehen – sie verwehrten dem dringend benötigten Motor die „Ausreise“ aus Italien. Offenbar waren die Anti-Terror-Bestimmungen schuld daran. Damit war das Rennen für uns beendet“, beschreibt Kaiser die damalige Situation vor Ort. In Abu Dhabi hätte der Motor indes einen reibungslosen Weg gehabt: Mit einer Sondergenehmigung von höchster Ebene hatte der Motor freie Einreise und Geleit bis zur Rennstrecke. Kaiser: „Die Mühen des Scheichs, der uns unterstützte, halfen nichts – der Motor durfte die italienische Landesgrenze nicht passieren.“

Nicht nur Frust machte sich im gesamten Team breit, auch Sorge um den Teamchef, der die Kombination aus Wüstenhitze und Aufregung nicht überstand, kollabierte und ins Krankenhaus verfrachtet werden musste. „Gott sei Dank war der Teamchef schon bald wieder auf den Beinen – das Rennen jedoch war gelaufen und wir zu Zaungästen degradiert“, lässt ein noch immer frustrierter Patrik Kaiser wissen. Tatenlos musste Kaiser zuschauen, wie der Wettbewerb um Sekunden und Zentimeter kämpfte. Der versierte Rennfahrer ist nun jedoch um eine Erfahrung reicher: „GT3-Rennfahrzeuge sind faszinierend – schön, schnell und mitunter auch brachial. Eindrucksvoll war für mich die Bremsleistung: Binnen 140 Meter musste ich den Lamborghini von 280 km/h auf rund 40 Sachen runterbremsen. Eine wirklich brutale Leistung, die das Material ertragen muss, die aber auch an der Kondition der Fahrer zehrt.“

Der Liechtensteiner machte das Beste aus der Situation und genoss mit seiner Frau die restliche Zeit in Abu Dhabi. „Allein das Land ist eine Reise wert, verbunden mit hochkarätigem Motorsport ein echtes Highlight. Wie es 2014 weitergeht, kann ich noch nicht mit Gewissheit sagen. Jetzt gilt meine Aufmerksamkeit der Familie, erst 2014 stelle ich meine Motorsportweichen für die kommende Saison.“